Im Gegensatz zu vielen anderen Wirtschaftszweigen läuft es im Tourismus heuer so rund, dass stark investiert wird. „Das zeigt, dass der Tourismus selbst dann sehr krisenfest ist, wenn es in der Industrie große Umbrüche gibt“, sagt Tourismus-Staatssekretärin Susanne Kraus-Winkler (ÖVP) im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Die 2023 runderneuerten Förderrichtlinien in der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank OeHT dürften heuer für eine regelrechte Investitionswelle gesorgt haben.
OeHT-Geschäftsführer Matthias Matzer rechnet damit, dass heuer durch OeHT-Produkte ein Gesamtinvestitionsvolumen von 600 Millionen Euro ausgelöst wird. Der finanzielle Einsatz dafür lag bei 21,4 Millionen Euro an Förderungen. Sie wurden vor allem für Zinsunterstützungen von Krediten eingesetzt. Das Finanzierungsvolumen beträgt heuer rund 223 Millionen Euro. Die damit zusammenhängenden Gesamtinvestitionen sind aber um ein Vielfaches höher, betont Matzer. „Dass man mit gut 21 Millionen Euro einen so großen Hebel erzeugen kann, ist beeindruckend“, sagt er. Zum Vergleich: 2023 betrug das gestützte Kreditvolumen 167 Millionen Euro, insgesamt betrug das gesamte Investitionsvolumen 412 Millionen Euro.
„Viel mehr als wir erwartet haben“
Die OeHT ist die wichtigste Plattform für die gewerbliche Tourismusförderung in Österreich, ausgerichtet ist sie vor allem auf kleine und mittelgroße Betriebe. Laut einer neuen Studie, die über 100 zufällig ausgewählte Förderungsfälle von 2020 bis 2023 untersuchte, profitierten von den Aufträgen der Tourismusbetriebe zu 92 Prozent österreichische Unternehmen, oft kleinere Betriebe, die meisten davon befanden sich in einem Umkreis von 60 Kilometern. „Im Schnitt liegt die regionale Wertschöpfung der geförderten Tourismusinvestitionen bei 70 Prozent“, so Matzer. „Das ist viel mehr als wir angesichts der Globalisierung und Digitalisierung erwartet haben.“
„Wir können es uns in Österreich also gar nicht leisten, ohne Tourismus zu sein“, kommentiert Kraus-Winkler die Studienergebnisse. Die Politik-Quereinsteigerin, selbst viele Jahre erfolgreiche Tourismusunternehmerin und auch Beraterin, war vor drei Jahren mit der Führung des neu geschaffenen Tourismus-Staatssekretariats betraut worden. In ihre Amtszeit fielen die Pandemie und das Comeback der Branche gleichermaßen. Sie selbst fuhr einen Modernisierungskurs auf allen Ebenen unter den Prämissen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. „Der Tourismus ist jetzt der Konjunkturmotor in schwierigen Zeiten“, freut sie sich. „In Regionen, wo es kaum Industrie gibt, sorgt der Tourismus oft für 90 Prozent der Wirtschaftsleistung.“
Neue Förderungen
Über die OeHT implementierte Kraus-Winkler wesentliche Neuerungen für die Branche. Gefördert werden heute auch kleinere Investitionen ab 100.000 Euro. 2023 hatte das Staatssekretariat die Förderungen zudem mit Nachhaltigkeitskriterien verknüpft, heuer wurde der Zinsenzuschuss beim „Grünen Tourismuskredit“ von zwei auf drei Prozent erhöht. „Als Incentive“, so Kraus-Winkler. „Oft ist mit Nachhaltigkeit auch das Thema Digitalisierung verknüpft“, sagt sie, „Digitalisierungsinvestitionen können aus diesem Topf mit gefördert werden, was wir noch pushen wollen, weil das noch zu wenig bekannt ist.“ Auch bei Betriebsübergaben hat die OeHT eine breitere Palette an Fördermöglichkeiten an die Hand bekommen.
Erstmals wurden jetzt für Österreichs Ferienhotellerie im Rahmen des jährlichen Fitnesschecks auch Nachhaltigkeits-Kennzahlen veröffentlicht. Dafür hatte Kraus-Winkler im Vorjahr den „ESG Data Hub“ geschaffen. „Erfolgreicher Klimaschutz im Tourismus braucht Fakten, die messbar sind“, sagt sie. Sie verweist auf eine Reihe aus ihrer Sicht erfreulicher Entwicklungen insbesondere in der Vier-Sterne-Hotellerie: Mehr als 50 Prozent der Betriebe setzen schon auf erneuerbare Energien. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen sei hier mit 57 Prozent sehr hoch. Rund 75 Prozent der Hotels investierten auch in hochwertige Mitarbeiter-Unterkünfte.