Virtual Vehicle selbst ist längst zur Fixgröße in der gesamten Autobranche gewachsen, man bearbeitet spektakuläre Projekte im Autoland Österreich. Jost Bernasch, Leiter des Unternehmens und prägende Figur, erklärt das Unternehmen so: „Smartphones sind uns sehr vertraut, wir nutzen sie für Kommunikation, Planung, Unterhaltung, Navigation und etliche andere Aufgaben. Einiges ist übertragbar, aber vieles muss komplett neu gedacht werden, zum Beispiel hohe Sicherheitsanforderungen oder Rechenleistung im Fahrzeug. Am Virtual Vehicle Forschungszentrum in Graz entwickeln und testen wir Schlüsseltechnologien für ‚Software-Definierte Fahrzeuge‘ und die automatisierte und effiziente Mobilität von morgen.“ Weitere Geschäftsgebiete: Bahn, Defense, Maritime, Energy, Gesundheit.

Virtual Vehicle spart 70 Prozent der Real-Tests ein

„Mit unseren Simulationsprogrammen kann man sich 70 Prozent der Real-Tests ersparen, das bedeutet 70 Prozent weniger Zeit und Kosten“, so Bernasch. Aktuell arbeitet man unter anderem an einem europaweiten Projekt mit 80 Partnern aus 15 Ländern, um ein europäisches Software-Ökosystem für Fahrzeuge in der Zukunft auszuarbeiten – mit der Basis sollen Autohersteller weiter arbeiten können.

Auch BMW ist bei Context64.ai an Bord

Dieses Projekt ist bekannt (wir berichteten) – der Erfolg eines anderen nicht: Context64.ai ist eine erfolgreiche Ausgründung aus dem Virtual Vehicle vom August 2024. „Die Ausgründung erfolgte in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“, erzählt Bernasch. „Aber aus einem mehrjährigen Forschungsprojekt ist eine innovative Datenvernetzungsplattform entstanden, die heute bereits bei namhaften Industriekunden – unter anderem bei BMW – im Einsatz ist.“

Was Context64.ai kann

Auf den ersten Blick ist es schwierig, sich unter dem Begriff etwas vorzustellen. „Die Plattform – bestehend aus dem Data Context Hub (DCH) und Memory‑for‑Your‑AI (M4AI) – vernetzt Unternehmensdaten zu einem lebenden Wissensgraphen und schafft damit die Grundlage für leistungsfähige KI‑Anwendungen. Sie adressiert eine der größten Hürden in der industriellen KI‑Nutzung: nicht die Modelle selbst, sondern das fehlende, kontextbezogene Datenfundament ist das große Problem heute, um AI-Anwendungen erfolgreich im Business umzusetzen“, führt Marko Lah, CEO von Context64.ai, aus.

Lah arbeitete für Microsoft in den USA und ist jetzt Gründer in Graz. Und: „In ihrer Funktionsweise ist die Technologie von Context64.ai (C64 Technology Stack) vergleichbar mit Lösungen von Palantir – allerdings mit einem klar europäischen Ansatz.“

Das große Ziel in der Autoindustrie

Ziel sei es, dass Context64.ai etabliert werde: „Souverän, aus Graz heraus entwickelt, und gezielt auf die Kernbranchen in der Steiermark wie Automotive, Maschinenbau und Energie ausgerichtet.“

Palantir selbst ist im internationalen KI-Business übrigens eine Trademark geworden, „auf die Analyse großer Datenmengen und die Herstellung einer digitalen Ontologie von Unternehmens- und Projektdaten spezialisiert“ (Wikipedia). Palantir-Chef Peter Thiel gilt als wichtiger Wegbegleiter von Ex-Kanzler Sebastian Kurz, übrigens.

Beeindruckende Zahlen in der Krise

Die ersten wirtschaftlichen Daten von Context64.ai klingen beeindruckend: Mit einem fünfköpfigen Team aus dem Virtual-Vehicle-Unternehmen wurde ausgegründet. Zwei Millionen Euro wurden in knapp ein Viertel der Firmenanteile investiert. Bernasch: „Wir liefern einen deutlichen Beitrag zur Wertschöpfung vor Ort, mit europäischer Technologie für europäische Unternehmen. Wir sehen in Context64.ai ein Beispiel dafür, wie aus Forschung in Graz marktrelevante Produkte entstehen – mit internationalem Potenzial und klarem Standortbezug.“