Große Trauer in der Oststeiermark: Die Weizerin Hanna Gasser (geborene Lieb), Baupionierin und Senior-Chefin der Lieb-Bau-Unternehmensgruppe, ist im 87. Lebensjahr am vergangenen Donnerstag unerwartet aus dem Leben geschieden. Sie hinterlässt ihren Ehemann, zwei Kinder und vier Enkelkinder.
Schon als junges Mädchen begleitete Hanna Gasser ihren Vater und Stadtbaumeister Sepp Lieb auf Baustellen. Sie absolvierte die HTL Ortweinschule in Graz, besuchte als eine von nur wenigen jungen Frauen den Hochbau-Zweig. Danach studierte sie Architektur an der Technischen Universität Graz. In einer Zeit, in der Frauen am Bau eine Seltenheit waren, setzte sie sich mit Können und Hartnäckigkeit durch. 1962 bestand sie als eine der ersten Frauen in der Region die Baumeisterprüfung, ein Jahr später schloss sie ihr Studium als Diplomingenieurin ab.
Baumeisterin, Zimmermeisterin und Sachverständige
Nach dem unerwarteten Tod ihres Vaters übernahm sie mit nur 24 Jahren die Verantwortung für das Bauunternehmen Lieb in Weiz. Sie führte es mit ihrem Mann Paul Gasser über Jahrzehnte erfolgreich weiter. Viele Gemeinden schätzten ihren kritischen Blick und ihre direkte Art als gerichtlich beeidete Sachverständige, ließen sich von ihr beraten und auch fordern.
Neben ihrem beruflichen Einsatz gestaltete Hanna Gasser ein erfülltes Familienleben. Mit Paul Gasser verband sie nicht nur die Liebe, sondern auch die berufliche Partnerschaft – begonnen hatte alles im Zeichensaal der TU Graz, beim gemeinsamen Tarockieren. Bald wurden die beiden Eltern von Josef (1964) und Doris (1966). Trotz hoher beruflicher Verantwortung war sie für ihre Familie da – und reflektierte dabei durchaus kritisch die Balance zwischen Mutterrolle und Unternehmerinnen-Dasein.
Vielgereiste, großzügige Gastgeberin
Sie liebte fremde Kulturen und das Reisen. Mit großer Leidenschaft fotografierte sie und hinterließ unzählige Fotoalben, die von ihren Entdeckungen erzählen. Dabei bereiste sie auch Länder und Regionen, die heute in dieser Form kaum mehr zugänglich sind. Hanna Gasser pflegte einen großen Freundes- und Bekanntenkreis, war ein geselliger Mensch und eine großzügige Gastgeberin, die gerne Feste ausrichtete.
Kunst und Kultur spielten in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Opern- und Konzertbesuche waren für sie fixer Bestandteil. Noch in den letzten Tagen blieb sie ihrer Leidenschaft treu: Am Abend vor ihrem Tod besuchte sie eine Aufführung. Deren Titel „Schön ist die Welt“ liest sich nun beinahe wie ein Vermächtnis.
Begräbnis am 4. Juli am Weizberg
Der feierliche Gottesdienst findet am Freitag um 13 Uhr in der Basilika am Weizberg statt. Das persönliche Abschiednehmen ist am Donnerstag von 8 bis 19 Uhr in der Aufbahrungshalle sowie am Freitag ab 12 Uhr in der Basilika möglich.