Sommergespräche

Sie startete ihre Karriere auf dem Campingplatz

Senkrechtstarterin Natalie Holzner (23) ganz persönlich: Die Schlagersängerin aus Voitsberg spricht über ihre ersten Schritte als Musikerin, ihre größte Angst und ihr Kindheitsidol. Von Rainer Brinskelle

Für Sängerin Natalie Holzner ein besonders guter Platz zum Ausspannen: der Grafenteich beim Schlosspark Greißenegg
Für Sängerin Natalie Holzner ein besonders guter Platz zum Ausspannen: der Grafenteich beim Schlosspark Greißenegg © Rainer Brinskelle
 

Wir sind im Schlosspark Greißenegg, Ihrem Lieblingsplatz: Was gefällt Ihnen hier?
NATALIE HOLZNER: Ich mag den Park. Früher hatten wir hier Laufwettbewerbe, wir haben die Erstkommunionsfotos und voriges Jahr die Hochzeitsfotos meiner Schwester hier gemacht. Der Ort ist für mich einfach sehr wichtig. Heuer gehe ich schon mit meiner Nichte im Schlosspark spazieren. Das ist wirklich einer der schönsten Plätze in Voitsberg. Enten füttern war ich in meiner Kindheit auch oft hier.

Sind Sie tierlieb?
HOLZNER: Ja schon, aber mit einer Einschränkung. Ich habe irrsinnige Angst vor Hunden.

Woher kommt das?
HOLZNER: Ich bin mir nicht sicher, aber unser Nachbarhund ist mich als Kind einmal voller Freude von hinten angesprungen. Große Hunde sind schon furchteinflößend, da muss ich manchmal die Straßenseite wechseln.

Gibt Ihnen der Schlosspark auch Inspiration?
HOLZNER: Inspiration findet man überall, egal ob im Park oder auf einer Baustelle. Hier kann ich zur Ruhe kommen. Das ist idyllisch und romantisch, strahlt Geborgenheit aus. Ich setze mich aber nicht mit Stift und Block zum See und beginne zu schreiben.

Wie gehen Sie ans Schreiben und Komponieren heran?
HOLZNER: Auf Kommando schreiben geht gar nicht. Ich versuche den Text fertig zu schreiben und dann die Musik dazu zu finden. Ich komponiere hauptsächlich am Klavier. Meistens nehme ich das auf, lasse es ein bisschen liegen und gebe es meiner Schwester Stefanie, sie ist meine beste Kritikerin. Wenn sie sagt, es hört sich gut an, weiß ich, ich bin auf dem richtigen Weg. Und ich habe meinen lieben Freund und Kollegen Paul Kokel von Nordwand. Wir haben mein aktuelles Lied „Einmal noch“ geschrieben.

Wie lief die Zusammenarbeit ab?
HOLZNER: Der Song ist in einer Nacht entstanden, in der wir bis zwei Uhr früh im Café Mokka in Bärnbach gesessen sind. Er hat die Strophe entwickelt und ich habe gleich den Refrain gehabt.

Wie kann man sich das vorstellen? Singen Sie im Café ständig den neuen Refrain?
HOLZNER: Es könnte vorkommen (lacht). Wir sind mit unserem Kaffee in einem Eck gesessen, in dem uns niemand wirklich registriert. Man diktiert die Sachen aufs Handy, dass man sie bis in der Früh ja nicht vergisst. Es war sehr lustig. Paul war ein Glückstreffer. Das Demo haben wir in seinem provisorisch eingerichteten Studio aufgenommen.

Sie waren gerade auf Tournee in der Schweiz. Welche Eindrücke haben Sie von dort mitgenommen?
HOLZNER: Es war total unerwartet für mich, dass Leute meinetwegen zum Konzert kommen. Ein Jahr davor war ich das erste und einzige Mal in der Schweiz und seit damals hat sich ein kleiner Fanklub entwickelt. Die Mitglieder sind geschlossen zu jedem Auftritt gekommen. Ich muss zugeben, das hat mich sehr berührt.

Robert Cescutti Vor allem in der Schweiz hat die Sängerin bereits eine Fangemeinde aufgebaut
Vor allem in der Schweiz hat die Sängerin bereits eine Fangemeinde aufgebaut © Robert Cescutti

Zu welchem Zeitpunkt haben Sie gewusst: Ich werde Musikerin?
HOLZNER: Musik war immer total wichtig für mich. Schon im Kindergarten war es mir egal, was passiert ist oder wer mit wem befreundet war – aber wenn es ein neues Lied gegeben hat, wurde das zu Hause sofort gesungen. Bei meiner Oma haben wir immer Musikantenstadl geschaut, damals war Stefanie Hertel mein großes Vorbild. Ich habe es so toll gefunden, wie sie über den Bildschirm die Ausstrahlung rüber bringt und mich begeistern kann. Da ist die Faszination für Musik bei mir losgegangen.

Wann sind Sie das erste Mal auf einer richtigen Bühne gestanden?
HOLZNER: Meine Schwestern, meine Cousine und ich haben für Geburtstagsfeiern immer Tänze zu Hertels Liedern einstudiert, das hat den Leuten gefallen. Wenn ich das heute sehe, denke ich mir, hoffentlich sieht das niemand. Die Videos sind eh unter Verschluss (lacht). Den ersten Mini-Playback-Wettbewerb habe ich in Italien auf einem Camping-Platz gewonnen, das war mein Durchbruch (schmunzelt). Dort hat niemand ein Wort verstanden, aber der Refrain lautete „Ciao, Ciao, Hotel Mama“, das ist angekommen. Ich war zehn oder elf Jahre alt und da fühlt man sich großartig, wenn man so etwas gewinnt.

Haben Sie das aus eigenem Antrieb gemacht?
HOLZNER: Ich wollte immer bei Wettbewerben mitmachen. Wenn man einmal oben steht und Leute klatschen, ist das wunderschön. Ich habe auch bei „Köflach sucht den Star“ teilgenommen. Meinen Eltern bin ich auf die Nerven gegangen, weil ich überall mitmachen wollte. Sie haben mich nie gedrillt, es war fast umgekehrt. Ich habe darauf bestanden, da und dort mitzumachen, dann noch unbedingt Geige und Klavier zu lernen und im Fidelissimo-Orchester mitzuspielen. Die Mama ist jahrelang viele Stunden im Auto gesessen, um mich überall hinzubringen.

Inzwischen hat es Sie nach Salzburg verschlagen?
HOLZNER: Ich wollte etwas mit Musik machen und das Mozarteum hat europaweit gesehen einen guten Ruf. Die nehmen im Jahr nur zehn Leute auf. Ich wollte es versuchen und habe die Aufnahmeprüfung geschafft. In die Stadt Salzburg habe ich mich schon ein Jahr davor verliebt, als wir mit dem Chor vom Musikgymnasium dort waren. Die Stadt ist so überschaubar und einfach lieb.

Sie stehen vor dem Abschluss des Studiums, wie geht es danach weiter?
HOLZNER: Die vier Jahre sind so schnell vergangen, ich habe die Wohnung schon gekündigt. Deswegen bin ich ab sofort wieder in Voitsberg, werde meine Diplomarbeit schreiben und nur noch zu Prüfungen nach Salzburg fahren. Ich bin wieder bei meinen Eltern eingezogen, wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Meine Nichte ist im Frühling zur Welt gekommen und ich will unbedingt dabei sein, wenn sie aufwächst. Und in Voitsberg geht mir nichts ab.

Wie gestalten Sie Ihre Freizeit?
HOLZNER: Ich verbringe viel Zeit mit meinen Schwestern und meiner Familie, wir gehen spazieren, Kaffee trinken, da können wir über alles reden. Und vor eineinhalb Jahren habe ich Yoga entdeckt. Und ich höre viel Musik.

Welche Art von Musik hören Sie gern?
HOLZNER: Alles mögliche. Von klassischer Musik, da bin ich natürlich durch das Studium vorbelastet, über Volksmusik bis hin zu deutschsprachiger Musik, von Julian LePlay bis Silbermond. Nur mit Hip Hop kann ich mich nicht anfreunden. Natürlich höre ich gern Schlager, ich war beim Konzert von Helene Fischer in Wien. Es ist enorm, was sie leistet. Wenn da 45.000 Leute sitzen, ist das ja furchteinflößend. Sie hat die Szene aufgemischt, dank ihr wird Schlager nicht mehr als peinlich oder uncool gesehen.

Welche Ziele haben Sie?
HOLZNER: Helene Fischer wäre mir zu groß. Ich hoffe, dass ich in einigen Jahren noch auf der Bühne stehe, eigene Songs singe und die Leute mit meiner Musik berühren kann. Und wenn es ein paar Leute mehr werden, stört es mich nicht. Das nächste große Ziel ist, ein Album zu produzieren, damit wollen wir uns aber Zeit lassen.

 

Zur Person

Natalie Holzner kam am 12. März 1992 zur Welt und stammt aus Voitsberg.
Die Sängerin studiert an der Uni Salzburg Germanistik, Musikerziehung sowie Klassischen Gesang am Mozarteum.
Bekannt wurde sie durch die Casting-Show „Herz von Österreich“ auf Puls4.
"Einmal noch" heißt ihre aktuelle Single.
www.natalieholzner.at

Kommentieren