Sommergespräch aus der OststeierJosef Jandrisits: Wie Fürstenfeld in die Hitparade kam

Eine oststeirische Stadt wurde in den 1980er-Jahren durch den Kulthit "Fürstenfeld" von STS zum Mittelpunkt der Musikwelt. Komponiert wurde das Lied von Josef Jandrisits. Er erzählt Geschichten und Anekdoten dahinter.

Sommergespraeche 2018: Josef 'Pepsch' Jandrisits
Josef Jandrisits in seinem Studio. Der „Fürstenfeld“-Komponist lebt in seinem Geburtshaus bei Ilz © Harald Hofer
 

Ihre erste Band haben Sie 1966 gegründet, danach kam „Music Machine“, bei der ebenfalls später erfolgreiche Musiker wie Schiffkowitz oder Boris Bukowski beteiligt waren. Wie kam das damals in ihrer Heimatgemeinde Ilz an?

JOSEF JANDRISITS: Wir waren die Langzotteligen, die Gammler. Dazu fällt mir eine lustige Geschichte ein. Petrus Wippel, Boris Bukowski und ich sind nach einer Probe auf dem Hauptplatz in Ilz gestanden. Aus Richtung Fürstenfeld kam ein Auto daher und der Fahrer deutete mit den Fingern wie mit einer Schere heraus – gemeint war, dass wir uns die Haare schneiden lassen sollten. Dabei hat er aber an der Kreuzung ein Hauseck übersehen und krachte mit seinem Auto in die Mauer hinein. Wir haben so viel gelacht. Er hat uns dann noch beschimpft. Heute wäre das ein Hit auf Youtube.

Die Mitglieder etlicher bekannter Gruppen der 1970er und -80er, etwa Opus, EAV oder STS, kamen aus der Oststeiermark oder dem Südburgenland. Warum war das damals ein so guter Nährboden?

Wahrscheinlich durch das Kernöl und den Uhudler (lacht). Die Burgenländer hatten schon immer viel für Musik übrig und da waren auch die langen Haare egal. Sie waren aufgeschlossen, weil viele Verwandte der Burgenländer in Amerika gelebt haben. Wenn sie hierher auf Urlaub gekommen sind, haben sie eine andere Mentalität und ihre Schallplatten mitgenommen.

STS: Fürstenfeld

STS: Fürstenfeld

Sie haben die Melodie zum Austropop-Kulthit „Fürstenfeld“ komponiert. Wie kam es dazu?

Ich lebte in Deutschland in der Nähe von Heidelberg, hatte aber weiter Kontakt mit Schiffkowitz. Ihm habe ich auf der E-Gitarre ein paar Solo-Nummern vorgespielt. Da war auch „With a little help“ (Anm.: Die Melodie von „Fürstenfeld“) dabei. Mit den fünf Nummern mit englischem Text sind wir zur Plattenfirma nach Hamburg gefahren. Die hat davon überhaupt nichts interessiert, weil damals der „Krautrock“, also eher das Psychodelische und Verrückte, angesagt war. Bei einem sauberen englischem Text mit schönem Gesang hieß es nur: „Ja, ist zwar gut, aber…“. Dann sind die Lieder 1977 halt in der Schublade verschwunden. 1983 hat der „Schiffi“ dann zu mir gesagt, dass er einen neuen Text zu „With a little help“ hat. Er hat es mir vorgespielt und ich dachte mir: „Sonderbar. Wie kann man über einen Ort wie Fürstenfeld einen Text machen?“ Das war schon sehr eigenartig. Ursprünglich hätte das Lied außerdem „I wü wieder ham“ geheißen. Kleine Zeitung-Redakteur Frido Hütter, ein Freund von uns, hat dann gesagt: „Nein, das muss ,Fürstenfeld‘ heißen.“ Dadurch ist der Titel entstanden, sonst wäre er vielleicht nicht so erfolgreich geworden.

Josef Jandrisits - With a little help

Josef Jandrisits - With a little help

Der Titel führte wochenlang die Hitparaden an.

Für das Münchner Oktoberfest wurden nur Bands engagiert, die „Fürstenfeld“ spielen konnten. Sogar nach Amerika schaffte es die Nummer. Ich habe 1986 mit zwei Amerikanern in Florida gespielt. In Fort Lauderdale gibt es ein bayrisches Bierlokal, wo damals ein Alleinunterhalter auftrat. Der kam mit einem Notenblatt von „Fürstenfeld“ zu mir. Er konnte damit nicht so recht etwas anfangen und fragte, ob ich das kenne. Ich zeigte nach rechts oben, wo als Komponist „Jandrisits“ stand und gab ihm eine Kassette mit dem Lied. Er war so glücklich, dass er das Original einmal gehört hat und es jetzt nachspielen konnte.

„Fürstenfeld“ war wahrscheinlich finanziell einträglich?

Bis heute. Ich lebe von den Tantiemen und komm ganz gut aus. Sonst könnte ich mir das Wohnmobil nicht leisten.

Das Reisen mit dem Wohnmobil ist Ihre Leidenschaft, wie auch zahlreiche Videos auf YouTube zeigen.

Wir sind zuerst viel mit dem Pkw durch Griechenland gereist und haben aufs Geradewohl die Unterkünfte gesucht. Dann hatte ich einen VW-Bus, in dem wir ab und zu übernachtet haben. Wenn man aber einmal mit dem Campen anfängt, wird das zur Sucht. Also habe ich mein erstes Wohnmobil gekauft. Dann kommt man drauf, was es alles noch für Extras und Ausstattungen gibt und so entwickelt sich das.

Wohin gehen ihre Reisen?

Ich habe als Mitglied der Band „Guru Guru“ fast in jeder deutschen Stadt gespielt. Dabei habe ich nichts kennengelernt außer der Stadthalle und der Disco. Jetzt schaue ich mir an, wo ich überall war. Das sind unheimlich tolle, schöne Städte. Da nehme ich mir jetzt Zeit, bleibe drei Tage dort, schaue mir ein Museum oder Kirchen an, was mich früher nicht so interessiert hat. Außerdem bin ich regelmäßig in Griechenland.

Beobachten Sie die heutige Musikszene?

Da bin ich draußen, es interessiert mich nicht mehr so. Ich bin sozusagen noch vom „alten Schlag“. Was ich ganz gerne höre, ist klassische Gitarrenmusik, weil ich das auch einmal gespielt habe, als ich unterrichtet habe. Ja, und spontan fällt mir „Wanda“ ein. Vielleicht, weil sie gleich rotzig daherkommen wie wir damals.

Sie haben einen Verein gegründet, mit dem Sie Auftrittsmöglichkeiten für junge Musiker schaffen?

Ja, der heißt „Kunst, Kultur & Bier“. Den haben wir mit Richard Graf, der in Ilz das „Grafenbier“ braut, gegründet. In seinem Lokal gibt es die Möglichkeit, aufzutreten. Das ist zwar erst im Aufbau, aber wir haben schon Konzerte gehabt.

Kostet das die Bands etwas oder müssen sie, wie manchmal üblich, gratis spielen?

Die jungen Leute können jederzeit kommen und spielen. Da geht dann der Hut um und ein paar hundert Euro kommen für sie schon zusammen. Ich bin gegen die Gratiskultur. Der Mechaniker repariert das Auto ja auch nicht kostenlos.

Zur Person

Josef Jandrisits wurde am 6. April 1949 in Ilz geboren, wo er auch heute lebt.

Mit 17 Jahren gründete Jandrisits seine erste Band, mit der er bereits ein halbes Jahr später in der Schweiz auftrat.

Gemeinsam mit Schiffkowitz von der Gruppe „STS“ komponierte er das Lied „Fürstenfeld“, das im Jahr 1983 zum Kulthit wurde.

Die Liebe zur Musik weckte sein Großvater, ein Wiener Heurigenmusiker, der ihm auch als erstes Instrument eine Ziehharmonika kaufte.

Web: www.josef-jandrisits.at

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