Die Kinder freuen sich über neun Wochen Sommerferien. Für sie könnten es wahrscheinlich noch mehr freie Tage sein. Für die Eltern ist diese Zeit oft schwer zu überbrücken. Der Urlaub muss gut eingeteilt und sich um Betreuung gekümmert werden. Sucht man Betreuung für ein Kind mit Behinderung, sind die freien Plätze noch rarer ...
In der Sonderschule in Gleisdorf bietet die Chance B heuer wieder von 10. bis 30. Juli eine Betreuung für Kinder mit Behinderung an. Bis zu 30 Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden dort von Personal aus dem Sozialbereich betreut. Die verfügbaren Plätze werden zum Großteil von Kindern belegt, die bereits Kunden der Chance B sind. Einige wenige Plätze werden auch an Familien von außerhalb vergeben (siehe Info-Kasten).
Kinder, die während des Schuljahres eine Schulassistenz haben, können auch die Sommerbetreuung besuchen, wenn in der Schule eine angeboten wird. Allerdings muss man dafür bei der Bezirkshauptmannschaft um einen Bescheid ansuchen.
„Während des Schuljahres ist es die Aufgabe der Assistenz, die Kinder beim Lernen zu unterstützen. Im Sommer geht es mehr Richtung Freizeitbetreuung“, erklärt Kerstin Buchgraber von der Chance B. Die finanziellen Mittel für diese Assistenz kommen aber in beiden Fällen - während des Schuljahres und im Sommer - vom Land Steiermark und werden über das Behindertengesetz abgerechnet.
„Christina lebt“ bereits voll
Der Verein „Christina lebt“ in Weiz bietet seit mehr als 20 Jahren eine Sommerbetreuung an. Heuer sind es fünf Wochen, wahlweise ganz- oder halbtags. Jedoch sind die rund 14 Plätze schon mit jenen Kindern, die bereits Klienten des Vereins sind, ausgebucht.
„Wir bemühen uns, den Kindern etwas zu bieten. Die Kinder sollen von den Erlebnissen profitieren“, sagt Brigitte Höfler, pädagogische Leiterin des Vereins. Damit die unterschiedlichen Bedürfnisse erfüllt werden können, setzt man auf einen hohen Betreuungsschlüssel. Zum Einsatz kommt ausschließlich erfahrenes Personal aus dem Sozialbereich.
Tagesmütter
Auch bei den Tagesmüttern Steiermark werden Kinder mit Behinderung betreut. „Allerdings sind unsere zwölf MIKADO-Tagesmütter (Anm.: jene Tagesmütter, die für die Betreuung behinderter Kinder ausgebildet sind) im Bezirk ausgelastet. Da könnte nur mit Glück ein Platz für den Sommer frei werden“, sagt Sabine Prettenhofer von der Regionalstelle Gleisdorf.
Die Kosten für die oben genannten Sommerbetreuungsangebote behinderter Kinder werden vom Land Steiermark abgedeckt. Für die Eltern bleibt ein Beitrag für Verpflegung, Eintritte und sonstige Zusatzausgaben zu leisten.
„Nicht inklusiv“
Jürgen Tatzgern von der Fachabteilung „Soziales und Arbeit“ des Landes ortet ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage: „Die verfügbaren Plätze (Anm.: bei „Chance B“ und „Christina lebt“) in der Sommerbetreuung wurden in den letzten Jahren nicht zur Gänze ausgeschöpft.“
Er sieht so manches Angebot aber auch kritisch: Inklusiv sei es nicht, Kinder mit Behinderung getrennt von anderen Kindern zu betreuen.