Eigentlich studiert Erwin Vouk ja schon seit dem Herbst vergangenen Jahres in Graz. Aber die alten Menschen, mit denen er als Zivildiener in Passail gearbeitet hat, lassen ihn noch immer nicht ganz los. Gerade ist er dabei, eine rund 100 Seiten umfassende "Zeitung", wie er das Werk nennt, fertig zu stellen. Und ab und zu, so sagt er, besucht er auch noch die alten Damen und Herren und natürlich auch seine früheren Kollegen im Seniorenheim.

Lebensgeschichten. Die Zeitung, an der Vouk seit rund einem Jahr arbeitet, nennt sich "5 Jahresrückblick", ist aber dennoch eine Momentaufnahme. Denn in der Zeitung werden die Menschen, die dort leben, in kurzen Steckbriefen vorgestellt. "Ich habe mit vielen von ihnen geredet und mir ihre Lebensgeschichten erzählen lassen", sagt der 21-Jährige. Hilfe bekam er vom Personal des Seniorenheimes, das einige Vorlieben der Klientinnen und Klienten verriet. Dazu kam die Vorstellung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie eine Übersicht über den Tagesablauf im Heim.

Aktivprogramm. Einen Schwerpunkt bildet das Aktivprogramm, das sich die Mitarbeiter des Seniorenheimes für die alten Menschen ausdenken. Vouk erweiterte es noch. Mit einer jungen Bewohnerin, die nie Englisch lernte, machte er Englisch-Stunden. Und die älteren Herrschaften durften überhaupt einen ganzen Schulunterrichtstag, der sich allerdings nur über eine gute Stunde erstreckte, durchmachen: mit Geografie (Gemeinden des Passailer Kessels), Mathematik, Pause mit Striezel, Deutsch (Buchstabieren), Geschichte (Ägypter bis EU), Zeichnen, noch einer Pause und am Ende Kochen. Gekocht wurde natürlich nicht, jedoch mussten die betagten Schüler aufschreiben, welche Zutaten man braucht und welche Arbeitsschritte für ein Menü nötig sind.

Soziale Kompetenzen. Vor allem von der Unterrichts-Erfahrung war Vouk so begeistert, dass er beschloss, Lehrer zu werden. Einzigartige soziale Kompetenz sagt ihm seine frühere Chefin, Heimleiterin Rosalinde Breininger, nach. Auch Vouks Kollegen waren von seiner Arbeit begeistert und schlugen ihn als "Zivildiener des Jahres" vor.