Man muss Hermann Adam von Kamp fairerweise zugutehalten: Als er 1818 die drei Strophen zu „Alles neu macht der Mai“ schrieb, konnte er nicht wissen, dass zweihundert Jahre später Unternehmenstanker wie Samsung, Xiaomi oder Apple anderen Zeitrechnungen folgen. In der Logik der meisten großen Smartphonehersteller ist nämlich der März der Mai. Dort zeigen sie neue Modelle, dort lassen sie tief in die technologische Zukunft blicken.
Infrastrukturelle Basis der Neuheiten ist der alljährliche „Mobile World Congress (MWC)“. Heuer geht die weltgrößte Mobilfunkmesse vom 2. bis zum 5. März wieder am Areal der Fira Gran Via in Barcelona über die Bühne. 2900 Aussteller werden ihre Produkte und Dienstleistungen bewerben, mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher die acht Hallen säumen.
Einer bleibt der Messe indes seit Jahren fern: Apple. Mit der Zeit kam aber die Annäherung und mittlerweile nutzt Apple die gesteigerte Aufmerksamkeit auf eine gesamte Branche selbst aus. So auch heuer. Einerseits rief der iPhone-Konzern selbst relativ kurzfristig zu einer Veranstaltung am 4. März, andererseits ließ Apple-Boss Tim Cook („Eine große Woche steht bevor“) jüngst wissen, dass man bereits am Montag – zufälligerweise exakt abgestimmt mit dem MWC-Start – neue Produkte zeigen werde.
Jedenfalls, so viel scheint klar, mit im Talon: ein neues iPhone, das vermutlich iPhone 17e heißen wird und eine preisaffinere Zielgruppe erreichen soll.
Am anderen Ende der Preisskala, nämlich ganz weit oben, siedelt sich indes Samsung mit dem neuen Galaxy S26 Ultra an. Am Mittwoch – ja, Sie wissen schon, der MWC naht – offiziell vorgestellt, setzen die Südkoreaner auf einen eingebauten „Privacy screen“, der Smartphone-Nutzer vor Schulterblicken schützen soll, einen leichteren Aluminium-Rahmen und ganz viele KI-Funktionen. Wer das technologisch „Beste vom Besten“ haben will, darf übrigens fast 2000 Euro dafür veranschlagen.
Samsung war es auch, das in Europa 2025 am meisten Smartphones verkaufte. Das zeigen frische Zahlen des Marktbeobachters Omdia. Diesen zufolge war das absatzstärkste Smartphone Europas im Vorjahr das Samsung Galaxy A56, auf den Plätzen zwei und drei folgen das iPhone 16 und das Samsung Galaxy A16.
Smartphones: Das sind Europas Top-5
In Summe lieferte Samsung 46,6 Millionen Geräte nach Europa und sicherte sich dadurch einen Marktanteil von 35 Prozent. Apple belegte den zweiten Platz mit 36,9 Millionen Geräten und einem Marktanteil von 27 Prozent, gefolgt vom chinesischen Hersteller Xiaomi mit 16 Prozent Marktanteil. Weiters in den Top-5: Motorola (fünf Prozent Marktanteil) und Honor (drei Prozent Marktanteil). In Summe schrumpfte Europas Smartphonemarkt laut Omdia um ein Prozent auf 134,2 Millionen ausgelieferte Geräte. Was wiederum rund elf Prozent aller weltweit ausgelieferten Smartphones ausmacht.
Während Apple also parallel zum MWC in Barcelona neue Produkte zeigt und Samsung die Tage zuvor nutzte, wird Xiaomi sein neues Flaggschiff, das Xiaomi 17 Ultra, heute, Sonntag, direkt in Barcelona vorstellen. Ein spannendes Detail, das bereits im Vorfeld durchsickerte: Im Vergleich mit dem chinesischen Modell wird in Europa ein Gerät mit deutlich abgespecktem Akku verkauft. Offizielle Erklärung gibt es vonseiten des Herstellers noch keine, zu tun haben könnte das aber mit strengeren EU-Zertifizierungen oder Anpassungen am Gehäuse.
Die KI-Brille der Telekom
Freilich: Längst sind es auch andere Geräteklassen, die dem riesigen katalanischen Kongress ihren Stempel aufdrücken. Die Deutsche Telekom etwa könnte am Kongress erstmals eine eigene KI-Brille vorstellen. Sprich: Eine Brille mit integrierten Bildschirmen, einer Kamera, Mikrofonen und Lautsprechern. Dazu eben eine kräftige Portion Software.
Partner soll dem Handelsblatt zufolge der chinesische Hersteller Ray Neo sein, eine Tochter des Elektronikriesen TCL. Wohlwissend, dass die Produktkategorie – speziell in Europa – heikel ist, versucht die Telekom zu kalmieren. So sei „keine kommerzielle Produktankündigung“ geplant. Eher wolle man einen Prototypen in einer Live-Demo einsetzen. Ziel sei, „mit verfügbarer Hardware und KI-Infrastruktur zu demonstrieren, was technisch möglich ist“, wird eine Sprecherin zitiert.
Zeigen, was technisch möglich ist. Ein schönes Motto eigentlich für den Montag und den damit verbundenen Start des Mobile World Congress.