Es sind gute Erinnerungen. Der R5 war eine französische Ikone Ende des letzten Jahrhunderts. So ein Auto wiederzubeleben und noch dazu mit einer neuen Technologie, ist immer ein Risiko, und dazu kommt: Wer diese Assoziationen aus der Vergangenheit nicht hat, kann mit dem Retro-Gefühl nichts anfangen. Aber das Projekt war in guten Händen, immerhin hat Renault-Chef Luca de Meo schon in seinen Fiat-Zeiten den Fiat 500 wieder auferstehen lassen und zum Kultobjekt gemacht. Der R5 sorgt bei Jung und Alt für Aufsehen, die Farben bringen Leben in die E-Mobilität.

Dass die Coty-Jury („Car of the Year“) den prestigeträchtigsten Preis der Branche jetzt an den elektrischen R5 vergeben hat, ist ein klares Statement. Das Projekt funktioniert, denn die Konkurrenz (Kia EV3, Citroën ë-C3/C3, Hyundai Inster, Dacia Duster, Cupra Terramar, Alfa Romeo Junior) war stark. Aber der R5 hat verdient gewonnen, weil er Renault und die E-Mobilität für kompakte, kleine Autos auf eine neue Stufe hebt.

Die stärkste Seite des R5 (neben dem Design, die alte, ikonenhafte Form wurde perfekt in die Gegenwart transferiert) ist bestimmt sein Fahrwerk. Kein Poltern an der Vorderachse, auch wenn die Straße Schlaglöcher hat; ein gutes Gefühl in der Lenkung; keine Antriebseinflüsse sind spürbar; selbst auf Eis und Schnee ist der elektrische R5 gut zu dirigieren, man ist immer auf der sicheren Seite. Das ist schon ein sehr starker Ansatz, das bringt die Renault-Ansprüche an sich selbst auf ein neues Niveau.

3,92 Meter ist der elektrische R5 lang, der Abrollkomfort ist fein, das hat man bei einem Auto in der Größenordnung bestimmt nicht erwartet. Alles, was mir wichtig ist, übererfüllt der Renault 5. Das ist für mich die große Überraschung an diesem Auto.

Ganz wichtig für mich: Renault sieht das E-Auto auch ganz anders, nämlich als Teil der Lösung in Sachen Energiemanagement, das Auto könnte man auch als Speicher verwenden, der dann die Energie einspeist, oder das Haus mit der gewonnenen Solarenergie versorgt – das ist eine gute, sinnstiftende Perspektive auf die Zukunft.

Renault hat sich dafür entschieden Google ins Betriebs- und Entertainmentsystem zu lassen. Bei unserem Test war ich beeindruckt, wie die Sprachsteuerung präzise agiert. Auch das ist ein großer Fortschritt.

Freilich sind auch mir zwei Kritikpunkte aufgefallen: Im Fonds fehlt es für Erwachsene an Kniefreiheit, da hätte man ein bissl mehr Phantasie spielen lassen können (verschiebbare Rücksitzbank). Was mich mehr beschäftigt ist die Sensibilität der Batterie auf Kälte und tiefe Minusgrade – hier muss man beim Fahren schon ein bissl mehr aufpassen und das Tempo, etwa auf der Autobahn, drosseln.

Alles in allem bleibt für mich aber eines übrig: Der Renault 5 ist zu Recht Auto des Jahres geworden, weil er die E-Mobilität in die Masse bringt. Der Preis passt, es gibt auch noch eine kleinere Batterie-Version. Und, so ganz nebenbei: Der Kleine würde mir auch als Verbrenner ganz gut gefallen.