Die Netzkosten für Gas steigen 2026 erneut stark. Im Schnitt sind es laut Verordnungsentwurf der Energieregulierungsbehörde E-Control 18,2 Prozent, für 2025 lag der Anstieg im Schnitt bereits bei 16,6 Prozent. Bei den Stromnetzgebühren gibt es im kommenden Jahr indes eine Entspannung. Sie steigen nach dem Rekordanstieg 2025 (im Schnitt plus 23,1 Prozent) nächstes Jahr nur leicht, im Schnitt um 1,1 Prozent. In fünf Bundesländern sinken sie sogar – darunter auch in Kärnten und der Steiermark, wo die Netzgebühren im Bundesvergleich aber insgesamt überdurchschnittlich hoch sind. Aufgrund des Photovoltaik-Booms der letzten Jahre führt die E-Control zudem erstmals einen „Sonnen-Rabatt“ von 20 Prozent zwischen 1. April und 30. September in den Stunden von 10 bis 16 Uhr ein – das ist jener Zeitraum, in dem besonders viel PV-Strom erzeugt wird.
Die Gründe für den deutlichen Netzkostenanstieg bei Gas liegen insbesondere in den weiter sinkenden verbrauchten Mengen. Daher müssen die Netzkosten auf weniger Kilowattstunden aufgeteilt werden, wie Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der E-Control am Dienstagabend in der ZiB2 erklärt. Der Ausstieg aus Gas und die höheren Temperaturen im Winter werden auch in den kommenden Jahren zu sinkenden Gasverbräuchen führen, so seine Prognose. Der E-Control-Vorstand kündigte an, als Behörde Druck auf die Netzbetreiber aufzubauen, um die Kosten den rückläufigen Erlösen anzupassen und das Gasnetz zu verkleinern. „Wir arbeiten daran, die Netzbetreiber unter Druck zu setzen, damit sie mit den Kosten herunterkommen“, so Urbantschitsch. Das gehe aber nicht von heute auf morgen, dafür brauche es eine gemeinsame und gezielte Energieraumplanung, daran werde gearbeitet. Die Herausforderung der nächsten Jahre sei es, die Gasnetze gezielt so zu redimensionieren, dass man die Kosten absenken kann.
Die Gasnetzentgelte steigen aber auch, weil Österreich seit dem russischen Krieg gegen die Ukraine kein Gastransitland mehr ist und nun sozusagen auf den Kosten der Pipelines sitzen bleibt, wie Alfons Haber, Co-Vorstand der E-Control im Gespräch mit der Kleinen Zeitung erläutert.
Deutlichster Anstieg in Kärnten, starkes Plus in der Steiermark
Am stärksten steigen die Gasnetztarife in Kärnten. Umgerechnet auf einen durchschnittlichen Haushaltskunden mit einem jährlichen Gasverbrauch von 15.000 Kilowattstunden (kWh) bedeutet das Plus von 35 Prozent im südlichsten Bundesland Mehrkosten von rund 142 Euro im Jahr, das sind fast 12 Euro pro Monat. In Niederösterreich steigen die Gasnetzentgelte um 30, in der Steiermark um 27,7, und im Burgenland um 25 Prozent. Am wenigsten stark steigen die Gebühren in Oberösterreich, nämlich um lediglich 6,5 Prozent.
Einheitlicher Netztarif? „Eine politische Herausforderung“
Im Gegensatz zum Energielieferanten kann man den Netzbetreiber – weder bei Gas noch bei Strom – nicht wechseln. Die Netzentgelte unterscheiden sich zwischen Bundesländern und großen Städten, wobei die geografischen Stadtgrenzen nicht unbedingt ident mit den Netzgebieten sein müssen, wie etwa das Beispiel Graz zeigt. Wäre es nicht sinnvoll, nur einen einheitlichen Netztarif für ganz Österreich zu haben? „An sich wäre es gut, wenn man einen einheitlichen Netztarif für ganz Österreich hätte“, so Urbantschitsch. Dass das nicht so ist, sei eine politische Entscheidung der Vergangenheit, das stehe so im Gesetz. Eine Vereinheitlichung der Netzentgelte wäre, gibt Urbantschitsch zu bedenken, „eine politische Herausforderung“. Denn eine Angleichung würde Gewinner und Verlierer in einzelnen Bundesländern und Städten nach sich ziehen, es sei also nicht einfach, einen Konsens zu finden, „das wäre politisch herausfordernd“, so der E-Control Vorstand.
Bei den Stromnetzen gibt es österreichweit rund 130 Netzbetreiber, sollten diese nicht zusammengelegt werden, um Kosten zu sparen, wurde Urbantschitsch ebenfalls gefragt. Er sieht Effizienzpotenzial, es müsste einheitlich geplant werden, auch eine gemeinsame Beschaffung wäre wichtig. Zudem mache er sich Sorgen, ob alle Netzbetreiber die Digitalisierung ausreichend auf Schiene bringen.
Politische Reaktionen
Dass die Stromnetzentgelte 2026 im Schnitt nur um 1,1 Prozent steigen, führt das ÖVP-geführte Wirtschaftsministerium auch auf entsprechende Maßnahmen zurück: „Durch frühzeitige Gespräche der Bundesregierung mit der Austrian Power Grid ist es gelungen, die E-Control davon zu überzeugen, der APG die Nutzung eines sogenannten Regulierungskontos zu erlauben“, teilen Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Energiestaatsekretärin Elisabeth Zehetner (beide ÖVP) in einem gemeinsamen Statement mit. „Gleichzeitig zeigt sich, dass durch die Entscheidung der E-Control in einzelnen Bundesländern weiterhin deutliche Preissteigerungen zu verzeichnen sind. Dieses Ergebnis kann daher nicht vollends zufriedenstellen. Genau deshalb arbeiten wir mit Hochdruck weiter: an einer umfassenden Strommarktreform mit einer Neuregelung der Netzentgelte hin zu mehr Verursachergerechtigkeit, Anreizen, um Netzüberlastungen zu verhindern und einem besser abgestimmten österreichweiten Netzausbau.“
Die FPÖ machte die Bundesregierung für die steigenden Netztarife verantwortlich. Ursache für die Kostenexplosion seien die selbstauferlegten Energie- und Klimaziele. Die größte Oppositionspartei erinnerte auch daran, dass ein Drittel der Strom- und Gaskosten auf Steuern und Abgaben zurückzuführen seien, mit einer erneuten Reduktion „könnte die Regierung die Inflation von einem Tag auf den anderen signifikant dämpfen“, so der blaue Abgeordnete Paul Hammerl.
Der Wiener SPÖ-Stadtrat Jürgen Czernohorszky erklärte, die schrittweise Stilllegung unwirtschaftlicher Gasnetze sei unerlässlich, damit sich die Gasnetzentgelte nicht vervielfachen. Er forderte dazu ein „stichfestes Bundes-Gaswirtschaftsgesetz“ und verwies darauf, dass sich die Länder beim Rückbau der Gasleitungen einig seien.
Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) forderte von Hattmannsdorfer, die Netzentgelte auszusetzen. „Während andere Staaten wie Deutschland sämtliche Abgaben auf der Energierechnung reduzieren – hier fallen durch staatliche Unterstützungen die Netzkosten um rund 50 Prozent –, werden die Kosten für die Österreicherinnen und Österreicher weiter erhöht“, kritisierte er. Mittelfristig müssten „strukturelle Maßnahmen gegen die steigenden Netzkosten gesetzt und ein einheitlicher Netztarif für ganz Österreich geschaffen werden“.
Die Grünen sehen sich in ihren Warnungen bestätigt. „Beim Gasnetz passiert genau das, wovor wir immer gewarnt haben: Die politische Weigerung, den Gasausstieg endlich anzupacken, wird zur Kostenfalle für alle. Und wieder zahlen die Menschen, die am wenigsten Spielraum haben – Mieter:innen, die sich nicht aussuchen können, womit sie heizen“, kritisierte der grüne Mandatar Lukas Hammer.