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Zement aus Retznei

Das graue Gold aus der Südsteiermark

Seit mehr als 100 Jahren wird in Retznei Zement produziert. Das Werk gehört zum französischen Konzern Lafarge. Ungefähr 300.000 Tonnen Zement werden für den Koralmtunnel hergestellt.

© Robert Lenhard
 

Eine Million Kubikmeter Beton: Wie lässt sich diese Zahl beschreiben? Eventuell so: Man könnte damit ungefähr zwei Fußballfelder betonieren - knapp hundert Meter hoch. Etwa 300.000 Tonnen an Zement - so viel wird für eine Million Kubikmeter Beton im Koralmtunnel benötigt - kommt aus der Südsteiermark. Genauer gesagt, aus dem traditionsreichen Zementwerk in Retznei, das heute ein Teil der französischen Lafarge-Gruppe ist.

Beim Werk wurde eine eigene Bahnverladeanlage errichtet, etwa 1,7 Millionen Euro wurden dafür investiert. Und im Schnitt verlässt nun Tag für Tag ein Zug mit acht bis zehn Waggons, vollgefüllt mit Zementpulver, das Werk Richtung Koralmtunnel-Baustelle. "Dies entspricht etwa 500 Tonnen pro Tag", erklärt Lafarge-Werksleiter Peter Fürhapter. Geliefert werden zwei Standardzementsorten und ein Spezialbindemittel. Damit werden die sogenannten Tübbinge - die Segmente für die Tunnelringe - produziert. Der Zement wird aber auch für Spritzbeton oder für das Betonieren von Schächten oder Wänden benötigt.

"Der Koralmtunnel ist unsere größte und wichtigste Baustelle", erklärt Fürhapter "Auf der steirischen Seite sind wir der Exklusivpartner." Zumindest bis zum Jahr 2018 wird also Zement von der Süd- in die Weststeiermark geliefert. Der Wert beträgt, über den Daumen gepeilt, etwa 20 Millionen Euro. An die Kapazitätsgrenzen des Werkes ist man mit dem Großauftrag aber noch lange nicht gelangt. "Der Koralmtunnel sorgt für die Grundauslastung." Allerdings gingen maximal zehn Prozent der gesamten Produktionsmenge an diesen Kunden.

Aber wie wird nun in Retznei aus Kalkstein Zement? Und wieso werden dafür auch Plastikabfälle benötigt? Lesen Sie mehr darüber auf dieser Seite.

Der Leitstand

In Retznei wird das ganze Jahr über Tag und Nacht ohne Unterbrechung gearbeitet. In der Produktion gibt es sechs Schichten: Jede besteht aus fünf Personen, je eine überwacht und betätigt den Leitstand. Noch in den 70er-Jahren bestand ein Schichtteam aus 20 Leuten. Heute hat Lafarge in Retznei rund 90 Beschäftigte.

Das Thermoteam

Seit zehn Jahren gibt es in dem Areal eine Kooperation zwischen den Firmen Saubermacher und Lafarge. Dort werden Abfälle aus dem gelben Sack aufbereitet und zerkleinert - für die Lafarge-Werke Mannersdorf und Retznei, aber auch für andere Kunden. Lafarge verfeuert pro Jahr rund 90.000 Tonnen des Materials.

Der Steinbruch

Hauptrohstoff für den Zement ist Kalkstein (Calciumcarbonat). 80 Prozent des Zements bestehen daraus. Weitere Bestandteile sind Ton, Sand oder Eisenoxid. Der benötigte Kalkstein wird großteils im Retzneier Steinbruch abgebaut. Etwa 15 Prozent des Bedarfs stammen aus dem Steinbruch Weissenegg (Stocking).

Die Zementmühle

Der Portlandzement-Klinker, der im Ofen entsteht, wird in den insgesamt drei Zementmühlen fein gemahlen. Beigemengt werden im Jahr rund 20.000 Tonnen Gips, 90.000 Tonnen Hochofenschlacke aus Donawitz oder 50.000 Tonnen Steinkohleasche aus dem Kraftwerk Mellach. Acht Sorten Zement werden produziert.

Der Drehrohrofen

Der 60 Meter lange Ofen, in Betrieb seit 1968, ist das Herzstück des Werkes. Die Flammentemperatur beträgt rund 2000 Grad Celsius, das Material wird auf 1450 Grad erhitzt. Verheizt werden etwa geschreddeter Kunststoff aus dem Thermoteam, Altreifen, Tiermehl, Lösungsmittel (Glycerin) oder Kohle.

Die Lagertürme

Insgesamt werden rund 40.000 Tonnen Zement in 13 Silos gelagert. Damit könnten etwa 2000 Einfamilienwohnhäuser errichtet werden. Die Umschlagzeit beträgt rund einen Monat. Es gibt in dem Areal eine eigene Packerei. Das Material wird mit der Bahn und mit Lastkraftwägen abtransportiert.

Die Rohmehlsilos

Das Rohmehl wird in gewaltigen Silos zwischengelagert und gelangt infolge von dort über so genannte Becherwerke in den etwa 55 Meter hohen Vorwärmer. Dort erfolgt danach ein Wärmeaustausch mit den Abgasen aus dem Ofen . Das Rohmehl wird im Vorwärmer auf rund 950 Grad Celsius erhitzt.

Die Zentrale

1910 wurde in Retznei das Zementwerk "Perlmoos" gegründet. Heute gehört der Betrieb zu 70 Prozent dem französischen Konzern Lafarge mit 68.000 Mitarbeitern. Die Strabag ist mit 30 Prozent beteiligt. In Retznei wird rund eine halbe Million Tonnen Zement pro Jahr produziert.

Der Trockner

Das Rohmaterial wird mit der Abwärme des Drehrohrofens getrocknet und danach in einer Kugelmühle gemahlen. Es entsteht ein Rohmehl. In einem Rauchgaswäscher werden die Schwefeldioxide herausgewaschen. Der dabei entstehende Gips wird später bei der Zementmahlung beigemengt.

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