Die Österreichische Post hat auch heuer wieder den Stand bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) bei 500 mittleren bis großen Firmen abgefragt. Das Ergebnis: Es geht voran, aber es gibt noch viel zu tun. Zwei Drittel der Befragten setzen auf KI, was immerhin mehr als dreimal so viele wie 2023 sind. Aber: Trotz KI-Boom wird der Digitalisierungs- und Automatisierungsgrad niedriger als in den Jahren zuvor eingeschätzt und liegt lediglich bei 49 Prozent.

Es fehle vielfach an Ressourcen, hier will sich die Post-Tochter Post Business Solutions als Anbieter positionieren. Wie dies aussehen könnte, zeigte bei der Präsentation deren Leiter George Wallner am Beispiel der Post-eigenen Bank99 bei der Vergabe von Konsumkrediten. Bis zu einer Höhe von 40.000 Euro entscheide die KI über die Kreditwürdigkeit – lediglich bei einer Ablehnung der Kreditvergabe trifft noch einmal eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter der Bank eine Entscheidung.

Barbara Potisk-Eibensteiner, Finanzvorständin, Österreichische Post AG, und George Wallner, geschäftsführender Leiter der Post Business Solutions GmbH, bei der Präsentation der neuen Digitalisierungsstudie
Barbara Potisk-Eibensteiner, Finanzvorständin, Österreichische Post AG, und George Wallner, geschäftsführender Leiter der Post Business Solutions GmbH, bei der Präsentation der neuen Digitalisierungsstudie © Christian Husar

Betrugsversuch: „Der KI blieb es aber nicht verborgen“

Über die Jahre habe die Post Business Solutions auch große Fortschritte bei der Betrugserkennung durch KI gemacht. Als Beispiel wurde ein Kontoauszug genannt, bei dem versucht wurde, hohe Ausgaben für Glücksspiel zu verschleiern. Die optischen Änderungen dabei waren zwar für das freie Auge kaum sichtbar, der KI blieb es aber nicht verborgen.

Inzwischen würden im Internet zahllose Programme zur Erstellung gefälschter Rechnungen angeboten. Wallner selbst zeigte als Beispiel die Rechnung eines bekannten Wiener Restaurants, bei dem schnell einmal die Summe der Originalrechnung verdoppelt wurde, inkl. korrekter Steuerangaben. Auch hier war dies nur schwer mit dem menschlichen Auge erkennbar, die KI realisierte aber die unterschiedliche Pixel-Auflösung zwischen Original und Fake.

„KI allein macht noch keine digitale Transformation“

Zur Diskussion, ob KI ein Jobkiller sei, betonte Post-Finanzchefin Barbara Potisk-Eibensteiner vor Medienvertretern: Nein, aber ein Jobtransformator. Die generative KI werde Geschäftsprozesse verändern. Derzeit würden die Unternehmen vor allem drei Vorteile durch Künstliche Intelligenz sehen: Automatisierung, Produktivitätssteigerungen und schnellere Datenanalysen.

Wobei: „Der Einsatz von KI allein macht noch keine digitale Transformation. Die Zahlen zeigen deutlich: Österreichs Unternehmen kaufen zwar Tools und wollen KI noch stärker in ihre Geschäftsprozesse einbinden, aber die Hälfte der Unternehmen hat diesbezüglich keine klare Strategie. Ohne strukturierte Daten, strategische Ausrichtung und ausreichende Ressourcen bleibt jedoch die beste KI wirkungslos“, warnt Potisk-Eibensteiner.