Die Freude ist Günter Wilding anzumerken: „Das ist so klass‘, endlich hab‘ ich einen Job!“, sprudelt es aus dem beeinträchtigten 48-Jährigen hervor. „Ich will fleißig arbeiten, damit ich auch einmal eine Pension bekomme. Die Freude ist einfach riesig, die Arbeit macht so viel Spaß. Und eine Gaude mit den Kollegen ist es auch.“

Nach einem Vorpraktikum im Jahr 2023 und drei Jahren Vorarbeit hat die Österreichische Post Günter mit 1. März fix übernommen. Möglich macht das das Projekt „Step by Step“ der Lebenshilfe Region Judenburg: Menschen mit Beeinträchtigung können in anfangs geschütztem Rahmen Wissen festigen und die notwendigen Schlüsselqualifikationen für den ersten Arbeitsmarkt lernen. Ziel ist die Übernahme, ab diesem Zeitpunkt handelt es sich um ganz „normale“ Mitarbeiter der Unternehmen.

Günter Wilding und seine ehemaligen „Step by Step“-Kollegen mit Ehrengästen, Vertretern der Post AG und der Lebenshilfe
Günter Wilding und seine ehemaligen „Step by Step“-Kollegen mit Ehrengästen, Vertretern der Post AG und der Lebenshilfe © KLZ / Sarah Ruckhofer

Froh über neuen Mitarbeiter

Dies sei eine Win-Win-Situation für alle, betont die Obfrau und Geschäftsführerin der Lebenshilfe, Sandra Rinofner: „Raus aus der Lebenshilfe, rein in die Wirtschaft! Anfangs war es schwer, Betriebe zu finden, die sich darauf einlassen. Heute ist das Projekt ein voller Erfolg. Unternehmen kommen auf uns zu und fragen aktiv nach neuen Mitarbeitern.“ Günter Wilding ist bereits der vierte Kunde der Lebenshilfe Judenburg, der bei der Post AG zu arbeiten beginnt.

„Step by Step“-Projektleiter Marco Sagmeister lobt die Leidenschaft, die Günter Wilding mitbringt: „Von Tag eins an war er begeistert und wollte arbeiten.“ Drei Jahre war der 48-Jährige nun über die Lebenshilfe angestellt, hat in dieser Zeit bereits Lohn bekommen. Denn, das sei die klare Haltung der Lebenshilfe Region Judenburg: Menschen mit Beeinträchtigung verdienen für ihre Arbeit kein Taschengeld, sondern echten Lohn.

Günter Wilding bedankt sich bei seinen Chefs

Pakete sortieren

Über den neuen, höchst motivierten Mitarbeiter freut sich auch die Post. Günter arbeitet in der Zustellbasis Fohnsdorf, seine Aufgabe ist die Vorsortierung der Pakete. „Mir geht bei Günter das Herz auf, es freut mich irrsinnig, ihn heute als echten Postler begrüßen zu dürfen“, strahlt Andrea Pilz-Kapfinger, Bereichsleiterin der Post. Standortleiterin Michaela Seidlinger lobt den Einsatz des „kräftigen Burschen“: „Er ist immer pünktlich, freundlich und hilfsbereit. Die ganze Mannschaft, die ganze Basis ist stolz und steht hinter Günter.“ Auch bei seinem neuen Chef, Post-Regionalleiter Johann Klampfl, hat der ehemalige Lebenshilfe-Kunde Eindruck hinterlassen: „Eigentlich hat Günter mich ins Team geholt, nicht umgekehrt, als ich das Gebiet neu übernommen habe. Es war ein wundervolles Kennenlernen.“

Lob für das Projekt und vor allem für Günter Wilding kam am Montag von den Ehrengästen der feierlichen Übernahme: Parteiübergreifend freuten sich Bundesrätin Gabriele Kolar (SPÖ), die Landtagsabgeordneten Thomas Maier (FPÖ) und Robert Reif (Neos) sowie Fohnsdorfs Bürgermeister Volkart Kienzl (ÖVP) für und mit Günter Wilding. Die Lebenshilfe Region Judenburg sei steiermarkweit ein Vorreiter und Vorbild in Sachen Integration in die Wirtschaft.

Für Günter Wilding heißt es nun täglich von sechs bis neun Uhr: „Packerl schupfen“, strahlt der Murtaler, der die Blasmusik liebt und Fan von Sturm Graz ist. Von der Lebenshilfe gibt‘s als Abschiedsgeschenk Einkaufsmünzen. „Damit kaufe ich mir jetzt eine CD!“