Es gibt ein kleines Bonmot, das in den deutschen Medien genussvoll ausgebreitet wurde: Selbst die autokritische deutsche Umwelthilfe fuhr den neuen, elektrischen Mercedes CLA mit knapp über 12 kWh auf 100 Kilometer unter idealen Bedingungen, wie etwa das Manager Magazin schrieb. Und hält damit, was er in den Verbrauchswerten verspricht.

Auch der ADAC ließ wissen: „Mit 13,4 kWh/100 km ist der getestete CLA 250+ mit EQ Technologie das effizienteste Fahrzeug, das jemals den ADAC Ecotest durchlaufen hat.“ Wir können es selbst bei eisigen Temperaturen bestätigen: Nicht einmal Eiseskälte und Autobahntempo konnten den CLA wirklich in die Knie zwingen: Der Maximal-Verbrauch von 19,3 kWh kam in unser Test-Tagebuch. Wenn man sieht, welche Verbrauchswerte im Vergleich zu den offiziellen Werten bei vielen Konkurrenzmodellen öffentlich wurden, ist der neue CLA bei minus 10 Grad ein echter Sparefroh

Im CLA geht weniger Lebenszeit verloren

Das gefällt mir richtig gut. Ich bin ja ein Kritiker der E-Mobilität, der nur schwer zu überzeugen ist. Interessant wird ein Stromer für mich nur dann, wenn eine g‘scheite Reichweite und eine hohe Ladegeschwindigkeit auf dem Technik-Blatt stehen. Und auch diese Punkte kann man auf das Plus-Konto verbuchen. 85 kWh-Batterie, 320 kW Ladeleistung (bei unserem Testauto 350er), 800-Volt-Plattform, da geht weniger Lebenszeit beim Laden und beim Fahren verloren, da kann man in kurzer Zeit ordentlich Energie nachfassen. Sogar eine Multisource-Wärmepumpe hilft beim Energiesparen.

Im 350er glänzt natürlich auch noch eine spezielle Batterie (Anoden, denen Siliziumoxid zum Graphit beigemischt ist, 20 Prozent höhere Energiedichte), die kleinere 58-kWh-Batterie kommt als Lithium-Eisenphosphat-Ausgabe.

So fährt sich der CLA – und so arbeitet die KI

Beeindruckend bleibt, wie sich das ganze Werkl fährt. Man beschleunigt, eine Klangwolke – je nach Soundauswahl – legt sich über Fahrer und Insassen und das hat richtig Dampf. Bei der Mercedes-Lenkung war ich jahrelang skeptisch, aber beim CLA beweist man ein gutes G‘spür, feine Rückmeldungen, präzise, das ist richtig stark. Der Mercedes ist schon noch ein Auto geblieben, das kann man gar nicht oft genug betonen.

Denn Mercedes hat, wie meine Kollegen ausführlich schon beschrieben haben, die Künstliche Intelligenz in einem extrem hohen Maße ins Auto gebracht. Das brauche ich ja nicht in diesem Ausmaß, mir ist es lieber, ein Auto fährt g‘scheit – aber der Vollständigkeit halber: Unterschiedliche Formen der Künstlichen Intelligenz vernetzen sich im CLA, meine Kollegen definieren den CLA als „Entertainmentcenter und Kommunikationspartner“.

Drei Bildschirme, volles Querformat, Begriffe wie ChatGPT, Google Gemini, Vertex AI, Google Cloud, Sony verschmelzen hier zu einem großen Ganzen und ein Avatar am Bildschirm spielt die KI aus und hat sogar eine gewisse Dialogfähigkeit, die immer besser werden soll. Wenn man heute etwa eine schöne Strecke rund um Triest sucht, liefert das System durchaus Vorschläge. Die (knappen) Dialoge haben fast eine charmante Seite, wenn sich etwa der Avatar/die Stimme von Mercedes entschuldigt, wenn er nicht bis ins letzte Detail Streckentipps anführen kann. Passt schon.

Gamer und Streamer im CLA

Auch Gamer und Streamer kommen hier zum Zug. 3D-Darstellungen, Echtzeit-Infos, alles schon selbstverständlich. Die Bildschirme über die volle Breitseite: Das ist okay, das ist Zeitgeist. Das Auto als verspielter Partner – ich spiele ja noch lieber mit dem Auto selbst. Da wären: Das Fahrwerk, komfortabel, nicht zu weich, das ist schon eine Ansage. Mir ist es lieber, ein Auto bremst und lenkt gut – und das tut es auch.

Die Kleine Zeitung sitzt ja exklusiv in der 60-köpfigen europäischen Jury, die das Auto des Jahres wählt. Dass sich der Mercedes-Benz CLA, den es auch als Hybrid gibt, durchgesetzt hat, finde ich logisch: Mercedes ist mit dem CLA ein riesiger Spagat gelungen, zwischen High-tech und einem immer noch echten, feinen und guten Auto. Bloß beim Preis wird‘s bei den Top-Modellen richtig happig.