Wegen erhöhter Unsicherheit sollte sich die EZB laut OeNB-Chef Martin Kocher auch für Zinsänderungen bereithalten. Je nach Lage könne es erforderlich sein, dass die Zinszügel gelockert oder auch gestrafft werden müssten, sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) dem „Wall Street Journal“ in einem Interview. Die erhöhten geopolitischen Spannungen könnten die Wirtschaft belasten, Störungen an den Ölmärkten die Inflation steigern.

Dabei verwies der frühere ÖVP-Wirtschaftsminister und das nunmehrige EZB-Ratsmitglied gegenüber der Zeitung etwa auf den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Dort könnten die Kosten und damit die Teuerung nach oben getrieben werden. Der Iran-Konflikt könnte zu einer längeren Schließung der für die Schifffahrt überaus wichtigen Meerenge führen, die den Golf und das offene Meer verbindet. Sie ist eine der bedeutendsten Routen für den weltweiten Ölexport. Die Beeinträchtigung der Schifffahrt durch die Meerenge hat sich bereits auf den Ölpreis ausgewirkt, der am Montag sprunghaft angestiegen ist.

Händler an den Geldmärkten sehen die Chancen für eine Zinssenkung der EZB bis zum Jahresende nur noch bei acht Prozent. Am Freitag, also vor Ausbruch des Iran-Konflikts, war die Chance von den Händlern noch auf 40 Prozent taxiert worden. Die EZB hat ihren Leitzins von Mitte 2024 bis Mitte 2025 achtmal auf aktuell zwei Prozent gesenkt, weil der Preisdruck insgesamt nachgelassen hat. Seither wurde er nicht mehr angetastet. Laut EZB-Chefin Christine Lagarde ist die Geldpolitik zurzeit gut positioniert.