Wenn kommenden Samstag „Smart10 BIG“ im Hauptabendprogramm von ORF 1 auf Sendung geht, ist diese Sonderausgabe zur Fußball-WM mit Kandidaten wie Prohaska und Polster auch ein Schlusspfiff für das Quizformat. Denn der ORF hat bestätigt, dass die Verträge für die Vorabend-Quizsendungen „Smart 10 – Das Quiz mit den zehn Möglichkeiten“ und „Q1 – Ein Hinweis ist falsch“ nicht verlängert werden.

Die ORF-Spitze reagiert damit auf eine neuerliche Einsparung von 85 Millionen Euro – und reagiert falsch und schlägt den leichtesten Weg aufgrund auslaufender Verträge ein. ORF 1 verliert damit jedenfalls zwischen 18 und 19.30 Uhr rot-weiß-roten Inhalt, der ohnehin kostengünstig produziert wird. Laut Insidern schlägt sich eine Ausgabe mit rund 10.000 Euro zu Buche. Beispiel „Smart10“: Ein Produktionstag im Studio beinhaltet die Aufzeichnung von fünf Sendungen.

„Q1“ mit Oliver Polzer als Quizmaster wurde noch von Lisa Totzauer 2019 als damalige Channelmanagerin initiiert, von Stefanie Groiss-Horowitz als Programmdirektorin wurde 2022 „Smart10“ als Erweiterung der Vorabendfläche in Auftrag gegeben. Es war auch eine Kampfansage an „Quizjagd“ und „Quiz-Master“ auf ServusTV.

Aus für „Q1 Ein Hinweis ist falsch
Aus für „Q1 Ein Hinweis ist falsch" mit Oliver Polzer © ORF

Konkret sieht der Fahrplan so aus: Bei „Q1“ wurden noch genügend Sendungen produziert, um bis 14. August neue Folgen auszustrahlen; ab 17. August laufen Wiederholungen. Bei „Smart10“ gibt es bis 17. Juli neue Folgen, dann werden Wiederholungen gezeigt, ehe Ende August noch eine Staffel aufgezeichnet wird, die man ab 7. September bis zum Jahresende sendet. Zusätzlich werden zum ersten Mal Ausgaben von „Smart10 Kids“ produziert, womit dann der Kids Channel des ORF bestückt wird. Quasi der Anfang vom Ende.

Moderatorin Caroline Athanasiadis reagiert

„Ich bin in der glücklichen Lage von meiner Tätigkeit als Kabarettistin und Bühnendarstellerin leben zu können, aber viele Menschen, die hinter der Kamera, bei Ton, Licht, Kostüm oder Maske oder für das Set-Design arbeiten, werden wieder einmal komplett im Stich gelassen“, postete Moderatorin Caroline Athanasiadis auf Instagram. Für das Team sei sie „bestürzt“. Dem Vernehmen nach muss die Produktionsfirma „TVfriends“, die beide Quizformate herstellt, 24 Leute beim AMS anmelden.

Auf Anfrage begründet der ORF die Maßnahmen hinsichtlich des zusätzlichen Sparpakets von rund 85 Millionen Euro so: „Generaldirektorin Ingrid Thurnher hat bereits spürbare Einsparungen bei Programmen in den Raum gestellt, die trotz größtmöglicher Anstrengungen bei strukturellen Einsparungen drohen. Diese programmstrategischen Maßnahmen – vorranging in Randzonen – dienen dazu, weiterhin die Finanzierung öffentlich-rechtlicher Kernaufträge und publikumsstarker Hauptabendangebote sicherzustellen.“

Weitere Streichungen stehen im Raum

Womit der Wegfall weiterer Sendungen in den „Randzonen“ – also im Nachmittagsprogramm an den Wochenenden und im Vorabendprogramm auch in ORF 2 – indirekt angekündigt wird. Und wie sieht die Zukunft bei der Daytime von ORF 1 aus, der auf dem Weg vom „Abspielkanal“ mit eingekaufter Ware zum öffentlich-rechtlichen Österreich-Sender war?

Die „Millionenshow“ mit Assinger geht zumindest Anfang 2027 weiter
Die „Millionenshow“ mit Assinger geht zumindest Anfang 2027 weiter © Stefan Gregorowius

Was die Pläne beim „Hauptquiz“ des ORF betrifft, laufen nicht erst seit Wochen Evaluierungen. „Derzeit ist die „Millionenshow“ ja schon auf Sommerpause (die letzte Ausgabe lief am 18. Mai) und kehrt am 14. September in eine neue Saison zurück. Der „Kurier“ vermeldete allerdings, dass auch dieser Dauerbrenner im Unterhaltungsbereich vor dem Aus stehen könnte. „Ich beteilige mich nicht an Spekulationen“, erklärte Armin Assinger, den wir auf dem Golfplatz erreichten. Der ORF ließ auf Anfrage wissen, „dass es die Quizshow auch nach 2026 geben wird“. Ob nur noch bis zum Frühjahr 2027 oder bis Ende 2027, hält er dabei freilich offen.

Noch keine Alternativen zur „Millionenshow“

Schon 2023 kamen einmal Gerüchte auf, dass die „Millionenshow“ gefährdet sei, da die Anzahl der Sendungen inklusive „Specials“ pro Jahr leicht verringert wurde. Unterhaltungschef Martin Gastinger sprach gerne davon, einige Quizformate in der Schublade zu haben – ausprobieren ließ man ihn Anfang 2024 „Clever! – Die Rätsel Show“, die floppte und gleich wieder eingestellt wurde.

Abhängig ist man freilich auch von RTL: Beendet Günther Jauch „Wer wird Millionär?“, verliert der ORF das gemeinsam genutzte Quiz-Studio in Köln und dessen Infrastruktur. Wie teuer ist aber die „Millionenshow“? Kolportiert werden als Budget für eine Quiz-Ausgabe mit Assinger knapp 200.000 Euro inklusive der Lizenzgebühren. Redaktionell wurde schon vor Jahren der Sparstift angesetzt, ebenso bei der Anzahl der Kandidaten, die hingeflogen werden müssen, und deren Begleitpersonen.

Scheinbar gilt die Devise nicht mehr, dass das Quiz als Fernseh- oder Streamingformat annähernd so krisenbeständig ist wie das TV-Krimigenre.