KöflachSachbeschädigung und Raufereien: Gemeinde plant Sperrstunde für das "Stau"

Aufgeschlitzte Reifen und verbale Attacken: Die Sperrstunde im "Stau" soll vorverlegt werden. Der Bescheid ist schon erstellt.

Doris Mallis Sonnenapotheke befindet sich direkt neben Hannes Schlossers "Stau" © Andrea Kratzer
 

Einem Pulverfass gleicht derzeit die Kärntnerstraße in Köflach. Das Lokal "Stau", in dem sich der Bezirk traditionsgemäß zum letzten Umtrunk einer langen Partynacht in den frühen Morgenstunden trifft, sorgt bei den Anrainern für Besorgnis, Verzweiflung und Ärger. Immer wieder kommt es rund um das Lokal zu Lärmbelästigung, Ausschreitungen und Sachbeschädigungen. Direkt nebenan betreibt seit Jahren Doris Malli ihre Sonnenapotheke. Ihre Wohnung befindet sich im Stockwerk darüber: "Vor allem an Wochenenden finde ich nachts oft durch den Lärm keinen Schlaf. Es ist aber nicht nur der Lärm, der mir zu schaffen macht, es ist vor allem auch der Zigarettenqualm. Ich habe nachts eigentlich gern mein Fenster offen, durch die vielen Raucher steigt der Gestank allerdings bis in meine Wohnung", klagt die Apothekerin. 

In ihrem Garten findet Malli auch immer wieder allerhand Müll, den die Köflacherin selbst entfernen muss. "Die Leute werfen in ihrem betrunkenen Zustand Jacken, Schuhe, Dosen und Flaschen über den Zaun, ich werfe jeden Monat mindestens eine Mülltüte an herrenlosem Zeug weg."

Die "Knusperstube" wünscht sich Verbesserungen Foto © Simone Rendl
Schwierig ist die Situation auch für Angela und Jöbstl und ihren Sohn Sebastian, die die "Knusperstube" führen, die sich einige Meter von der Diskothek entfernt befindet. "Wir haben unser Lokal sehr lange bereits um 4.30 Uhr aufgesperrt, jetzt mussten wir unsere Öffnungszeiten auf 5 Uhr verlegen, um die Sicherheit unserer Kunden zu gewährleisten", erklärt die Café-Betreiberin. Vor allem in den frühen Morgenstunden verirren sich immer wieder angetrunkene Menschen in die beliebte Bäckerei, beschimpfen Gäste und bewerfen Jöbstls Angestellte mit Zigarettenstummeln und Kleingeld. "Vor einigen Jahren wurde sogar einmal eine Scheibe eingeschlagen. Ständig finden wir Einkaufswagen, Straßenschilder und Mülleimer auf unserem Parkplatz."

Neue Sperrstunde

Der "Stau"-Inhaber Hannes Schlosser ist sich der Problematik durchaus bewusst und ist bereits auf der Suche nach Lösungs- und Verbesserungsansätzen: "Mir ist klar, dass einige 'Stau'-Besucher sich nicht benehmen können und dass sich etwas ändern muss, allerdings sehe ich die Schuld nicht bei mir alleine, schließlich sind die Gäste auch zum Teil selbst für sich verantwortlich." Zunächst will Schlosser nicht nur vermehrt Security-Personal einsetzen und die Altersgrenze auf 18 erhöhen, er will auch den Eingangsbereich umstrukturieren und das Einlasssystem verbessern. Auch mit der Gemeinde und der Polizei will der Lokalbetreiber vermehrt kooperieren. 

Kommentare zum Thema

Auf Facebook hat Schlosser Bilder des Bescheids veröffentlicht. Die Meinungen sind unterschiedlich:

"Ein nächtlicher Bus, der alle 15 Minuten die Menschen vor dem Lokal einsammelt, hätte die Situation entschärft. Es müsste härter bestraft werden."

"Ich denke, hier lässt sich bestimmt eine bessere Lösung finden, die alle Parteien zufrieden stellt."

"Menschen, die sich um 4 Uhr nicht benehmen können, werden sich auch zu Mittag nicht benehmen können."

"Die Sperrstunde wird - nicht unbegründet - um eine Stunde nach vorne verlegt und deswegen sperrt man sein Lokal freiwillig (!) zu und sieht sich als Opfer?"

Köflachs Bürgermeister Helmut Linhart plant unterdessen die Vorverlegung der Sperrstunde von 5 Uhr auf 4 Uhr, ein Bescheid wurde bereits erstellt. Schlosser hat nun zwei Wochen Zeit, Einspruch gegen den Beschluss zu erheben. "Durch die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und den volkswirtschaftlichen Schaden, der durch den Vandalismus entsteht, sehen wir uns als Gemeinde verantwortlich, Lösungen zu finden", erklärt Linhart. "In den letzten Wochen gab es Fälle, bei denen Reifen aufgeschlitzt und Spielplätze beschädigt wurden. Das kann so nicht weitergehen. Schlosser zeigt sich allerdings wenig begeistert von den Plänen der Gemeinde: "Ich sehe nicht ein, warum ich als Unternehmen Einbußen hinnehmen muss, weil sich einige Partygäste nicht benehmen können, es ist auch den Gästen gegenüber unfair." Auch Gemeinderat Christian Veit zweifelt an der Effektivität der vorverlegten Sperrstunde: "Der Beschluss ist nicht sinnvoll, viel eher müsste man auf härtere Kontrollen setzen." Schlosser hat bereits eine Petition gegen die Sperrstunde gestartet, die Veit unterstützen will. Im März will Veit das Thema im Gemeinderat aufgreifen.

Wenn ich früher zusperren muss, wird erst recht draußen weitergetrunken.

Hannes Schlosser, Inhaber "Stau" Köflach

Auf Facebook erhitzt der Beschluss ebenfalls die Gemüter. Schlosser denkt jetzt sogar über eine Schließung seines Kaffees am Hauptplatz nach: "Im Café Cappa überlegen wir, wie (und ob) wir weitermachen", schreibt Schlosser auf seiner Seite. 

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Kommentare (2)

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tannenbaum
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So

ein "Sauflokal", mitten in der Stadt, wie es das "Stau" nun einmal ist, gehört die Sperrstunde sowieso auf spätestens ein Uhr angesetzt!

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DerOfficer
1
5
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Sperrt es endlich zu

dieses Lokal hätte schon seit Jahren geschlossen gehört. Der heutigen Jugend ist Respekt überhaupt kein Begriff mehr. das Stau ist ein reines Pulverfass

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