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Zehn Jahre nach der SchließungSo schäbig ist heute die Hermann-Kaserne

Im September 2007 wurde die traditionsreiche Hermann-Kaserne in Leibnitz aufgelassen. Die Stadtgemeinde erwarb das Areal. Mittlerweile verfallen die Gebäude, verwildern die Flächen. Die Natur holt sich das Areal zurück. Dennoch sitzt die Stadt auf einem Millionen-Schatz.

Einsturzgefahr: Die Hermann-Kaserne in Leibnitz
© Thomas Wieser
 

Lang lebe der Leibnitzer Pioniergeist“ hallte es am 29. September 2007, heute vor zehn Jahren, durch die Hermann-Kaserne. Zuvor hatte Kasernenkommandant Michael Seefried die Flagge eingerollt und dem steirischen Militärkommandanten Heinz Zöllner übergeben. Die rund 70 Kadersoldaten, ausgebildet zu Pionieren, wurden nach Straß und Graz versetzt. Nach 46 Jahren wurde die Garnison, in der in Summe rund 20.000 Soldaten Dienst versehen hatten, geschlossen.


Heute, auf den Tag zehn Jahre später, holt sich die Natur das Areal zurück. Rehe, Hasen und Fasane sind auf den Wiesen unterwegs. Das Gebäude, in der sich der Speisesaal, Unteroffiziers- und Offiziersmesse befanden, ist gesperrt. Das Dach ist undicht. Die Eingänge sind nahezu zugewachsen. Aus den Bodenplatten auf der Terrasse wuchern Stauden, in einem Durchgang nisten Tauben. Ein toter Falke liegt am Boden. Die Gemeindearbeiter haben den Kampf gegen das vorrückende Grün offenbar aufgegeben. Ein Landwirt mäht zwei Mal im Jahr die umgebenden Wiesen, ein anderer lagert Hackschnitzel auf den Flächen, wo früher salutiert und exerziert wurde.


In der Stadtgemeinde weiß man nicht so recht, was man mit dem Kasernenareal anfangen soll. „Es ist ein wertvolles Grundstück für uns“, erklärt Bürgermeister Helmut Leitenberger. 2009 hatte es die Stadtgemeinde der Republik um rund 1,3 Millionen abgekauft. Laut Leitenberger gab es danach immer wieder Anfragen, etwa von Bauträgern, die Teile der Flächen oder das ganze Areal erwerben wollten. Ohne Erfolg. „Wir wollen es nicht verscherbeln. Wir müssen das Gebiet nicht unbedingt mit Wohnungen verbauen lassen“, so Leitenberger. „Natürlich hätten wir sagen können, wir verkaufen alles. Wir kriegen sechs Millionen und ich stehe als Bürgermeister schön da. Aber ist das gut für die Nachkommen?“


In der Stadtgemeinde galt fortan das ungeschriebene Gesetz: „Besser Grundbuch als Sparbuch.“ Freilich, Ideen gab es einige für eine Nachnutzung. Ein Asylheim? Ein Hallenbad? Eine Erweiterung der Firma Assmann? Eine Fachmarktzeile? Ein Reha-Zentrum? Eine Kinderbetreuungsanlage? So manche Gerüchte waberten durch die Stadt. Zu einem konkreten Vorhaben verdichtete sich keines.
„Wir wollen ein Gesamtkonzept aus Wohnen, Wirtschaft und Freizeit“, meinte der Stadtchef vor Jahren vage. Tatsächlich liegt ein Bebauungsplan für die wertvolle innerstädtische Liegenschaft seit 2012 in einer Schublade im Rathaus. Viel Nachdruck gab es nicht für eine konkrete Nutzung. Außer, dass sich vielleicht im vorderen Bereich ein Lebensmittelhändler ansiedeln könnte. Billa, Spar? Leitenberger hält sich bedeckt. Bei der Gemeinderatssitzung im Dezember könnte es eine Entscheidung geben.


Günter Wissiak, stellvertretender Leiter im Bauhof, kennt die frühere Hermann-Kaserne wie seine Westentasche. Dereinst war er dort eingerückt. Nun führt er durch die verwaisten Unterkünfte. Bei den Treppen ist ein Stolperdraht gespannt. „Zur Abschreckung.“ Einige Male drangen Leute in die Gebäude ein, Scheiben wurden eingeschlagen. In einem Gebüsch wurden etliche Laptops gefunden. Diebesbeute. Zu holen gibt es aber nichts mehr, mit Ausnahme morbider Eindrücke. Manchmal üben dort Cobrabeamte und Feuerwehrleute.


Der Pioniergeist, er ist entwichen. Ein Geist des Neubeginns ist indes nicht auszumachen.

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