Die Wiener Börse hat am Freitag weiter nachgegeben. Für Belastungen sorgten weiterhin der Iran-Krieg und die Sorgen vor den Auswirkungen der hohen Ölpreise. Zum Wochenausklang verlor der ATX 1,79 Prozent auf 5.270,78 Punkte. Aus der wegen des verlängerten Ultimatums der USA für den Iran zunächst erwarteten Börsenerholung wurde damit nichts.
Dank der Erholung in der ersten Wochenhälfte bleibt dem Leitindex dennoch ein Wochengewinn von 1,5 Prozent. Auf Signale, die Hoffnung auf ein rasches Ende des Iran-Kriegs weckten, folgte bisher immer rasch Ernüchterung. Entsprechend ist das Marktgeschehen derzeit von schnellen Stimmungswechseln geprägt, wobei sich Erholungsversuche und Rückschläge im Abstand weniger Tage abwechseln.
Gradmesser für die Stimmung am Markt bleibt der Ölpreis. Und der hält sich – gemessen an der Nordseesorte Brent – immer noch deutlich über der Marke von 100 Dollar je Fass (159 Liter). Am Freitag lag er zwischenzeitlich wieder über 110 US-Dollar. Die hohen Ölpreise schüren auch weiter Ängste vor hoher Inflation und damit höheren Zinsen.
Der breiter gefasste ATX Prime büßte am Freitag 1,70 Prozent auf 2.618,72 Zähler ein. Auch an anderen Börsen in Europa ging es zum Wochenausklang deutlich nach unten.
Insgesamt gab es im ATX am Freitag fast nur Verlierer. Die schwächsten Werte im Index waren AT&S, Erste Group und voest mit Abgaben von jeweils gut zweieinhalb Prozent. Als ATX-Spitze legten Lenzing-Aktien um 1,2 Prozent zu. Sie schlossen an ihre starke Erholung mit einem Wochengewinn von 19 Prozent an.
Wochenbilanz: Logbuch eines Börsianers
Minus auch an den europäischen Leitbörsen und an der Wall Street
Auch die wichtigsten europäischen Aktienmärkte haben am Freitag neuerlich im Minus geschlossen. Vor dem Wochenende hielten sich Marktteilnehmer angesichts des Iran-Krieges und des weiter gestiegenen Ölpreises, verbunden mit Konjunktur- und Inflationssorgen, zurück.
Die US-Aktienmärkte haben am Freitag ihre Talfahrt fortgesetzt. Der anhaltende Iran-Krieg und die weiter steigenden Ölpreise mahnen die Anleger zur Vorsicht. Auf die Stimmung drückte auch Chinas Entscheidung, vor dem erwarteten Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und Präsident Xi Jinping eine Handelsuntersuchung gegen die USA einzuleiten.
Der Leitindex Dow Jones Industrial weitete seine anfänglichen Verluste aus und schloss deutliche 1,73 Prozent tiefer bei 45.166,64 Punkten. Ähnlich sah es bei den anderen Indizes aus. Der marktbreite S&P 500 sank um 1,67 Prozent auf 6.368,85 Punkte. Für den technologielastigen Nasdaq Composite ging es um 2,15 Prozent auf 20.948,36 Punkte bergab. Damit verbuchten Dow und Nasdaq trotz der zwischenzeitlichen Erholung am Montag und Mittwoch Wochenverluste von 0,9 und 3,2 Prozent.
„Sorgt nicht für Entspannung“
„Die jüngste Verlängerung des Ultimatums durch Donald Trump sorgt nicht für Entspannung“, so Timo Emden, Marktanalyst von Emden Research. „Die erneute Fristverlängerung wirkt weniger wie ein diplomatischer Fortschritt als vielmehr wie ein Zeichen dafür, dass eine tragfähige Einigung weiterhin auf sich warten lässt.“
Der Euro-Stoxx-50 sank um 1,08 Prozent auf 5.505,80 Punkte. Der britische FTSE 100 fiel um knappe 0,05 Prozent auf 9.967,35 Punkte. In Frankfurt büßte der DAX 1,38 Prozent auf 22.300,75 Einheiten ein.
„Höhere Inflationszahlen dürften nur ein Vorgeschmack sein“
Dabei warfen auch die Inflationsdaten für den Euroraum in der kommenden Woche ihre Schatten voraus. „Höhere Inflationszahlen für März dürften nur ein Vorgeschmack dessen sein, was bei einem andauernden Iran- bzw. Energiekrieg in den kommenden Wochen droht“, sagte Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Einen ersten Eindruck lieferten Zahlen aus Spanien. Dort hatte sich die Inflation im März wegen des Ölpreisschocks im Zuge des Iran-Kriegs deutlich verstärkt. Die nach europäischen Standards berechneten Verbraucherpreise (HVPI) legten im Jahresvergleich um 3,3 Prozent zu.
Am Persischen Golf ist weiterhin keine Entspannung in Sicht. Eine paramilitärische iranische Miliz verwehrte drei Containerschiffen die Fahrt durch die Straße von Hormus. Am Donnerstag hatte US-Präsident Donald Trump sein Ultimatum für eine Wiedereröffnung der Meerenge ein weiteres Mal verlängert. Er verschob die angekündigten Angriffe auf Irans Energieinfrastruktur um weitere zehn Tage auf den 6. April. US-Außenminister Marco Rubio geht davon aus, dass die USA ihre Kriegsziele auch ohne den Einsatz von Bodentruppen erreichen werden.