Reinraumcluster Ein Netzwerk, das reinen Erfolg verspricht

Sechs Kärntner Firmen haben einen Reinraum-Cluster gegründet. Nächstes Projekt ist ein Servicepark für Dienstleister von Infineon.

Gemeinsam wollen die Cluster-Mitglieder am Markt stärker sein und Aufträge an Land ziehen © EWP
 

Sechs Betriebe, ein gemeinsames Ziel: Die Ortner Reinraumtechnik GmbH aus Villach hat sich mit fünf Betrieben aus dem Lavanttal (G+H Ziviltechniker GmbH, PMS Elektro- und Automationstechnik GmbH, SMB Pharmaservice GmbH, Gebäudetechnik Oswald GmbH und M. Wulz Anlagenbau GmbH) zu einem Cluster, der "Competence Group for Clean Production", zusammengeschlossen.

Gemeinsam wollen die Kärntner Firmen ihren Kunden "Full Service" bieten. Die Fertigung von Produkten und Anlagen für industrielle Kunden mit Reinraum-Anforderungen und die damit verbundenen Planungs- und Wartungsarbeiten sind in Summe die Spezialität des Clusters. Jeder bringt seine Kompetenzen ein, und am Ende steht die konkrete Umsetzung eines Projektes, sagt Hermann Grundnig, Chef der SMB Pharmaservice GmbH.

 

Das erste erfolgreiche gemeinsame Projekt: Der Servicepark in Kundl Foto © EWP

Das erste gemeinsame Großprojekt ist ein Servicepark in Kundl in Tirol, ein Kompetenzzentrum für Dienstleister und Zulieferer der Firma Sandoz, einem Teilkonzern der Pharmafirma Novartis, unmittelbar neben dem Betriebsgelände des Pharmaherstellers. Büros, Besprechungsräume, Aufenthaltsflächen, Werkstätten und Lagerbereiche sind in dem Servicepark unter anderem untergebracht. Ein bisher einzigartiges Modell, das vor allem in Deutschland auf Interesse stößt. "Fünf bis sechs große pharmazeutische Betriebe haben sich den Servicepark angesehen und überlegen, ob es für sie eine Option wäre", erzählt Josef Ortner, der Chef von Ortner Reinraumtechnik in Villach.

Industrielle Kunden mit Reinraum-Anforderungen sind die Zielgruppe der sechs Kärntner Unternehmen Foto © Ortner

Und auch in Kärnten gäbe es mit Infineon einen namhaften Interessenten für die Errichtung eines solchen Serviceparks, in dem ausschließlich Firmen untergebracht sein sollen, die für Infineon arbeiten. "Viele von ihnen legen eine Menge an Kilometern zurück, müssen aber oft schnell liefern. Wenn sie vor Ort sind, ist das ein Mehrwert für Großkunden und Zulieferer", sagt Ortner, der selbst an Infineon liefert. Aktuell werde ein geeignetes angrenzendes Grundstück gesucht.

Sandoz und Infineon – zwei unabhängige Projekte unterschiedlicher Branchen nach derselben Philosophie. Möglich nur durch die Kooperation der an dem Cluster beteiligten Kärntner Unternehmen und die Bündelung der Kräfte und Kompetenzen der sechs Firmen. "Es gibt in Kärnten keine Planer, die beispielsweise in der Lage sind, ganzheitliche Projekte für Pharmabetriebe umzusetzen. Deshalb haben wir uns gedacht, warum eignen wir uns dieses Know-how nicht in der Gruppe an", erzählt Ortner. Das Besondere sei, dass hier Unternehmen "offen und fair zusammenarbeiten". Das könne beispielgebend für andere Bereiche und Regionen sein. "Und es zeigt, dass man kein Groß- oder Eliteunternehmen sein muss, um in Netzwerken zu agieren. Unser Cluster und die Leitbetriebe bieten einen Nährboden, das ist für mich der Nutzen", sagt Ortner.

Die erfolgreiche Kooperation der sechs Unternehmen ist aus dem vom Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds initiierten Lieferanten-Entwicklungsprogramm "Clean Production Kärnten" hervorgegangen. Für KWF-Chef Erhard Juritsch ein "einzigartiges Modell", das nicht auf bestimmte Branchen beschränkt sei, sondern überall dort funktioniere, wo es um Lösungen gehe.

Unsere Kooperation zeigt, dass man kein Großunternehmen sein muss, um erfolgreich in Netzwerken zu agieren.

Josef Ortner

Zusammen haben die am Cluster beteiligten Unternehmen 600 Mitarbeiter und setzen rund 80 Millionen Euro um. Und sie sind nicht zwingend immer alle an jedem Auftrag beteiligt. Es gibt auch Kompetenzen, die sich überschneiden. So haben zum Beispiel die Firmen SMB und Wulz gemeinsam einen Großauftrag über 40 Millionen Euro zur Errichtung einer neuen Anlage des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim an Land gezogen. Bei der Planung neuer Apotheken in Kärnten arbeiten beispielsweise die Firmen Ortner, G+H und Oswald zusammen. "Die anderen unterstützen, wenn sie gebraucht werden", sagt Ortner.

Kommentieren