Vor einem Jahr wurde die Männerberatungsstelle im Haus des Lebens in Voitsberg eröffnet. Einmal pro Woche kann das Angebot von Männern in Lebens- oder Beziehungskrisen genutzt werden, nach telefonischer Vereinbarung sind Termine montags oder dienstags möglich. „Es geht darum, einen Begegnungsraum mit einem professionellen Gesprächspartner zu schaffen. Viele Männer sind es nicht gewohnt, über ihr Innenleben zu sprechen, über das, was sie traurig und verletzlich macht“, sagt Stefan Pawlata. Der Sozialarbeiter arbeitet an der Fachstelle für Gewaltarbeit und ist seit 1. Jänner 2024 auch für die Männerberatung in Voitsberg zuständig.
Häufig lassen sich Männer nach einer Scheidung oder Trennung sowie bei Problemen im Berufsleben beraten. Aber auch die Themen Einsamkeit, Mobbing und Alkohol sind allgegenwärtig. „Gerade im ländlichen Raum ist Alkohol stark in der Gesellschaft verankert, bei Veranstaltungen oder beim Zusammensitzen ist er omnipräsent“, sagt Pawlata. Stereotype, wie dass ein Mann nicht weinen dürfe, haben sich noch nicht aufgelöst, vielen Männern falle es schwer, sich zu öffnen. „Aber allein über Gefühle zu sprechen, entlastet und schafft andere Perspektiven“, weiß Pawlata.
Warum reagiere ich so?
Ziel der Beratung ist es, das jeweilige Thema zu beleuchten und Möglichkeiten zu erarbeiten, wie der Betroffene damit umgehen kann. „Zunächst soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, was hinter dem Problem steckt, warum reagiere ich so?“, sagt Pawlata. Der Grazer hat sich Kompetenzen im Bereich Theaterpädagogik angeeignet, in der Praxis führt er mit seinen Klienten Rollenwechsel durch oder spielt kleine Sequenzen, wie zum Beispiel Kommunikationssituationen, nach.
Neben klassischer Beratung bietet die Männerberatung auch Anti-Gewalttraining an. „Jeder Mensch hat Aggressionen, sie sind lebensnotwendig, aber nicht jeder kann damit umgehen.“ Damit Gewalt nicht im Dunkeln bleibt, ist es wichtig, dass die psychosozialen Einrichtungen gut vernetzt sind. Mit den Einrichtungen im Haus des Lebens, dem Psychosozialen Zentrum, b.a.s (die steirische Gesellschaft für Suchtfragen) oder Akzente funktioniert die Kooperation laut Pawlata sehr gut. Er freut sich: „Die Institutionen sind sehr gut vernetzt, die Männerberatungsstelle ist sehr herzlich aufgenommen worden.“