In ihrer beruflichen Laufbahn vereint Kerstin Auer ihre Liebe zu Tieren und ihre Leidenschaft für die Forschung. Gemeinsam mit ihrem Team hat die Zoologin aus Mooskirchen ein Strategiemodell zur Anwendung des sogenannten 3R-Prinzips entwickelt. Dabei handelt es sich um einen ethischen Leitfaden, der Tierversuche vermeiden und die Zahl der Tiere sowie ihr Leiden in Versuchen auf ein unerlässliches Minimum beschränken soll. Er wird nun systematisch an der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) verankert.

Forschung ohne Tierleid

„Ich halte es für wichtig, dass man den Tierschutz in der Forschung aktiv hochhält. Denn nur wenn es den Tieren gut geht, können Forschungsergebnisse verlässlich sein. Stress, Leiden und Ängste verzerren die Daten – und aus nicht reproduzierbaren Ergebnissen können keine Schlüsse gezogen werden“, sagt Auer.

V.l.: Helen Louton (LMU), Anna-Caroline Wöhr (LMU), Kerstin Auer (Vetmeduni), Stefan Warbek (Forster-Steinberg-Stiftung), Herwig Grimm (Vetmeduni), Matthias Gauly (Rektor Vetmeduni)
V.l.: Helen Louton (LMU), Anna-Caroline Wöhr (LMU), Kerstin Auer (Vetmeduni), Stefan Warbek (Forster-Steinberg-Stiftung), Herwig Grimm (Vetmeduni), Matthias Gauly (Rektor Vetmeduni) © privat

Ein Tierversuch ist beispielsweise überflüssig, wenn stattdessen ein aus Zellen gezüchteter Organersatz genutzt werden kann. „Es gibt jedoch unzählige Fragestellungen, für die jeweils eine Alternative gefunden werden müsste. Darum sollten wir uns nicht nur punktuell, sondern systematisch überlegen, was wir verändern können“, sagt Auer. Mit ihrem Konzept soll das 3R-Prinzip strukturell in Lehre, Wissenschaftskultur und Entscheidungsprozesse der beiden Universitäten eingebettet werden.

200.000 Euro für Projektziel

Für ihre herausragenden Leistungen im Bereich des Tierwohls und des Tierschutzes im Rahmen dieses Projekts wurden Kerstin Auer und der Salzburger Ethikprofessor Herwig Grimm (beide Vetmeduni) sowie Anna-Caroline Wöhr und Helen Louton (beide LMU) mit dem Forschungspreis der Forster-Steinberg-Stiftung ausgezeichnet. Das Preisgeld in der Höhe von 200.000 Euro dient zur Umsetzung des Projektziels.

Aktuell ist Auer, die 2024 im Fach Labortierkunde an der Veterinärmedizinischen Universität Wien habilitierte, als Senior Scientist und als Leiterin einer Tierhaltung an der Medizinischen Universität Wien tätig. Sie wird die Umsetzung des Projekts an der Vetmeduni Wien mitbetreuen.