Mobile Trends Der Smartphone Absatz sinkt, das Geschäft wächst

Erstmals stagniert der Smartphone-Verkauf – und trotzdem wächst das Geschäft. Wie das funktioniert und welche Trends zulegen.

Barcelona: Im Bann des Mobile World Congress
Barcelona: Im Bann des Mobile World Congress © APA
 

Nachdem in Barcelona noch am Sonntag die Sonne auf den ewig langen Stadtstrand lockte, hat sich das Wetter zu Wochenbeginn eingetrübt. Am Mobile World Congress, der weltgrößten Mobilfunkesse, die in der katalanischen Hauptstadt seit gestern auf Hochtouren läuft, ulkte manch einer, der Wetterumschwung sei sinnbildlich zu verstehen. Für eine Branche, die nach schier endlosem Sonnenschein nun gegen erste Wolken anzukämpfen hat. Wie das zu verstehen ist, sprechen wir doch von 1,47 Milliarden (!) Smartphones, die laut den Marktforschern von IDC alleine 2017 verschifft wurden.

Nun, es hat mit jüngsten Absatzzahlen zu tun. Im letzten Quartal wiesen diese im Vergleich mit dem Vorjahr etwa ein Minus von 6,3 Prozent aus, insgesamt fielen die Absätze der Hersteller 2017 um ein knappes Prozent. Ungewöhnliche Daten für eine erfolgsverwöhnte Industrie. Vor allem in einstigen Parademärkten wie den USA oder China kämpfen die Smartphoneproduzenten mit Verlusten, der Durst auf ständige digitale Veränderung scheint in diesen Gegenden erst einmal gestillt.

Die neue Premium-Klasse von Samsung: Galaxy S9 und S9+

Neue Galaxy-Modelle

Selbst bei nächtlichen Lichtverhältnissen soll die Kamera des Galaxy S9+ noch detailreiche Bilder aufnehmen können.

(c) AP (Richard Drew)

Neue Galaxy-Modelle

Für eine noch persönlichere Kommunikation erstellt das Smartphone zudem aus einem Selfie oder einer Videoaufnahme ein animiertes AR-Emoji und wandelt die individuellen Gesichtszüge in ein 3D-Modell um, das verschiedene Stimmungsausdrücke widerspiegelt.

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Die persönlichen Emojis lassen sich im GIF-Format auch auf allen gängigen Plattformen teilen.

(c) APA/AFP/LLUIS GENE (LLUIS GENE)

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Die Social-Media-Generation hat uns motiviert, die Kameratechnologie in den Mittelpunkt zu stellen", sagt DJ Koh, Mobil-Chef von Samsung.

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Eine "Super-Slow-Motion-Videofunktion" erkennt schnelle Bewegungen und nimmt Sequenzen eines Videos automatisch in Zeitlupe auf. Dank automatischer Bewegungserkennung beginnt die Aufzeichnung punktgenau dann, wenn der Sensor eine Bewegung im vordefinierten Bereich erfasst hat.

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Neue Features gibt's auch für den Sprachassistenten Bixby.  Damit lassen sich zum Beispiel Straßenschilder übersetzen oder Informationen zu berühmten Orten abrufen, vor denen man gerade steht.

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Mit Bixby lassen sich zum Beispiel Straßenschilder übersetzen oder Informationen zu berühmten Orten abrufen, vor denen man gerade steht.

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Bixby erkennt auch Speisen, wenn man sie mit der Kamera anvisiert.

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Menschen reagieren gelassener auf die neuesten, verrücktesten, großartigsten Modelle und warten mit dem „Update“ auf eine neue Gerätegeneration einfach wieder länger zu. Rahmenlose Hochglanzbildschirme, biometrische Erkennungsmethodik und der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Form von smarten Assistenten scheinen die Nutzer nicht mehr ausreichend zu begeistern, um die rasant steigenden Preise der Top-Modelle in den gewohnt kurzen Abständen zu bezahlen.

Und trotzdem legt der „Wert“ des Smartphonemarktes weiter zu. Wie das sein kann? Schnell erklärt: Die Steigerung der durchschnittlich bezahlten Preise überwiegt den Rückgang der Absatzzahlen deutlich. Der deutsche Branchenverband Bitkom etwa spricht von 426 Euro, die Konsumenten für ein Smartphone 2018 im Schnitt ausgeben. 2017 sei die Zahl noch bei 419 Euro gelegen, ein weiteres Jahr davor bei 386 Euro. Mit einer simplen Inflationsabgeltung hat das wenig zu tun. Es werden also insgesamt weniger Geräte verkauft, diese spülen aber umso mehr Geld in die Kassen der Smartphonebauer.

Die technologische Trickkiste

Um die hohen Preise für die Premium-Modelle zu rechtfertigen, müssen diese aber noch tiefer in die technologische Trickkiste greifen. Speziell auf Anwendungen von künstlicher Intelligenz vertraut die Branche dahin gehend nach wie vor blind und forciert sie nun noch stärker. Als Samsung am Sonntagabend in Barcelona seine neuen Parade-Smartphones Galaxy S9 und Galaxy S9+ vorstellte, bekam der in der Vergangenheit oft gescholtene schlaue Assistent „Bixby“ besonders viele Bühnenminuten und durfte etwa spanische Menükarten in Echtzeit übersetzen.

Auch die Software des erneuerten V30S von LG soll exakt erkennen, was die Handykamera vor der Linse hat. Das Gerät kann dadurch den Aufnahmemodus anpassen, oder – Achtung, ein neues Geschäftsmodell! – gleich im Internet nach Kaufgelegenheiten für den Artikel suchen. In nicht allzu ferner Zeit, so prognostiziert es IT-Marktforscher Francisco Jeronimo, werde eine Kette automatisierter Aktionen ausgelöst, wenn ein Smartphone beispielsweise auf ein Filmplakat gerichtet wird.

Mehr als 100.000 Zuseher werden heuer am Mobile World Congress erwartet
Mehr als 100.000 Zuseher werden heuer am Mobile World Congress erwartet Foto © APA

Wie diese aussehen könnte? Der kluge Telefon-Assistent schätzt aufgrund bekannter Gepflogenheiten des Nutzers, ob der Film überhaupt gefallen könnte. Bei einer positiven Tendenz wird der Terminkalender für einen möglichen Kinotermin durchforstet und das Ticket gekauft.

Die gar nicht so ferne Zukunftsmusik zeigt: Die Mobilfunkgiganten haben noch einiges an Technologie in petto. Und selbst die absoluten Absatzzahlen könnten dank Ländern wie Indien laut einigen Prognosen zumindest bis 2021 wieder steigen. Besonders dunkel scheinen die Wolken über Barcelona also vorerst nicht.

iOS und Google dominieren

Googles Android ist das mit Abstand dominierende Betriebssystem – 85,9 Prozent der 2017 verkauften Smartphones liefen laut der Marktforschung von Gartner mit der Google-Software.

Apples iOS-System, also jenes Betriebssystem, mit dem iPhones arbeiten, kam auf 14 Prozent Marktanteil. Damit füllten die beiden Plattformen 99,9 Prozent des gesamten Marktes aus.

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