„Wir sind die einzigen, die das noch nutzen dürfen“, sagt Dietrich Laurien und spricht vom Kulturkeller Gleisdorf. Dort führt das Kellertheater Gleisdorf stets seine Stücke auf. Aufgrund der finanziellen Probleme gab es viele Einsparungen im Kulturbereich, derzeit sucht die Stadt Gleisdorf nach einem Pächter für den Kulturkeller.
Für die Nutzung des Kulturkellers müssen die Laienschauspieler einen Beitrag zahlen. Dieser sei höher als die Förderung, die sie von der Stadt erhalten. Seit einem Jahr gibt es zudem eine Förderung des Landes.
„Es ist eine angespannte Situation“, sagt Obfrau Heidelinde Ploderer-Leitner. Sie ist Begründerin des Kellertheaters, das heuer sein zehnjähriges Jubiläum feiert und das in den herausforderndsten Zeiten seit Bestehen. „Wir sind auf der Suche nach Sponsoren“, bekräftigt ihr Vorstandskollege Laurien. „Wir haben Sorge, dass wir uns das künftig nicht mehr leisten können.“ Dennoch verlieren sie die Zuversicht nicht und betonen: „Wir werden massiv von der Stadt unterstützt. Alle anderen Veranstaltungen wurden abgesagt.“
Vorschläge für eine neue Spielstätte seien willkommen. „Es sollte aber im Keller sein“, meint Ploderer-Leitner. „Immerhin sind wir ein Kellertheater.“ Eine kleine Einheit mit max. 70 Sitzplätzen reiche aus.
Eitelkeiten im Alltag
Das aktuelle Stück „Spiegel der Eitelkeiten“ wird noch am gewohnten Ort aufgeführt. Und doch ist etwas ungewöhnlich. „Die Zuschauer sitzen auf der Bühne und schauen auf die Schauspieler runter“, erzählt die Obfrau. Einerseits schaffe das für die Gäste einen barrierefreien Zugang, andererseits habe man etwas Neues ausprobieren wollen.
Das Stück beruht auf der „Komödie der Eitelkeit“ von Elias Canetti, jedoch machte das Ensemble ihr eigenes Ding daraus. „Wir haben kleine Teile übernommen, aber es war uns zu politisch. Wir wollen gesellschaftskritisch sein und den Leuten den Spiegel vors Gesicht halten, aber nicht politisch sein“, erklären die beiden Vorstände.
Teamarbeit
Das gesamte Team entwickelte das Stück. „Sonst hatten wir ein fertiges Rollenbuch, jetzt haben wir es gemeinsam konzipiert, lange den Kern herausdiskutiert“, erzählt Laurien. „Das Stück erzählt von Eitelkeiten im heutigen Leben, wir kritisieren diese. Wir klagen an: So kann es nicht weitergehen.“ Es gehe um die digitale Welt, um Selfies und fotografiertes Essen. Schneewittchen wird Influencerin, auch von „Des Kaiseres neue Kleider“ habe man sich inspirieren lassen. „Es ist kein reines Schauspiel, es sind Szenenblöcke mit viel Musik“, so Laurien.
Premiere am 29. April
Am 29. April findet die Premiere statt, sieben Aufführungen gibt es insgesamt. Das Stück regt vor allem zum Nachdenken an, das Kellertheater definiert sich als „niveauvolles Theater mit Anspruch“ und arbeitet unter professionellen Regisseuren. Christian M. Müller löste seinen Vorgänger Peter Lotschak ab. „Obwohl er uns nicht gut gekannt hat, hat er jedem die Rolle gegeben, die am besten gepasst hat“, schwärmen sie. „Er setzt viel voraus, das wir bei Lotschak gelernt haben“, ergänzt Laurien.
Das größte Highlight in den zehn Jahren? „Die Wahrheit“, die 2019 aufgeführt wurde. „Das Stück wurde parallel in Hamburg im Winterhuder Fährhaus aufgeführt. Wir waren die kleine Ausgabe davon. Wir sind sogar nach Hamburg gefahren“, erzählt Ploderer-Leitner.