Alarm wegen der dramatischen Abwanderung junger Kärntner sowie des Facharbeitermangels schlägt der Präsident der Kärntner Industriellenvereinigung, Otmar Petschnig. "Die Maturanten wandern in die klassischen Studiendestinationen Graz und Wien ab und kommen nicht wieder zurück", erklärte er am Freitag vor Journalisten. Das habe in dieser Altersgruppe in der Statistik 2006 ein Minus von 350 Personen bei der Binnenwanderung ergeben: 1.287 Zuzügen stünden 1.637 Wegzüge gegenüber.

Mehr Abwanderungen. Rechnet man alle 15- bis 19-Jährigen zusammen, so verließen im Jahr 2006 um 780 mehr Menschen Kärnten, als in das Land zuwanderten. In Summe ergab sich jedoch ein Plus von 508 Personen, das sich - so Petschnig - vor allem auf Familienzusammenführungen aus dem Ausland und den Zustrom von Pensionisten gründe. Setze sich dieser Trend weiter fort, sei kein Wachstum mehr möglich, warnte er.

Kärnten attraktiv machen. "Wir müssen Kärnten für junge, qualifizierte Menschen und für internationale Schlüsselkräfte attraktiv machen", forderte der IV-Präsident. Dazu zählen seiner Meinung nach die Etablierung von Kinderbetreuungseinrichtungen oder einer internationalen Schule. Große Auswirkungen auf die heimische Wirtschaftsentwicklung habe laut Petschnig mit Sicherheit auch der Facharbeitermangel, der das "Thema des Jahres 2008" sein werde. Verlangt wird daher auch eine rasche Umsetzung der gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen mit individueller Förderung der Begabungen. Weiters sollten die Kinder schon sehr früh - bereits im Kindergarten und in der Volksschule - für technische Berufe interessiert werden.

Seitwärtsbewegung. Nach einem wirtschaftlich erfolgreichen Jahr 2007 erwartet die Kärntner Industriellenvereinigung für 2008 eine "Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau". Das erwartete BIP-Wachstum von 2,5 Prozent könne jederzeit nach unten revidiert werden, erklärte Petschnig. Unsicherheitsfaktoren seien die US-Immobilienkrise, der Ölpreis und der Dollarkurs, die sich auch auf die Kärntner Industrie auswirken würden. So sei eine Vervielfachung des Ölpreises von derzeit rund 100 Dollar (68,2 Euro) pro Fass in den nächsten fünf bis sechs Jahren durchaus realistisch, meinte er.

Kritik übte Petschnig an der Landesregierung, die Mittel des Zukunftsfonds für Maßnahmen wie Musik- und Sportförderung, Seeankäufe oder Kindergartenplätze verwenden wolle. "Solche Aktivitäten können nur durch Umschichtungen im Budget erfolgen. Der Zukunftsfonds sollte für Maßnahmen, die den Standort nachhaltig stärken, eingesetzt werden. Alles andere wäre eine vertane Chance," warnte Petschnig.