Der Name geht auf den Innsbrucker Arzt Anton Schär zurück, der 1922 gemeinsam mit einem Bozner Unternehmer Kindernahrung herstellte. Der Hauptsitz ist immer noch in Bozen. Heute steht der Lebensmittelhersteller mit 1800 Mitarbeitern, Millionenumsätzen und Produktionsstätten in elf Ländern da: in Italien, Österreich, Deutschland, Spanien, Frankreich, Großbritannien, den USA, Brasilien, in der Türkei, Argentinien und Schweden.
Spezialisiert ist Dr. Schär auf Produkte für spezielle Ernährungsbedürfnisse, etwa eiweißarme Nahrung für Nierenerkrankungen oder kohlenhydratarme, aber fettreiche – sogenannte ketogene – Ernährung. Vor allem aber auf glutenfreie Lebensmittel. Dabei ist das Unternehmen Marktführer in Europa. Die Nachfrage nach glutenfreien Produkten steigt in den Industrieländern weiter rasant: angetrieben durch ein höheres Bewusstsein für Zöliakie und den Trend zu einem bewussteren Lifestyle. Weizenallergie tritt dort auf, wo Weißbrot und Nudeln gegessen werden. Ganz im Gegenteil etwa zu „reislastigen“ Ländern wie Thailand oder Vietnam. Auch die zunehmende Verfügbarkeit im Lebensmittelhandel befördert das Kaufinteresse – früher waren glutenfreie Produkte nur in Apotheken erhältlich.
Die Herstellung glutenfreier Produkte ist eine eigene „Wissenschaft“, hat doch das Klebeeiweiß Gluten eine entscheidende Funktion für Struktur, Elastizität und Geschmack. Gluten ist verantwortlich für einen elastischen Teig. Glutenfreie Backwaren neigen dazu, schneller trocken und krümelig zu werden, da die Bindung zwischen den Zutaten fehlt. Dr. Schär als globaler Pionier kann sich auf seine lange Erfahrung stützen, entwickelt aber bestehende Produkte ständig „geschmeidig“ weiter.
Das Jahr 2025 hat Dr. Schär mit einem weltweiten Umsatz von 632 Millionen Euro abgeschlossen - ein Anstieg von 1,3 Prozent gegenüber 2024. Eine gute Unterlage für das Investitionsprogramm 2026: „Wir wollen insgesamt 28 Millionen Euro investieren“, sagt Dr. Schär-Vorstand Hannes Berger zur Kleinen Zeitung.
Bestehende Werke sollen ausgebaut, Produktion und Logistik noch effizienter werden. In Spanien wird laut Berger die Kapazität für Schnittbrot erweitert. An den deutschen Standorten Dreihausen und Apolda wird auf Ökostrom umgestellt. Im Werk in Klagenfurt-Feschnig, wo unter der Geschäftsführung von Mario Schmied 65 Mitarbeiter beschäftigt sind, sollen PV-Paneele installiert werden.
Österreich zählt zu den strategischen Märkten von Dr. Schär. Das Werk in Klagenfurt gilt im Unternehmen als Knotenpunkt für die Produktion von Mehlen, glutenfreien und eiweißarmen Vormischungen für andere Werke und auch für Endkonsumenten. Der Standort schafft eine Produktionsmenge von 20.000 Tonnen im Jahr. Berger: „Klagenfurt ist ein sehr wichtiger Standort für uns. Wir werden auch in die Mehllinien noch einmal investieren.“
An Relevanz zulegen wird auch das Dr. Schär-Forschungszentrum in Triest. Berger: „Ende 2027 starten wir basierend auf unseren Entwicklungen in Triest mit einer neuen Linie für Produkte für Menschen, die unter dem metabolischen Syndrom leiden.“ Neben neuen Zielgruppen sollen auch neue Absatzkanäle aufgetan werden. „Längerfristig wollen wir unsere glutenfreie Produkte auch für die Gastronomie anbieten.“