Auf den ersten Blick erinnern die Simulatoren an ein Fahrgeschäft für Kinder, das man mit ein paar Euromünzen startet. Doch sobald man darauf Platz genommen hat, merkt man rasch, dass das kein Spiel ist. Den Bagger zu steuern ist alles andere als kinderleicht und das Gefühl samt Gerät umzukippen so realistisch, dass man schon einen kräftigen Adrenalinstoß bekommt. Fast entspannend ist dazu im Vergleich eine Station weiter das virtuelle Schweißen, bei dem man zumindest mit den Füßen fest auf dem Boden bleibt. Das Simulatorenzentrum, das unter anderem Test- sowie Trainingsmöglichkeiten für Kranfahrer, Baggerfahrer, Staplerfahrer und Schweißer bietet, ist das Herzstück des neuen Testcenter Carinthia, das am Freitag feierlich mit Prominenz aus Wirtschaft und Politik eröffnet wurde.
Neben zahlreichen Wirtschaftskammerfunktionären wie WKÖ-Präsident Harald Mahrer und Vizepräsidentin Carmen Goby waren Landeshauptmannstellvertreterin Gaby Schaunig (SPÖ), Wirtschaftsreferent Sebastian Schuschnig (ÖVP) und AMS-Chef Peter Wedenig zu sehen.
4,5 Millionen Euro hat die Wirtschaftskammer Kärnten in das Testzentrum auf dem früheren Postgaragen-Gelände in der Klagenfurter Lastenstraße investiert, das seit einigen Monaten im Probebetrieb läuft. „Uns ist es eine Herzensangelegenheit, dass wir in der Bildung etwas weiterbringen“, betont der Kärntner Wirtschaftspräsident Jürgen Mandl. Die Arbeitswelt habe sich verändert. Früher habe man eine Ausbildung gemacht und sei in diesem Beruf dann in Pension gegangen. Doch heute müssen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer wieder neu orientieren. In den vergangenen zwölf Jahren wurden im TAZ (Test- und Ausbildungszentrum) in 40.000 Tests die Kompetenzen von Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 16 Jahren ermittelt. Durch das neue Testcenter Carinthia kommen nun Stärken- und Fähigkeitstests für Erwachsene in so einer Neuorientierungsphase dazu. 20 branchenspezifische Tests, die wissenschaftlich fundiert sind, werden bereits angeboten.
Tausende Jobtests geplant
„Ein Ziel von 100 branchenspezifischen Tests ist realistisch“, sagt Andreas Görgei, Geschäftsführer des Wifi Kärnten und Leiter der neuen bildungspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Kärnten. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll die Anzahl der erwachsenen Testkandidaten auf 3000 pro Jahr steigen. Derzeit geht man davon aus, dass je ein Drittel von Entsendungen des Arbeitsmarktservice und Arbeitgebern kommt und 1000 Privatpersonen die Möglichkeit nutzen.
„Das Testcenter Carinthia steht allen offen“, betont Görgei. Arbeitgeber können für 15.000 bis 20.000 Euro branchenspezifische Tests erstellen lassen. Die Wirtschaftskammern in Österreich stellen sicher, dass Tests nicht doppelt erstellt werden und österreichweit die gleichen, hohen Anforderungen gelten. „Uns ist wichtig, dass die wissenschaftlichen Standards eingehalten werden und in allen Bundesländern die Qualität gleich hoch ist“, sagt Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich. Im gesamten Bundesgebiet führen die Länderkammer pro Jahr 67.000 Kompetenztests für Jugendliche durch.
Der Grundstein für das Testcenter Carinthia wurde übrigens schon vor rund einem Jahrzehnt gelegt. „Nur durch den Ankauf des damals brachliegenden Gewerbegeländes, den unsere Vorgänger, Wirtschaftskammer-Präsident Franz Pacher und Kammerdirektor Michael Stattmann getätigt haben, ist dieses Projekt möglich geworden“, sagt Kammerdirektor Meinrad Höfferer. Auf demselben Gelände in anderen Gebäuden haben sich übrigens auch der Makerspace, die Fleischverarbeitungswerkstatt und die Maler- und Dachdecker-Ausbildungszentren in den vergangenen Jahren etabliert.