Das Wort "Femizid" war in den vergangenen Jahren in aller Munde. Heuer wurden zwischen Jänner und Oktober bereits 28 Frauen von Männern in ihrem Umfeld ermordet. Robert Gamel, der die Außenstelle des Vereins für Männer- und Geschlechterthemen in Hartberg-Fürstenfeld leitet, erklärt unter anderem, wie es so weit kommen konnte und betont gleichzeitig, dass die Männerberatung und die Arbeit mit Gewalttätigen zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe sind.

Österreich liegt bei Femiziden über dem EU-Durchschnitt. Dafür gibt es verschiedene Einflussfaktoren. "Oft spielt eine Rolle, dass patriarchalische Machtstrukturen erhalten werden sollen", meint Gamel, aber auch, dass 'männlich' für einige mit 'dominant' gleichzusetzen sei. Des Weiteren würden Täter oft probieren, andere zu kontrollieren, um das eigenen Selbstbild zu schützen. So nennt der studierte Sozialarbeiter einige der vielen Ursachen. Er hebt jedoch hervor, dass die Männerberatung nicht mit der Gewaltarbeit auf eine Stufe gestellt werden kann.

Beratung für alle

"Wir von der Männerberatung Hartberg unterstützen bei psychosozialen Themen - das bedeutet, wir haben für jeden ein offenes Ohr, der beispielsweise überfordert ist, mit seiner sexuellen Orientierung noch nicht umgehen kann oder gesundheitliche Probleme hat." In der Oststeiermark kämen Männer am häufigsten dann zu Beratungsgesprächen, wenn sie in einer Beziehungs- oder Trennungskrise stecken oder mit ihrer momentanen Situation überwältigt seien. Die Bandbreite an Themen, mit denen sich Hilfesuchende an Gamel und sein Team wenden, sei jedoch groß.

Um Personen, die Unterstützung brauchen, überhaupt zu erreichen, sei die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen sehr wichtig. In Hartberg möchte Gamel besonders die Kooperation mit der Frauen- und Mädchenberatung hervorzuheben. "Da wir im gleichen Haus arbeiten, können wir uns sehr gut austauschen." Über die Frauen- und Mädchenberatung würden auch viele Klienten an die Männerberatung herantreten. "Wir sprechen manchmal vorsichtig die Empfehlung aus, dass es konstruktiv sein könnte, wenn sich auch der Partner oder die Partnerin beraten ließe", meint Gamel. Dabei sei es jedoch wichtig, keinerlei Druck auszuüben, denn entscheiden müsse jeder selbst.

Für Beratungstermine ist man immer offen
© Lena Ortner

Finanzen sind (k)ein Problem

Wer an einer Beratung interessiert ist, wird zunächst zu einem telefonischen Erstgespräch gebeten. Nach der Aufnahme des Problems und der Daten meldet sich dann der zuständige Berater bei dem Mann und macht einen Gesprächstermin aus. In Hartberg-Fürstenfeld gibt es zwei Psychotherapeuten und zwei Sozialarbeiter, die immer helfend zur Seite stehen. Terminvereinbarungen sind flexibel, das Team richtet sich, wenn möglich, nach den Wünschen der Klienten.

Die Teuerungen haben die Männerberatung im Bezirk indessen nicht besonders stark getroffen. "Wir können keine finanzielle Unterstützung leisten, daher gibt es für Betroffene im ersten Moment andere Anlaufstellen", meint Gamel. Dennoch würde das Thema "Finanzen" immer wieder in Gesprächen auftauchen. Der Verein für Männer- und Geschlechterthemen bietet übrigens eine breite Palette an Unterstützungsangeboten.