Vor sechs Jahren war es, da verhaspelte sich Donald Trump und krönte Apple-Boss Tim Cook im Zuge einer Lobpreisung gar zu Tim Apple. „Wir schätzen das wirklich sehr, was du tust“, meinte Trump mit Bezug auf angekündigte Investments des IT-Krösus aus Cupertino. Wohlwollend äußerte sich der US-Präsident freilich auch, als Apple heuer im Februar bekannt gab, 500 Milliarden US-Dollar in US-Standorte zu investieren. Mittlerweile aber ist von der guten Miene nichts mehr zu sehen.
Als Donald Trump dieser Tage durch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate tingelte, ließ Tim Cook im Gegensatz zu Nvidia-Boss Jensen Huang oder OpenAI-Zampano Sam Altman die Reise aus. Zum deutlichen Missfallen des Präsidenten, wie US-Medien zu berichten wissen. Dabei hätten es New York Times & Co gar nicht explizit schreiben müssen. Heimlichtuerei ist keine politische Strategie Donald Trumps.
Freitag vor einer Woche legte der US-Präsident wortgewaltig nach. In einem Social-Media-Post kündigte er einen 25-Prozent-Zoll auf alle iPhones an, die außerhalb der USA produziert werden. Dass die – vielleicht irgendwann tatsächlich in Kraft tretenden – Zölle in selber Höhe auch für alle anderen Smartphones, die nicht in den USA produziert werden, gelten, ließ die US-Administration erst später und deutlich leiser wissen.
„Nicht in Indien, nicht irgendwo anders“
„Ich habe Tim Cook und Apple vor längerer Zeit informiert, dass ich erwarte, dass ihre iPhones, die in den USA verkauft werden, auch in den USA produziert werden. Nicht in Indien, nicht irgendwo anders“, sagte Trump und zielte damit auf den Kern von Apples Fertigungsstrategie. Denn in Cupertino ist aus verschiedensten Gründen längst klar, dass man sich selbst unabhängiger von China machen will. Indien wiederum gilt als der Hoffnungsträger schlechthin.
Erst vor ein paar Wochen ließ Tim Cook wissen, dass die meisten iPhones, die man im nächsten Quartal in den USA verkauft, aus Indien importiert werden. Stolz verlautbarte fast zeitgleich die indische Politik, dass 2024 iPhones im Wert von 12,8 Milliarden US-Dollar aus Indien in die ganze Welt exportiert wurden. Ein Plus von 42 Prozent im Vergleich mit dem Jahr davor.
Die Trump‘sche Heimholung des iPhones, mit Sicherheit das erfolgreichste Einzelprodukt in der Geschichte der Konsumgüter, hat freilich eine ohnehin sehr kuriose Note. Tatsächlich ist das iPhone – wie auch das iPad oder die Apple Watch – längst ein Produkt mit globaler DNA.
Südkorea, Japan, Österreich und China
Der klitzekleine Lieferketten-Ausschnitt: Der Bildschirm wird von Samsung oder LG in Südkorea gefertigt, der Flash-Speicher kommt von Kioxia aus Japan. Und der zentrale A18-Chip im iPhone wird zwar im Silicon Valley designt, wird aber bei TSMC in Taiwan produziert. Auch der österreichisch-deutsche Konzern ams-Osram wird immer wieder als wichtiger Apple-Zulieferer genannt. „Ohne uns würde es das iPhone X nicht geben“, meinte gar der damalige ams-Chef Alexander Everke 2018 zur Kleinen Zeitung mit Blick auf die Technologie hinter der iPhone-Gesichtserkennung (Face ID).
Zusammengebaut werden all diese Komponenten final zumeist – trotz aller Diversifizierung – noch immer in China. Meistens von Foxconn, meistens in der „iPhone City“ in Zhengzhou.
Auswege sind rar
Welche Auswege aber könnten Tim Cook und Apple nun aus der Zoll-Misere finden? Die unmittelbare Verlagerung der iPhone-Produktion in die USA gilt jedenfalls als nahezu unmöglich. Würde Apple das tun, hätte das iPhone laut Analystenschätzung einen Preis von 3500 US-Dollar. Nehmen wir an, dass sich Tim Cook nicht diametral Donald Trump entgegenstellt, wird Apple also wohl bald einen Plan ankündigen, der eine teilweise und sukzessive Verlagerung der Produktionskapazitäten über einen längeren Zeitraum vorsieht.
Außerdem wird das „Made in America“ wohl eher ein „Assembled in America“ werden, also ein finales Zusammenfügen global produzierter Komponenten in den USA. Neben deutlich höheren Lohnkosten gilt nämlich auch der Mangel an geeigneten Arbeitskräften als für Apple kaum zu überwindende Hürde.