Kennen Sie den Begriff FOMO? Nun, populär wurde das Kürzel für „Fear of missing out“ Anfang der 2000er-Jahre und dank Patrick J. McGinnis. Dieser beschrieb in einem Magazin der Harvard Business School das ständige Bedürfnis, an möglichst vielen sozialen oder beruflichen Gelegenheiten teilzunehmen. Treiber des Befindens ist die Angst, etwas zu verpassen.
In diesen Tagen sehen wir, dass der Kryptomarkt ein guter Nährboden für FOMO ist – und Donald Trump jemand, der die Gefühlslage perfekt auszunutzen weiß. In der Nacht zum Samstag, zwei Tage vor der Amtsübergabe an den neuen US-Präsidenten, verlautbart Trump den Start einer eigenen Kryptowährung: $TRUMP. Startet der Coin noch mit 6,24 US-Dollar pro Einheit, liegt er kurz später bei 75 US-Dollar.
Trump in den Top-15
Binnen 48 Stunden schafft es der US-Präsident – ein langjähriger Verächter der Kryptoszene, der im Wahlkampf zum glühenden Befürworter wurde – damit in die Top-15 der größten Kryptocoins. Die Marktkapitalisierung, eine Multiplikation aus Kurswert und ausgegebenen Einheiten, erreicht Milliardenwerte. „Fear of missing out“!
So weit, so spektakulär. Es ist aber nicht das Ende dieser Geschichte. Am Morgen der Amtseinführung startet ein weiterer Coin, $MELANIA. Die kuriose, aber nachvollziehbare Folge: Als Melania kommt, verliert der Trump-Coin und damit das Portfolio aller Investoren drastisch an Wert – binnen 30 Minuten um über 50 Prozent. Diesmal ist es der Melania-Coin, der Kursgewinne von mehr als 15.000 Prozent einstreicht, bevor auch hier der Kurssturz folgt.
Memecoins und die Kursfeuerwerke
Ein Tohuwabohu, das den Trumps einiges an Geld eingebracht haben dürfte. Wirklich gewiss ist das nicht. Ob der US-Präsident und seine Frau selbst investiert haben, bleibt offen. Gesicherte Informationen über die Finanzströme hinter den Coins gibt es nicht. Klar ist nur, dass die beiden Emittenten, also die Ausgeber, aus dem Imperium Donald Trumps stammen. Sie sind es auch, die den Großteil der Coins noch in Händen halten und damit wesentlich auf die künftige Kursentwicklung wirken können.
In der Kryptobranche selbst sorgte all das jedenfalls für massiven Unmut. Christian Röhl, Chefökonom bei Scalable Capital, meint, der neue US-Präsident erweise dem Kryptokosmos „den größtmöglichen Bärendienst“. Trump liefere „valide Argumente für die These, dass es nicht um Anwendungsfälle geht, sondern primär um digitales Pump & Dump.“ Gemeint ist damit, dass der Wert eines Coins zunächst künstlich in die Höhe getrieben wird, um anschließend Gewinne abzuschöpfen. Ein Großteil der Investoren bleibt freilich mit hohen Verlusten zurück. „$TRUMP is a Shitcoin“, schreibt das Bitcoin Magazine lapidar.
Memecoins werden derlei Werte genannt, hinter denen keine realen Anwendungen stehen, sondern Social-Media-Phänomene oder bekannte Persönlichkeiten als Inspiration dienen. Meist verfügen die Coins über keine eigene Blockchain, sondern greifen auf bestehende Infrastruktur zurück. Die Trump-Varianten nutzten Solana, eine quelloffene Plattform, die hohe Geschwindigkeit und niedrige Transaktionskosten bietet. So können die Coins schnell die Besitzerinnen und Besitzer wechseln.
FMA und die Kryptobörsen
Erschaffen kann einen solchen Coin jeder, der technisch dazu in der Lage ist. Die Distribution aber wird zumindest im EU-Raum, Stichwort MiCAR-Regulierung, komplizierter. Bewilligung ist zwar keine notwendig, die zuständige Behörde muss aber 20 Tage vor dem Start ein „Whitepaper“ erhalten. Erklärt werden dort Merkmale, aber auch Risiken. „Wir können Trump-Coins nicht aus dem Verkehr ziehen“, heißt es dazu von der in Österreich zuständigen FMA.
Aber man könne „die hier lizenzierten Kryptobörsen verantwortlich machen, bestimmte Coins auszulisten“. Bei den aktuellen Memecoins würde das noch nicht geschehen, weil man sich aktuell in einer „Übergangsphase“ befinde. Diese endet mit Jahresende. Spätestens dann sei laut FMA die „Wildwest-Phase in der Kryptoszene vorbei“.