Frühjahrsprognose

EU-Wachstum: Österreich kann nicht mehr mithalten

Die Konjunktur in Österreich konnte zuletzt nicht mit der Entwicklung in der EU mithalten. Das zeigt die EU-Frühjahrsprognose. Die Zahl der Arbeitslosen wird weiter steigen. Beim Wachstum steht Österreich EU-Weit auf Platz 21.

 EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici
EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici © APA/EPA/THIERRY MONASSE
 

Die EU-Kommission ist in ihrer Frühjahrsprognose für Österreich für die Jahre 2016 und 2017 weniger optimistisch als zuletzt. Für heuer wird nun ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent erwartet, für 2017 von 1,6 Prozent. Der anhaltende Zustrom von Flüchtlingen unterstütze den privaten und öffentlichen Konsum sowie im Laufe der Zeit das Arbeitskräfteangebot, erklärte die EU-Behörde am Dienstag.

Durch den Zuzug von Flüchtlingen wächst zudem das Angebot an Arbeitskräften. "Das Arbeitskräfteangebot wird wahrscheinlich auch durch Reformen unterstützt, die eine größere Beteiligung von Frauen und ein höheres effektives Pensionsantrittsalter anregen. Dieser Anstieg im Arbeitskräfteangebot kann von der österreichischen Wirtschaft im Prognosezeitraum nicht voll absorbiert werden", schätzt die EU-Kommission. Somit werde sich damit auch die Arbeitslosigkeit weiter von einer Quote von 5,7 Prozent im Jahr 2015 auf 5,9 Prozent und 6,1 Prozent im Jahr 2016 bzw. 2017 erhöhen.

Steuerreform hilft

Positive Auswirkungen sieht die Kommission auch durch die Steuerreform, die das verfügbare Nettoeinkommen der Haushalte erhöht und so den privaten Konsum pusht. Der private Konsum sollte auch durch die staatlichen Ausgaben für Flüchtlinge unterstützt werden, heißt es. 2016 wird das Wachstum von der steigenden Binnennachfrage getragen. Der Baubranche kommen die wachsende Bevölkerung, einschließlich des Zustroms von Migranten, zugute.

Die Aussichten für den österreichische Außenhandel sind im Großen und Ganzen positiv. Da Österreich vor allem im Warenaustausch mit der EU steht, sei es weniger von der schwächeren Entwicklung in Übersee sowie den Schwellenländern beeinträchtigt, so die Kommission.

Nur mehr Platz 21

In der EU-Frühjahrsprognose liegt Österreich beim prognostizierten Wirtschaftswachstum für 2016 nur mehr auf Rang 21. Für das laufende Jahr kann Österreich lediglich ein BIP-Plus von 1,5 Prozent erwarten. Das liegt nicht nur unter dem Durchschnitt der EU (+1,8 Prozent), sondern auch der Eurozone (+1,6 Prozent).

Die besten Prognosen werden für Irland mit +4,9 Prozent erwartet. Alle EU-Staaten können mit einem Wachstum rechnen, ausgenommen Griechenland, dessen Wirtschaftsleistung 2016 laut Vorausschau um 0,3 Prozent abnehmen wird.

Wachstum in Osteuropa

Ein Wirtschaftswachstum von mehr als zwei Prozent können neben Irland noch Rumänien (+4,2 Prozent), Malta (+4,1 Prozent), Polen (+3,7 Prozent), Schweden (+3,4 Prozent), Luxemburg (+3,3 Prozent), Slowakei (+3,2 Prozent), Lettland und Litauen (je +2,8 Prozent), Spanien (+2,6 Prozent), Ungarn (+2,5 Prozent) und Tschechien (+2,1 Prozent) erwarten.

Bulgarien liegt exakt bei +2,0 Prozent. Dahinter kommen Estland (+1,9 Prozent), Großbritannien und Kroatien (je +1,8 Prozent), Niederlande, Slowenien und Zypern (je +1,7 Prozent), Deutschland (1,6 Prozent), ÖSTERREICH und Portugal (je +1,5 Prozent), Frankreich (+1,3 Prozent), Belgien und Dänemark (je +1,2 Prozent), Italien (+1,1 Prozent), Finnland (+0,7 Prozent) sowie Griechenland (-0,3 Prozent).

 

Österreich: Mehr Arbeitslose

Österreich weist bei der Arbeitslosenrate laut EU-Frühjahrsprognose die zweitschlechteste Entwicklung der 28 Staaten für 2016 auf. In 23 EU-Ländern gibt es sinkende Quoten, in drei Staaten bleiben die Arbeitslosenraten gleich, nur in Österreich (von 5,7 auf 5,9 Prozent von 2015 auf 2016) und Estland (von 6,2 auf 6,5 Prozent) gibt es höhere Zahlen.

Im laufenden Jahr hat Tschechien mit 4,5 Prozent die niedrigste Arbeitslosenrate zu erwarten, gefolgt von Deutschland (4,6 Prozent), Großbritannien (5,0 Prozent), Malta (5,1 Prozent) und Österreich auf Rang fünf mit 5,9 Prozent. Die höchsten Quoten werden für Griechenland (24,7 Prozent) und Spanien (20,0 Prozent) prophezeit.

Auch 2017 kann sich Österreich bei der Arbeitslosigkeit nicht erholen. Es wird ein weiterer Anstieg auf 6,1 Prozent erwartet - und auch im kommenden Jahr gibt es nur drei Staaten mit steigenden Quoten: Deutschland (von 4,6 Prozent 2016 auf 4,7 Prozent 2017), Estland (von 6,5 auf 7,7 Prozent) und eben Österreich. In zwei Ländern bleibt die Arbeitslosenrate unverändert, in 23 sinkt sie weiter.

Dies zeigt sich auch im Gesamtbild für EU und Eurozone. Die Währungsunion kann mit sinkenden Raten von 10,9 Prozent 2015 auf 10,3 Prozent 2016 und 9,9 Prozent 2017 rechnen, die gesamte EU verbessert sich bei der Arbeitslosenquote von 9,4 über 8,9 auf 8,5 Prozent.

Inflation höher als in Rest-EU

Österreichs Inflation wird laut EU-Frühjahrsprognose 2016 mit +0,9 Prozent die dritthöchste innerhalb der 28 Staaten sein. Höher liegen nur Belgien (+1,7 Prozent) und Malta (+1,4 Prozent). Die EU kann heuer einen Preisauftrieb von 0,3 Prozent und die Eurozone eine Inflation von 0,2 Prozent erwarten.

Im laufenden Jahr wird es demnach in acht EU-Ländern einen Preisverfall geben. Der höchste wird für Bulgarien und Zypern (je -0,7 Prozent), Kroatien und Rumänien (je -0,6 Prozent), Griechenland (-0,3 Prozent), Slowenien (-0,2 Prozent) sowie Luxemburg und Slowakei (je -0,1 Prozent) vorausgesagt.

2017 soll sich laut EU-Frühjahrsprognose die Inflation generell deutlich erhöhen. Für die Eurozone wird ein Anstieg auf 1,4 Prozent und für die EU auf 1,5 Prozent prognostiziert. Österreichs Inflation soll dann 1,7 Prozent betragen, wobei dies aber nur mehr der achthöchste Wert sein wird. Spitzenreiter wird im nächsten Jahr Estland mit einem Preisauftrieb von 2,9 Prozent sein.

 

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blackpanther
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Mitverantwortlich

Verhinderer von Arbeitsplätzen (siehe Projekt Frutura), Kriminalisierung von Betrieben und Vereinen (Registrierkassen), Behördendschungel, Lobby der Kontrollore, die oftmals Betriebe schikanieren, Unbedachtes Einkaufen bei amerikanischen Konzernen (die ihre Gewinne in Steuerparadiese verschieben) anstatt bei heimischen Geschäften Arbeitsplätze zu sichern, weils halt so bequem ist.... das sind nur ein paar Punkte, über die sowohl die Politik als auch jeder einzelne nachdenken sollte!

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bereits

ein Adenauer sagte: Was die Sozis vom Geld verstehen, ist, wie sie mit vollen Händen ausgeben, was andere erwirtschaftet haben. Recht hatte er und geändert hat sich bis heute nichts.
Traurig, aber wahr...

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vielseiter
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BILDUNG RESISTENT!

Taugt mir, wie "Kommentadoren" hier die Schuldigen und die Rezepte aus dem Hut zaubern!
Die wahrhaft Schuldigen sind wir alle. Dafür gibt es aber auch einen Hintergrund: Das von Konsumsucht eingelullte Wahlvolk. Wie könnte es sonst sein, dass die (Un)Tätigkeit der Volksvertreter, die Verkommenheit einiger in der Politik Mitwirkender (man denke an die Gericht anhängigen Delikte jüngster Zeit), der Bürokratie Irrsinn, erwachsen aus den in Österreich besonders gepflegten Eigenheiten wie Föderalismus und Proporz, die unter anderem dazu führen, dass auch nach 30 Sitzungen kein Ergebnis in Sicht ist, und vieles andere auch, eben von diesem Wahlvolk nicht erkannt wird. Die in der Politk tätigen Akteure können über Jahrzehnte tun und lassen was ihnen gefällt und sei es noch so bedenklich. Aber diese Bedenklichkeit fällt der Mehrheit nicht auf.
Und am Wahlsonntag entscheidet die Mehrheit.

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petermimi
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Nichts tun macht auch etwas!

Du unsere Regierungen seit Jahrzenten keine echten Reformen angegangen sind, diese aber höchst notwendig sind geht es eben mit unserem Land und unserer Wirtschaft bergab.
Schaut Euch mal die Landstraßen an in unserem Land! Ein wahrer "Fleckerteppich" - und genau so sieht die Arbeit unserer Regierung aus!

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stadtkater
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Margaret Thatcher:

"The problem with socialism is that eventually you run out of other people's money"

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riobranco
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Dei den gewaltigen Lohnnebenkosten

und weiteren unproduktiven Belastungen der Unternehmen fuer soziale Wohltaten ist das kein Wunder.
Darueber hinaus strangulieren Betriebsraete die Flexibilitaet und somit die Kosteneffizienz der Unternehmen.
Solange Oesterreich seine sozialistische Grundeinstellung nicht aendert, geht der Niedergang der Wirtschaft weiter.
Der Welt wird es an nichts fehlen, da Deutschland, die Schweiz und eine ganze Reihe anderer Laender mittlerweile wettbewerbsfaehiger produzierten.
Tu Infelix Austria, traeume den Traum von Wohlstand ohne Leistung weiter.

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fzr576kjmhxeafh54fizjnj9cizdsvg2
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Re: Dei den gewaltigen Lohnnebenkosten

Der CH geht es schon noch besser als den Ö. Aber auch hier werden sehr viele Firmen mit der Produktion ins billige Ausland ausgelagert. Der Tourismus ist stark eingebrochen, trotz Asiaten u. Arabern, Einkaufstourismus nach D ist stark gestiegen, es geht also auch nicht mehr ganz so gut.

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wjs13
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nicht vergessen

auch das grosse Vorbild Schweden hat schon längst auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs umgeschwenkt und den Supersozialstaat zusammengeschnitten.
Es bräuchte ein at-Gesetz im Verfassungsrang, das neue Schulden verbietet und jährlich einen ordentlichen %-Satz der bestehenden Schulden abgebaut werden müssen.
Leicht möglich wenn die jahrelang gepredigten Vorschläge des Rechnungshofes realisiert werden würden.
Die nächsten Generationen wären uns dankbar.

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jbh1qg7gbacn55pum179m0t7qpz9kbfd
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..

stimmt..man könnte darüber bücher schreiben warum man in österreich NICHT selbstständig werden soll, und wenn man es schon ist, warum man NICHT wachsen soll...

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