Ab 2025 könnte die Ukraine kein russisches Gas mehr in den Westen, auch nach Österreich, durchleiten. Dennoch sei Österreichs Gasversorgung gesichert, betont der Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control, Alfons Haber. Zwei kalte Winter lang werde es jedenfalls keinen Gasmangel in Österreich geben, die Gasversorgung sei gesichert.

Der Import von russischem Gas über die Ukraine könne durch Importe über Italien und Deutschland vollständig ersetzt werden. Verantwortlich dafür seien ein liquider Gasmarkt und zu 90 Prozent und damit gut gefüllte Gasspeicher. Das „Szenario, dass jemand erfrieren muss in Europa, das gibt es nicht“, betont die Leiterin der Gas-Abteilung bei der E-Control, Carola Millgramm. Überlegungen dieser Art seien „an den Haaren herbeigezogen“..

BILD zu OTS - (C) www.annarauchenberger.com/Georges Schneider - Wien 12.10.2023 - Heute lud die E-Control zu einem Pressegespräch, bei dem der EAG-Monitoringbericht 2023  vorgestellt wurde. PHOTO: Prof. DI Dr. Alfons Haber, Vorstand E-Control .
Alfons Haber, Vorstand des Energieregulators E-Control © APA / Photonews.at/georges Schneider

Die Transportkapazitäten für den Import nicht-russischen Gases über Deutschland und Italien seien gegeben. Mit 1. Oktober erhöhte sich die Importkapazität über Italien auf 95 Terawattstunden (TWh) pro Jahr, über Deutschland liegt diese bei 90 TWh. Und sie wird mit dem WAG-Loop-Ausbau zu Deutschland 2027 noch auf 117 TWh steigen. Aus Deutschland kommt vor allem norwegisches Gas sowie LNG aus US-Provenienz. Im italienischen Gasmarkt sind ebenfalls LNG-Gas aus den USA, aber auch aus Katar, sowie algerisches Pipelinegas. Zur Einordnung: Der Gasverbrauch in Österreich sinkt, von 96 Terawattstunden 2021 auf 75 im Jahr 2023 und auch in diesem Jahr. Der Gesamtverbrauch in Europa betrage 3600 TWh pro Jahr.

Preis am Erdgas-Markt steigt

Europaweit steigt der Preis für Erdgas. Wer heute Gas für Jänner 2025 kauft, zahlt um fast 50 Prozent mehr als noch im Mai. Der richtungsweisende Terminkontrakt TTF kletterte im November auf den höchsten Stand seit zwölf Monaten. Eine Megawattstunde (MWh) kostete knapp 50 Euro, rund 20 Prozent mehr innerhalb von vier Wochen. Laut Haber werde sich der Preisanstieg von Gas nur marginal auf österreichische Haushalte auswirken. Begründung: Die Beschaffung sei meist im Vorfeld erfolgt, viele Haushalte hätten Fixpreisverträge.

Abwendung von russischem Gas

Wie sich die Abwendung von russischem Gas auf das Preisniveau in Europa auswirken werde, ist nicht eindeutig zu beantworten. Infolge der Liberalisierung des Gasmarktes habe sich die Preisbildung verändert, so Haber. Diese erfolge derzeit über die Börse, deren Preise seien die Basis vieler bilateraler Verträge. In den Haushalten sind die jüngst gestiegenen Gaspreise noch nicht angekommen: Laut Österreichischer Energieagentur sanken die Haushaltspreise für Gas im Oktober im Vergleich zum September um 6,5 Prozent Im Jahresvergleich lagen sie um 28,9 Prozent unter dem Wert vom Oktober 2023.

Transparenz für Kunden

Der Gasverbrauch im Winter werde von den Temperaturen abhängig sein. Höhere Gaspreise verteuerten zwar grundsätzlich Strom – Stichwort: Merit-Order-Prinzip. Doch der Börsenpreis sei nicht unmittelbar ausschlaggebend, so Haber. Strompreise entwickelten sich über ein ganzes Jahr, Stromkunden mit Fixpreis seien jetzt im Vorteil. Es sei „klar wünschenswert“, dass Versorger gegenüber ihren Kunden offenlegten, woher sie Gas in welchen Mengen beschaffen würden, so Haber zur Kleinen Zeitung. Er wünscht sich zur Sicherheit der Endkunden Transparenz. „Der Markt ist beruhigter, wenn Gasversorger darstellen, woher die benötigten Mengen kommen.“