KöflachEin paar Stunden Künstler sein

Für einen Nachmittag wurde das kreative Schaffen von der Redaktion ins Atelier verlegt – und eine Künstlerin wurde zur Lehrerin.

Künstlerin Christine Kertz nahm die Redakteure der Kleinen Zeitung unter ihre Fittiche © Katharina Siuka
 

Als Redakteur ist man üblicherweise ein Künstler der Worte, spinnt aus Worten Geschichten und malt Bilder im Kopf. Einen Pinsel benutzt man dazu nur selten. Unter Anleitung von Künstlerin Christiane Kertz fühlen meine Kollegen Katharina Siuka, Andrea Kratzer und ich uns aber beim Kunstworkshop schon nach kurzer Zeit wie kleine Picassos und Kiki Kogelniks. Umgeben von Werken der 37 Künstler der Vereinigung Xylon greifen wir anstatt zum Kugelschreiber zur Abwechslung zu Holzschnittwerkzeug und Farbrolle. Da fließt die Kreativität fast von alleine. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.

Schnittwerkzeug und Holzplatte

Präzision ist vor allem beim Hantieren mit dem Holzschnittwerkzeug gefragt. Ganz einfach ist es nicht, ein bestimmtes Muster in die dünne Lindenholzplatte zu schneiden. Vor allem weil die Erinnerungen an den Zeichenunterricht in der Schule und einen lädierten Zeigefinger in meinem Kopf noch etwas zu präsent sind. Mit Elan machen wir uns trotzdem an das Bearbeiten der Platten – und haben unseren Spaß. Mit Kunst haben unsere ersten Gehversuche nämlich wahrscheinlich eher wenig zu tun. Spannend ist es trotzdem und was als Kunst zu bezeichnen ist, ist ohnehin eine Streitfrage.

Mit dem Holzschnittwerkzeug wird die Lindenholzplatte bearbeitet Foto © Simone Rendl
 

Kertz steht uns mit Tipps zur Seite: „Zu Beginn arbeitet man am besten mit einem dünnen Werkzeug und arbeitet sich dann vor.“ Nach und nach entstehen Muster auf unseren Platten, Linien werden sichtbar. „Nacharbeiten kann man immer“, rät sie und zeigt, wie man das Werkzeug am besten in der Hand hält. Groß ist die Freude, als der letzte Schnitt gesetzt ist und wir unsere fertigen Platten begutachten. Erst jetzt fällt mir auf, dass das Schneiden doch tatsächlich ein kleines Training für die Muskeln ist, denn ich muss zugeben, dass meine Hand nach einer Stunde Arbeit bereits schmerzt. Jeder Profi würde mich dafür wohl belächeln, denke ich mir und grinse.

Auf Papier verewigt

Linolfarbe und Farbrolle verleihen unserer Arbeit aber erst den richtigen Glanz. Mit Kombinationen aus rot und gold, blau, gelb und schwarz wird aus einfachen Holzschnitten ein Stempel mit individuellem Charakter. Damit die Farbe sich auch auf dem Blatt Papier verewigt, helfen wir mit der Unterseite eines Löffels ein wenig nach und drücken das Papier fest gegen die eingefärbte Holzplatte.

Fotobeweise dürfen bei so einer ungewöhnlichen Technik natürlich auch nicht fehlen. Und während wir lernen, wie ein Holzschnitt funktioniert, gibt es Informationen zur Ausstellung. Am liebsten hätte ich die Hälfte der Werke mit nach Hause genommen, so gut finde ich sie. „Das gefällt mir besonders“, lasse ich meine Kolleginnen und Kertz wissen. „Das ist eine Kärntner Gruppe“, erklärt mir Kertz. Alle lachen. Auch nach fünf Jahren in der Steiermark lebt die Kärntnerin eben immer noch ein bisschen in mir.

Am Mittwoch, 18. Juli, um 18 Uhr gibt es im Kunsthaus Köflach die nächste Vernissage: Die Schau „Insight out“ gibt Einblicke in das Berufsleben steirischer Ingenieurbüros.

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