Von einer „den Kopf in den Sand stecken“-Taktik spricht die Richterin. Denn der junge Angeklagte, der vor ihr sitzt, hat offenbar etliche Ladungen einfach ignoriert. Nun hat ihn die Polizei von Zuhause abgeholt und in das Bezirksgericht nach Voitsberg gebracht. „Was ist das Problem, dass wir uns beim letzten Mal nicht gesehen haben? Jetzt mussten Sie sogar mit dem Polizei-Taxi herkommen“, ärgert sich die Richterin. Der junge Mann sagt, er habe den Termin vergessen. „Haben Sie keinen Kalender daheim?“, fragt die Richterin spitz. Denn „wenn sogar die Polizei kommt, da weiß ich doch: Da brennt der Hut.“

Kratzspuren

Es steht Aussage gegen Aussage – doch die Richterin hört die des Angeklagten zum ersten Mal. Denn der war auch nie zur Einvernahme bei der Polizei erschienen. „Was für eine Polizei?“, fragt der junge Mann verdutzt – und damit war man wieder am Anfang der Verhandlung: bei der „den Kopf in den Sand stecken“-Taktik. Doch dieses Mal kommt ihr der Angeklagte nicht aus. Sie möchte wissen, ob die Trennung im Streit passiert sei. Davon aber wisse der Angeklagte nichts – und geht in die Offensive: „Ich weiß ja nicht, wie die Mutter drauf ist. Ich hab sie kurz vor der Trennung kennengelernt. Ich kenne sie nicht wirklich.“

Die Richterin spricht den Angeklagte im Zweifel frei, denn die Frau „hat nie gesagt, dass sie Sie kratzen gesehen hat. Nur, dass Sie im Hof waren. Das ist Ihr Glück.“ Die Richterin hofft, den Angeklagten kein weiteres Mal sehen zu müssen. „Aber sollten Sie wieder Behördenbriefe bekommen: Kümmern Sie sich darum. Denn uns kommt keiner aus, diese Hoffnung ist vergebens.“