„Wenn man in Deutschland aus dem Fenster schaut, schaut man immer auf einen Mitbewerber“, sagt Peter Eberdorfer. Ganz so groß ist die Baumarktdichte in Österreich zwar nicht, doch der Geschäftsführer von Hornbach Österreich arbeitet daran, sie zu erhöhen. Am 5. September eröffnete er in Eisenstadt den ersten Hornbach-Standort im Burgenland. In etwa einem Jahr wird die nächste Eröffnung gefeiert – diesmal am Liebenauer Gürtel in Graz, keine 500 Meter entfernt vom Mitbewerb.

Es wird der zweite Markt in Graz, der dritte in der Steiermark und der 16. in Österreich. Die Tiefgarage ist schon ausgehoben und betoniert. Am Dienstag erfolgte der Spatenstich – Hornbach, ein börsennotiertes Familienunternehmen mit 25.000 Beschäftigten in neun Ländern, investiert „zwischen 35 und 40 Millionen Euro“, erklärt Eberdorfer.

Standortsuche geht weiter

„Graz ist für uns ein wichtiger Standort und ein bedeutender Schritt bei der Österreich-Expansion“, sagte der eigens angereiste Hornbach-Vorstandschef Erich Harsch. Dass diese Expansion nach der Fertigstellung von Graz-Liebenau weitergehen soll, scheint beschlossene Sache. Spruchreif sei zwar nichts, „aber wir prüfen mehrere Optionen – auch in der Steiermark“, erklärt der gebürtige Obersteirer Eberdorfer.

Peter Eberdorfer
Peter Eberdorfer © Klz / Stefan Pajman

Die Frage, ob die Wirtschaft aus der Rezession komme oder nicht, sei dabei nicht entscheidend, meint Harsch. Hornbachs Ziel sei es, dass jeder Mensch einen Hornbach in einer „vernünftigen Reichweite“ seines Wohnortes habe. „Im filialisierten Einzelhandel geht es um den Wettbewerb, da setzen sich die Besseren durch. Wir haben die höchsten Produktivitätsziffern je Baumarkt in der Branche.“

Erich Harsch
Erich Harsch © Klz / Stefan Pajman

Die Baukrise habe man „nicht wirklich“ zu spüren bekommen, versichert der Konzernchef. Denn „je weniger gebaut wird, desto mehr wird saniert“. Die Ergebnisse des „Corona-Booms“ habe man mittlerweile sogar übertreffen können. Kommende Woche wird der Konzern neue Zahlen vorlegen. Zuletzt erlöste Hornbach mit 170 Märkten rund sechs Milliarden Euro im Jahr. Länderergebnisse veröffentlicht Hornbach zwar nicht, doch dürfte Österreich rund eine halbe Milliarde Euro Umsatz beisteuern. Eberdorfer sieht noch Wachstumschancen in der „Rund-um-Beratung“ der Kundinnen und Kunden.

100 neue Arbeitsplätze

Der Markt in Graz-Liebenau wird 15.000 Quadratmeter groß, er wird ein Gartencenter bieten und einen Baustoff-Drive-in. Rund 100 Arbeitsplätze werden entstehen „und wir werden auch Lehrlinge im Einzelhandel ausbilden“, so Eberdorfer. Realisiert wird das Projekt mit dem steirischen Bauunternehmen Swietelsky.

Als „wichtigen Impuls für die Wirtschaft und die Infrastruktur im wachsenden Graz“ bezeichnete Andreas Morianz von der Abteilung für Wirtschaftsentwicklung der Landeshauptstadt die Millioneninvestition. Positiv hob er die PV-Anlage und das begrünte Dach hervor. „In Zukunft wird man hier auch vieles kaufen können, was man im Haushalt für die grüne Transformation braucht.“

In „Zeiten wie diesen“ freut sich Josef Herk, Präsident der steirischen Wirtschaftskammer, über Großinvestitionen besonders. „Es wird deutlich, wie wichtig der Wirtschaftsstandort für Unternehmen ist. Gerade jetzt brauchen wir mehr solch positive Nachrichten.“ Sagte es und hob mit den Hornbach-Managern zum Spatenstich an.