Das Unternehmen Hermes Schleifmittel in Bad St. Leonhard bereitet einen Antrag auf die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens vor. Die österreichische Gesellschaft ist zwar wirtschaftlich eigenständig aber in die Konzernstruktur der deutschen Hermes-Gruppe eingebunden, die bereits länger mit wirtschaftlichen Turbulenzen zu kämpfen hat . Nun zieht die Insolvenz der deutschen Mutter die österreichische Tochter mit. Laut Angaben des Unternehmens sind „anhaltende wirtschaftliche Erschwernisse in der Schleifmittelbranche, darunter Marktunsicherheiten, eine schwache Konjunktur sowie inflationsbedingte Kostensteigerungen“ für die Schwierigkeiten verantwortlich. Das hat dazu geführt, dass die deutsche Hermes Schleifmittel GmbH bereits am 2. Juli 2025 ein Insolvenzverfahren in Deutschland beantragen musste. In Folge sind die Zahlungen an den Standort in Kärnten ausgeblieben.

Das bringt nun den Kärntner Standort unter Druck. „Die Zahlungsausfälle kamen für uns unerwartet, insbesondere da die Bedeutung und der Fortbestand unseres Standortes seitens der Muttergesellschaft stets betont wurden“, erklärt Christopher Opetnik, Geschäftsführer der österreichischen Hermes Schleifmittel, der für eine telefonische Stellungnahme nicht erreichbar war. „In den vergangenen Wochen kam die deutsche Muttergesellschaft trotz mehrfacher Zusagen und entsprechender Mahnungen den konzerninternen Zahlungsverpflichtungen nicht nach. Damit wurden Tatsachen geschaffen und wir sind gezwungen, zu handeln.“

200 Mitarbeiter betroffen

In einer Betriebsversammlung am Donnerstagnachmittag wurden die 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die nächsten Schritte informiert. Seit Wochen zittern die Hermes-Arbeitnehmer um ihre Jobs. Sowohl die Junigehälter als auch die die Urlaubsgelder wurden nicht ausgezahlt. Wie Betriebsrat Alexander Pichler berichtet, bringt das einige Kollegen massiv finanziell unter Druck. „Es wurde zwar eine Akontozahlung über die Arbeiterkammer vereinbart, aber das wird noch bis Mitte August dauern, bis diese ausgezahlt wird“, sagt der Betriebsrat. Nichtsdestotrotz sei die Hoffnung der Kollegen groß, dass die Jobs erhalten bleiben. Opetnik versucht diese Zuversicht in der Belegschaft zu forcieren, indem er versichert, dass die Auftragslage am Standort Kärnten gut sei. Er bekräftigt, dass das Ziel eine Fortführung des Betriebes sei sowie, dass Kunden und Lieferanten ihre Unterstützung zugesichert hätten.