Das Innendesign, das Ambiente in der Kabine, ist für Fluglinien wohl die wichtigste Gelegenheit, sich gegenüber den Passagieren „herzurichten“, ein Kundenerlebnis zu bieten, Unternehmensidentität zu zeigen, sich von Mitbewerbern zu unterscheiden.

Zwar ist der Platz begrenzt und damit die Designvarianten, aber der aus Wolfsberg gebürtige Flugzeugtechniker Walter Starzacher (58) macht das mit seiner Firma Ames mit Sitz in Peggau in der Steiermark schon seit über 20 Jahren. Ames (45 Mitarbeiter in Peggau, fünf in Dublin) hat sich auf Nachrüstung bzw. Umbau und Veredelung von Flugzeug-Innenräumen spezialisiert, hat seit der Gründung 2004 mehr als 500 Fluglinien beliefert und 3000 Projekte abgewickelt - in Afrika, Europa, Asien und den USA. Der Slogan „Grenzenlos erfolgreich“ passt. Unter den Kunden sind Lufthansa und AUA ebenso wie die russische Aeroflot, Ryanair oder die US-Billigfluglinie Spirit Airlines. Die Klientel besteht ausschließlich aus Fluglinien und Leasingfirmen. „Im Vorjahr haben wir 1000 Rechnungen geschrieben und zwölf Millionen Euro Umsatz gemacht“, verrät Starzacher, der in Millstatt wohnt, wo auch der Sitz der Ames-Holding ist.

ames, Walter Starzacher
Ames-Gründer Walter Starzacher hat schon als Kind gerne Flugzeuge gebastelt © Sammer/Ames/KK

Gerade ist Ames, wie berichtet, bei Latam Airlines aus Chile mit dem bisher größten Auftrag seiner Geschichte gelandet: 5000 georderte Kabinenteile wie Vorhänge, Abdeckungen, flexible Trennwände zwischen Business- und Economy-Class, Gepäckschränke, Teppiche. Auftragsvolumen: 8,5 Millionen Euro. „Face in“, also „Gesicht hinein“ nennt sich dieser Service. Er erinnert an Make-up und Modeschau.

Hanffasern und leichte Alu-Waben

Ein Flugzeug ist rund 30 Jahre flugtauglich, die Kabinen aber müssen alle fünf bis sieben Jahre auf neuesten Stand gebracht werden. Was der Passagier bestenfalls unbewusst bemerkt, unterliegt einem Wandel. „Die Anforderungen sind zunehmend auf Nachhaltigkeit ausgelegt“, sagt Starzacher. Heißt: „Hanffasern kommen verstärkt zum Einsatz und diverse Leichtbau-Materialien wie etwa Alu-Waben.“ Das Gewicht spielt immer eine Rolle. Das Raum- und Wohlgefühl muss passen. Vom allgemeinen Trend zu Individualisierung sind Passagierkabinen nicht ausgenommen. „Es wird immer relevanter, dem einzelnen Passagier trotz des geringen Platzes im Flugzeug Privatsphäre zu bieten“, sagt Starzacher.

„Warum soll man stehen, wenn man sitzen kann?“

Dass es in Flugzeugen jemals Stehplätze geben wird, schließt er aus. „Reine Marketinggags. Es besteht ja immer eine Maximalvorgabe an Passagierzahlen, die Sitzplätzen entspricht. Gepaart mit der Richtlinie, in 90 Sekunden jedes Flugzeug evakuieren zu können. Warum also sollte jemand stehen, wenn er sitzen kann?“