"Ich habe nichts kassiert, habe nur umsonst gearbeitet. Ich verliere selbst viel Geld." Thomas Schartl, Eigentümer und Geschäftsführter des Bleibergerhofes, sitzt wortkarg über einer Tasse Kaffe. "Ich werde auch dazuzahlen, damit das ordentlich übergeben wird", sagt er mit traurigen Augen. Der Mann, der gerade burgtheaterreif die Mitleidsmasche spielt, verdient jedoch kein Mitleid. Zu abenteuerlich ist die Finanzkonstruktion, mit der er den Bleibergerhof mit einem luxuriösen Neuausbau zu seinem Designhotel machen wollte.
Fremdfinanzieren. "300.000 Euro habe ich selbst gesetzt", berichtet Schartl. Den Rest auf weit über zehn Millionen mussten Banken fremdfinanzieren: über neun Millionen die Bank Austria, 2,5 Millionen der S-Tourismusfonds der Erste Bank. Als ehemaliger Vorstand des S-Tourismusfonds muss Schartl offenbar grenzenloses Vertrauen bei den Banken genossen haben. Statt eines Luxus-Schnäppchens hat er jetzt die Pleite am Hals und ist das Hotel wieder los.
Konkursrichter. Denn spätestens heute oder morgen erwartet am Landesgericht Klagenfurt Konkursrichter Johannes "Nessie" Schnabl den Ausgleichsantrag für die Bleibergerhof Gesundheitshotel GmbH & Co KG. Ein Bankengipfel am Wochenende hat kein befriedigendes Ergebnis für die Gläubiger gebracht: rund drei Dutzend Professionisten, die nach einer atemberaubenden Baukostenüberschreitung auf offenen Rechnungen von 4,5 Millionen Euro sitzen. Sie dürften höchstens eine 40-prozentige Quote erhalten -fatal für viele kleine Handwerker unter den betroffenen Firmen.
Sachverhaltsdarstellung. Die düpierten Betriebe machen jetzt den Konkursfall zu einem Fall für den Staatsanwalt. Der Villacher Rechtsanwalt Günther Clementschitsch wird diese Woche eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt einbringen. "Ich wurde von einem betroffenen Unternehmen beauftragt, Strafanzeige zu erstatten", berichtet er. Weitere Professionisten wollen sich anschließen.
Unschuldsvermutung. Schartl, für den die Unschuldsvermutung gilt, weist jede Schuld von sich: "2005 habe ich das Hotel von der Familie Süßenbacher voll Enthusiasmus übernommen. Allerdings mit einem massiven Renovierungsbedarf. Den haben aber dann sogar die Gutachter unterschätzt. Der Schaden war in dem Umfang nicht abschätzbar. Es hat uns kalt erwischt", putzt sich Schartl ab.
Finanzielles Trümmerfeld. Für das finanzielle Trümmerfeld, das er hinterlässt, müssen jetzt vermutlich die Kärntner Steuerzahler einspringen. Zwar wird eine Förderung, die der KWF zugesagt hat, keinesfalls ausgezahlt - "damit das Geld nicht bei den Banken landet", so Landeshauptmann Jörg Haider. Er und ÖVP-Landesrat Josef Martinz sind aber offenbar einig, dass die Landesregierung den durch die Hotelpleite in Not geratenden Handwerkern mit Mitteln der Kärntner Sanierungsgesellschaft unter die Arme greift. Das wäre ein Präzedenzfall in Kärnten für andere Insolvenzfälle. Zäh verhandelt wird auch mit Hotelketten, damit sie den Bleibergherhof betreiben oder erwerben.
Weg vom Fenster. Pleitier Schartl weiß, dass er weg vom Fenster ist: "Ich kann mir einen neuen Job suchen."
Bleibergerhof wird Fall für Staatsanwalt
Mit 300.000 Euro Eigenkapital zum Luxushotel? Pleite ist fix, Strafanzeige folgt. Pleitier weint sich über sein Scheitern aus.