113 Unternehmen mussten in Kärnten von Jänner bis März Insolvenz anmelden. Davon sind 570 Gläubiger und 304 Arbeitnehmer betroffen. Die Hochrechnung des KSV1870 bedeutet eine 30-prozentige Steigerung. Die (vorläufigen) Passiva betragen 38 Millionen Euro - ein Plus von 2,7 Prozent. Der bis dato größte Fall des Jahres in Kärnten ist jener der Tomtegl Bergchalets am Hochrindl mit Passiva von 5,17 Millionen Euro.

Besonders betroffen sind Gastronomie und Hotellerie. Hier treffen hohe Betriebskosten, etwa für Energie, Lebensmittel und Personal, auf eine schwache wirtschaftliche Gesamtlage: Die Menschen gehen seltener auswärts essen. Auch am Bau und im Handel gibt es viele Pleiten. Die vier Branchen machen seit Jahresbeginn 43 Prozent aller Firmenpleiten aus.

„Die Entwicklung zeigt, dass die wirtschaftliche Situation herausfordernd bleibt und für die Kärntner Unternehmer keine Entspannung in Sicht ist“, sagt Brigitte Peißl-Schickmair, Leiterin des KSV1870 Standortes Klagenfurt. Es sei noch zu früh, um zu beurteilen, ob sich der Trend fortsetzt. „Davon abgesehen, dass in den vergangenen Wochen neue Krisenherde aufgetreten sind.“

Brigitte Peißl-Schickmair: „Für die Kärntner Unternehmer ist keine Entspannung in Sicht“
Brigitte Peißl-Schickmair: „Für die Kärntner Unternehmer ist keine Entspannung in Sicht“ © Kk

. . . dann steigen auch die Verluste der Gläubiger

Besorgniserregend ist, dass die mangels Masse nicht eröffneten Fälle um knapp 70 Prozent zugenommen haben, während die eröffneten Insolvenzverfahren mit 8,8 Prozent viel geringer zugelegt haben. Mittlerweile machen Nichteröffnungen bereits 45 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen in Kärnten aus. Für Kärnten als Wirtschaftsstandort ein Alarmsignal: Immer mehr Betriebe sind nicht in der Lage, die Kosten von rund 4000 Euro für ein ordentliches Insolvenzverfahren aufzubringen. „Wenn die Zahl der nicht eröffneten Verfahren steigt, steigen auch die finanziellen Verluste der Gläubiger, da eine professionelle Aufarbeitung dieser Fälle nicht möglich ist“, so Peißl-Schickmair. Die Expertin mahnt: „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sollten den Unternehmen keine zusätzlichen finanziellen Lasten umgehängt werden.“

Weniger Privatkonkurse

Rückläufig sind hingegen die Privatkonkurse in Kärnten im ersten Quartal des Jahres. Laut KSV1870 wurden konkret 139 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Das entspricht einem Rückgang von 5,4 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch die (vorläufigen) Passiva sind rückläufig. Sie liegen mit 14 Millionen Euro um 12,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Peißl-Schickmair: „Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen ist der leichte Rückgang der Privatkonkurse durchaus überraschend. Ob sich der Trend fortsetzt, wird maßgeblich davon abhängen, wie sich Inflation, Wirtschaftsentwicklung und Konsumklima in den kommenden Monaten entwickeln.“