E-MobilitätWie Steirer in der Welt der Stromautos für Aufsehen sorgen

In der Steiermark konzentrieren sich drei Start-ups darauf, schnelle und moderne Lademöglichkeiten für E-Autos zu entwickeln. Große Hersteller und viele Kunden haben bereits angebissen. Easelink, Volterio und NRGkick: Was sie eint und was sie unterscheidet.

© Easelink
 

Bescheidene 1,5 Prozent. Der Anteil der Stromautos an den neu zugelassenen Pkw 2017 in Österreich wächst langsam. Doch setzen drei Start-ups aus der Steiermark alles daran, dass aus der Nische ein großer Markt wird. Drei Gründer, ein Ziel: einfache und schnelle Aufladesysteme für E-Autos, die Hersteller und Verbraucher begeistern.

„Es gibt quer über den Globus viele Start-ups, die auf diesem Gebiet forschen“, sagt Hermann Stockinger, Gründer von Easelink in Graz. Ein direkter Konkurrent arbeitet mit Volterio (früher NRG-X) allerdings fast Tür an Tür ebenfalls in Graz. Zwar betonen beide Seiten, der jeweils andere sei keine Konkurrenz - und doch pocht jeder darauf, der Bessere zu sein. Fakt ist auch: Sowohl Easelink als auch Volterio entwickeln automatische Lademöglichkeiten und setzen dabei auf die gleiche Technologie. E-Autos tanken Energie, während sie über einem mit dem Stromnetz verbundenen Bodenmodul parken. Auto und Netzteil verbinden sich von selbst und die Batterie lädt. Ein Kabel wird nicht mehr angesteckt.

Wey-Gründer Wei Jianjun mit Easelink-Gründer Hermann Stockinger Foto © Easelink

So funktioniert es

„Matrix Charging“ nennt sich das bei Easelink. Diese Matrix aus Kontaktflächen auf einem Konnektor an der Unterseite des Autos findet die richtige Position am „Pad“ auf dem Boden, egal, wie genau eingeparkt wurde. „Das Pad ist wartungsfrei und eignet sich für Garagen, private und öffentliche Parkflächen“, erklärt Stockinger. Konkret im Geschäft ist Easelink mit dem größten chinesischen Autohersteller Great Wall Motors und dessen Marke Wey. Eine Kooperation laufe auch mit einem großen Hersteller in Deutschland. „Wir wollen das System zum weltweiten Standard machen“, lautet der ehrgeizige Anspruch. Nächster Stopp ist der Autosalon in Genf.

Bald in Serie?

Nicht weniger ehrgeizig zeigt sich Christian Flechl, Gründer von Volterio. Seit dem Vorjahr ist das Unternehmen mit sieben Mitarbeitern Zulieferer für zwei große deutsche Hersteller und entwickelt die Prototypen nach deren Bedürfnissen. „So schnell hat noch nie ein Start-up diesen Status erreicht“, sagt Flechl und rechnet sich gute Chancen aus, dass Volterio in Serie geht. Der Unterschied zu Easelink? Das Modul auf dem Boden ist ein Roboter, dessen Arm sich automatisch mit der Ladeeinheit am Auto verbindet. Als „bahnbrechend“ bewirbt Volterio die „revolutionäre“ Technologie, die „sehr einfach in einer Garage installiert werden kann“. Kostenpunkt: unter 2000 Euro.

Der von Volterio entwickelte Roboter auf dem Boden mit dem Verbindungsarm Foto © Volterio

Herzstück seines Systems sei jedoch das neue selbstzentrierende und richtungsunabhängige Hochleistungskontaktsystem, erklärt Flechl. Es decke das Laden in der Garage bis 22 Kilowatt ebenso ab wie zukünftig das Hochleistungsladen mit bis zu 400 Kilowatt etwa an Autobahnraststätten. Sowohl Volterio als auch Easelink setzen bei ihren Systemen auf Konduktion ohne Streuverluste.

Der Kabel-Schnelllader

Im südoststeirischen St. Stefan im Rosental indes vertraut Dietmar Niederl weiterhin dem Kabel und freut sich gerade über viel Anerkennung für den NRGkick. So nennt sich das Schnellladekabel, mit dem Niederl seit 2015 die E-Auto-Szene versorgt und ihr die Angst nimmt, unterwegs ohne Saft liegen zu bleiben. Entwickelt hat Niederl das Gerät, weil es auf dem Markt fehlte.

Das spezielle Kabel ermöglicht das Laden an jeder Steckdose; bei entsprechender Leistungsfähigkeit (der Steckdose) sogar in ein bis zwei Stunden. Dafür setzte es nun den Innovationspreis des Vulkanlandes und außerdem die Nominierung für die zehn Besten des EU-Start-up-Preises sowie den Einzug ins Finale des europäischen GreenTec Awards.

Auf mittlerweile 20 Mitarbeiter ist das Unternehmen des gelernten Kfz-Technikers und früheren Magna-Mitarbeiters Niederl gewachsen. Am Firmensitz in der Südoststeiermark befinden sich Entwicklung, Produktion und Verkauf. Jährlich gehen „mehrere Tausend Stück“ (zu je 750 bis 950 Euro) an Endverbraucher in Europa, vor allem nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz.

Das Schnellladekabel von NRGkick Foto © NRGkick

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