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Steirer des Tages

Schule und Showbühne

Als Schuldirektor ist er seit Kurzem im Ruhestand, nun will Austropop-Legende Carl Peyer ("Romeo und Julia") wieder als Sänger durchstarten. Ein Gespräch über sein Leben zwischen Lehrerzimmer und Konzerthalle.

© SUSANNE HASSLER
 

Schuldirektor Karl Peierl ist seit wenigen Wochen im Ruhestand. Was bedeutet das für den Musiker Carl Peyer?

CARL PEYER: Er hat sich sofort auf die Musik gestürzt. Das war wichtig, denn ich habe meinen Beruf als Schulleiter mit Leib und Seele betrieben. Es stand bei mir fast noch über der Musik.

Also ein schwerer Abschied?

PEYER: Ich bin sehr schwer gegangen, mit Tränen in den Augen. Inzwischen bin ich heilfroh, dass ich mich nicht mehr scheren muss. Ich mache weiterhin ehrenamtliche Projekte in Schulen.

Sie waren immer musikalisch aktiv: War es schwierig, Show und Schule unter einen Hut zu bringen?

PEYER: Das habe ich immer strikt getrennt. Manchmal nannten mich Eltern "Herr Peyer", aber das war okay. Ich habe Geschichte, Deutsch und Geografie unterrichtet, nicht Musik - die ist für mich so wichtig, dass ich sie nicht durch die Arbeit vereinnahmen lassen wollte.

War die Lehrer-Laufbahn von Anfang an geplant?

PEYER: Ich habe Ende der Sechziger-Jahre Jus studiert und spielte mit Magic69 (u. a. mit Timischl, Beit und Bukowski, Anm.), aber als 1970 mein Sohn geboren wurde, musste ich meine Familie ernähren - so wurde ich Lehrer.

Lehrer, aber natürlich auch weiterhin Musiker.

PEYER: Mitte der Siebziger-Jahre sogar in zwei Bands: Einmal habe ich mit der Rockband "Jessica" in Markt Allhau gespielt und mit meiner Tanzband in Jennersdorf. Ich habe die erste Stunde in Jennersdorf gesungen, die Band allein weitermachen lassen, bin mit dem Auto nach Markt Allhau geglüht, habe den Anzug aus- und Jeans angezogen, dort eine Stunde gesungen und bin wieder zurück nach Jennersdorf.

Ging das noch gut, als in den Achtzigern der große Hit mit "Romeo und Julia" kam?

PEYER: Da bin ich als Lehrer ausgestiegen, als es eine Woche mit sieben Auftritte an sieben Tagen gab. Die meisten in Wien. In der Pause habe ich Hefte angeschaut, da war ich konsequent. Ich habe auch immer meine Tagesvorbereitung gemacht.

Warum hat es mit der Austropop-Karriere doch nicht geklappt?

PEYER: Was mir gefehlt hat, war der zweite große Hit. Es hat ein paar "Hitterln" gegeben, "Du bist wie a Wunder" oder "Von Amsterdam nach Athen", aber keinen Hammer. Als ich dann noch kein Geld für die Steuer zurückgelegt hatte, musste ich zurück in die Schule - ich hatte ja Familie.

Wie haben Sie sich da gefühlt?

PEYER: Das war wirklich hart. Den Schülern hat es getaugt - und den Mamas wahrscheinlich noch mehr. Aber: Auch wenn in der Musik vielleicht noch etwas drin gewesen wäre, wenn ich mehr Zeit dafür gehabt hätte, bereue ich es nicht. Ich bin jetzt 65, mir geht es gut, ich bin nicht verbraucht. Mich hat der Lehrerjob sehr diszipliniert.

Wie ging sich die Musik dann neben dem Job als Schulleiter aus?

PEYER: Als ich Direktor wurde, dachte ich, dass ich mehr Zeit haben würde. Doch wenn du es erst meinst, bedeutet das 14-Stunden-Tage. In den neun Jahren habe ich kein einziges Lied geschrieben.

Und heute?

PEYER: Jetzt sprießt es wieder. Ich genieße es, bestimmen zu können, wie mein Tag aussieht.

Geht es mit Schlagern weiter?

PEYER: Schlager, Austropop - ich würde Austropop-Schlager sagen. Jetzt, als reiferer Herr, lasse ich mir von niemandem vorschreiben, was ich tun und lassen soll. Ich bin bei einer Hamburger Plattenfirma und will Mitte Jänner ein neues Album veröffentlichen. Nächste Woche geht es mit den Aufnahmen los - mit Rock'n'Roll, Soul, neu aufgenommenen englischen Nummern aus der Jugendzeit, und, ganz wichtig, den Duetten mit Gisi Hafner. Die kommen super an, wie ich gerade wieder bemerkt habe. Gleich in der ersten Pensionswoche hatte ich einen Auftritt in Wien, der super gelaufen ist - und alle Zweifel, dass ich zu alt sein könnte, waren weg.

INTERVIEW: NINA MÜLLER

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