SommergesprächMichael Schickhofer: "Man macht Dinge wie den Papa-Monat, um Zeichen zu setzen"

Seit drei Jahren ist der gebürtige Weizer Michael Schickhofer Landeshauptmann-Stellvertreter. Als viel beschäftigter Politiker tankt der dreifache Vater Kraft daheim in Anger, im Kreise seiner Familie.

Im Sommergespräch aus Weiz: Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer © KK
 

Allein auf dem Weg zu diesem Interview wurden Sie von zahlreichen Leuten gegrüßt und in Gespräche verwickelt. Wie gehen Sie damit um, ständig erkannt zu werden?

Michael Schickhofer: Natürlich ist diese Bekanntheit etwas Neues für mich. Bisher hab ich aber nur positive Erfahrungen gemacht. Eher eine Herausforderung ist es, wenn ich mit meinen drei Kindern einkaufen bin, die Einkaufssackerl in der Hand habe und jemand hat gerade Lust, ein wenig mit mir zu politisieren. Dann muss ich schon sagen: „Bitte reden wir uns das ein anderes Mal aus.“

Und wird das auch akzeptiert?

Schickhofer: Ja, es funktioniert eigentlich immer. Gerade für meine Kinder ist es sehr wichtig: Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, gehört die Zeit vom Papa ihnen. Aber Weiz und Anger sind sowieso meine Heimat. Da bin ich froh, dass ich hier einfach Michael Schickhofer sein kann. Und weil wir gerade beim Schwindhackl sitzen: Die Apfeltrüffel von hier begleiten mich in die Welt hinaus. Die bringe ich immer als Geschenke mit. Wenn du so eine Funktion hast, möchtest du deiner Heimat auch etwas zurückgeben. Und das sind dann solche Kleinigkeiten wie die Apfeltrüffel, die das dann ausmachen.

Ihr „Papa-Monat“ nach der Geburt Ihres dritten Kindes hat heuer für Schlagzeilen gesorgt. Warum haben Sie sich hier bewusst so mancher Kritik ausgesetzt?

Schickhofer: Man macht Dinge, wie etwa den Papa-Monat, um Zeichen zu setzen: Es kann nicht sein, dass eine politische Funktion gleichzeitig bedeutet, dass man für seine Familie keine Zeit mehr hat und Beziehungen in die Brüche gehen. Das ist ja oft in der Vergangenheit passiert. Darum bin ich davon überzeugt, dass man nicht nur zeigen muss, dass man jeden Tag leidenschaftlich für die Steirerinnen und Steirer arbeitet, sondern natürlich auch eine persönliche Verantwortung hat – und daher auch der Papa-Monat. Ich will andere damit auch motivieren.

Aber gerade ein Politiker muss anscheinend immer greifbar, immer erreichbar sein. Wie geht das als dreifacher Familienvater?

Schickhofer: Ich schaue immer, dass ich an einem Wochentag früher heimkommen kann, damit ich Zeit mit den Kindern habe. Ich bin davon überzeugt, dass meine Tätigkeit viel Kreativität braucht. Dafür muss man auch mal durchschnaufen können, um so wieder einen Gesamtblick zu entwickeln. Sieben Tage in der Woche nur im Hamsterrad zu „funktionieren“, das bringt das Land nicht weiter. Ich möchte das auch in die Politik reinbringen: Du kannst ein engagierter Arbeiter für die Menschen sein, aber das heißt trotzdem, dass du dir Zeit fürs persönliche Leben nehmen kannst. Das Einzige, wo ich wirklich 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche zur Verfügung stehe, ist der Katastrophenschutz (Schickhofer ist Katastrophenschutzreferent, Anm.). Das verstehen meine Kinder, das versteht meine ganze Familie. Da bin ich rund um die Uhr einsatzbereit.

Wird bei Ihnen zu Hause viel über Politik gesprochen?

Schickhofer: Meine Kinder sind sicher stärker damit konfrontiert als andere. Gerade Vincent ist weltpolitisch sehr interessiert. Er fragt dann: „Was macht der Trump? Was macht der Putin?“ Ich denke dann an meine Kindheit zurück, als ich Mini-ZIB geschaut habe. Aber du musst schon aufpassen – am Frühstückstisch wie insgesamt –, dass wir uns nicht die Probleme der ganzen Welt ins tägliche Leben holen.

Sie sind trotz Ihrer 38 Jahre schon mehr als zwei Jahrzehnte politisch aktiv. War Berufspolitiker immer Ihr großes Ziel?

Schickhofer: Das war so nicht geplant. Ich wollte immer gestalten und etwas für die Menschen tun. Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, als Helmut Kienreich (bis 2012 Bürgermeister von Weiz, Anm.) den Stadterneuerungsprozess vorgestellt hat. Irgendwie hat mich das irrsinnig interessiert und ich bin mit eingestiegen. Da hab ich gesehen, das taugt mir. Von Helmut Kienreich habe ich gelernt, dass du nicht immer auf Einzelinteressen schauen darfst, sondern schauen musst, dass es insgesamt der Gemeinschaft gut geht. Du brauchst ein klares Konzept für die Zukunft, Leute, die an einem Strang ziehen und mitgestalten. Dieser „Weizer Weg“ ist für mich auch der steirische Weg.

Gab es in Ihrer politischen Karriere auch Tiefs?

Schickhofer: Was mich massiv getroffen hat, war der Selbstmord des Triebener Bürgermeisters. Das sind prägende Ereignisse, die dich lange beschäftigen. Drum werde ich immer genau hinschauen, wenn es irgendwo Schwierigkeiten gibt. Er hat versucht, alles für die Gemeinde zu tun, hat dann aber mit den Finanzen herumgetrickst. Selbst bereichert hat er sich nicht. Da denke ich mir: Wenn man Fehler macht, ist es wichtig, dass man dazu steht. Dann muss man diesem Menschen auch die Chance geben, diese Fehler wieder gutzumachen.

Sie sind unlängst mit dem E-Bike von Anger nach Graz gefahren. Warum denn das?

Schickhofer: Mit dem Radfahren tut man sich und der Umwelt etwas Gutes. In Zeiten einer Hitzewelle, die alle stark belastet, ist das ein Zeichen für Klimaschutz, das ich setzen möchte. Wenn das Radfahren attraktiv genug ist, werden in Zukunft noch mehr auf das Rad umsteigen. Das E-Bike bietet dabei völlig neue Möglichkeiten. Früher bin ich mit dem normalen Radl zwischen Weiz und Graz hin- und hergefahren. Das große Glück ist natürlich, dass ich eine Dusche im Büro habe. Vielleicht wird es in Zukunft ja wichtiger sein, dass man mehr Duschen als Parkplätze baut (lacht).

Kommentare (9)

Kommentieren
schulzebaue
5
27
Lesenswert?

Bei

Vollen Bezügen kommt man während des Papamonats gut über die Runden.

Antworten
princeofbelair
12
13
Lesenswert?

Aus eigener Efahrung weiß ich...

...man kommt auch mit den 700 EUR gut aus.

Antworten
schulzebaue
3
17
Lesenswert?

Ja

Aber der Herr Landeshauptmann sieht das anders. Große Töne spucken und Rosinen picken. So war es in der Sozialdemokratie schon immer und es besteht offenbar kein Wille das zu ändern.

Antworten
DerGscheite
7
3
Lesenswert?

Ich glaube

gelesen zu haben, dass er die Differenz zu seinem Gehalt gespendet hat. Kann mich aber auch täuschen. Aber das sind wirklich Peanuts zu dem, was uns die Hochzeit unserer Außenministerin Karin Kneissl kosten wird - da können wir eher von 300.000 Euro ausgehen...

Antworten
schulzebaue
1
2
Lesenswert?

Nur

Weil man Äpfel und Birnen vergleicht werden Birnen nicht zu Äpfeln

Antworten
selbstdenker70
0
9
Lesenswert?

...

300.000 kostet auch der Polizeieinsatz bei zwei Rapid gegen Sturm Spiele....

Antworten
paulrandig
4
14
Lesenswert?

princeofbelair

Wenn wir das "gut" streichen, schließe ich mich an. Trotzdem möchte ich es nicht als Dauerzustand.

Antworten
princeofbelair
1
8
Lesenswert?

Ehrlich.

1 Monat mit 700 EUR auskommen und dafür Zeit für die Familie zu haben. Ist zumutbar.

Antworten
schulzebaue
1
10
Lesenswert?

Ja eh

Aber einen Monat als Papamonat zu deklarieren ohne dazu zu sagen dass, so wurde es jedenfalls über die Medien transportiert, die vollen Bezüge kassiert worden sind, das ist halt unehrlich.

Antworten