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Wenn Gäste zum Stehlen kommen

Das Sauschädelstehlen ist ein alter steirischer Brauch. Gernot Grünbichler, Stanzer Gastronom, bietet das G'riss um das Schweinderl auch als Freizeitaktivität für Gästegruppen an.

© kk
 

Erst jüngst hat in der Stanz ein Bauer nicht gut genug auf seinen Sauschädel aufgepasst. "In Possegg haben sie erst wieder einen gestohlen", erzählt Gernot Grünbichler, Wirt des "Oberen Gesslbauer" in der Stanz. Sauschädelstehlen funktioniert dort, wo es noch Hofschlachtungen gibt. "Bauern, die ihre Schweine nicht verkaufen, machen Hausschlachtungen", erklärt Grünbichler. Und diese Gelegenheit macht Diebe. Grünbichler: "Der Bauer hängt den Schädel auf und weg ist er. Oder es passiert schon während des Schlachtens."

Grünbichler bietet jetzt in der Faschingszeit den alten Brauch auch für seine Gäste an. Allerdings wird das Stehlen des Sauschädels dann vorher mit einem Bauern abgesprochen. "Die Gäste sind dann gleich beim Stehlen mit dabei", erklärt Grünbichler. Und so war unter anderem die Führungsetage einer Versicherung mit schwarz bemalten Gesichtern nächtens unterwegs, um an einen steirischen Sauschädel zu kommen.

Gericht beim Dorfwirt

Mit dem Stehlen ist der Sauschädelbrauch aber noch nicht vorbei, die Gerichtsverhandlung im Dorfgasthaus, wo der Sauschädel bereits fertig zum Verzehr liegt, folgt auf dem Fuße. Dabei ist es Tradition, dass ein Richter alle Beteiligten verurteilt, ein Polizist den ordnungsgemäßen Ablauf überwacht und eine Sekretärin alles protokolliert. Die Strafe für jeden? "Ein paar Liter Wein", weiß Grünbichler. Sämtliche Beteiligte werden schriftlich zur Verhandlung eingeladen. Verurteilt werden alle: "Der Bauer, weil er nicht aufgepasst hat, und der Schlachter auch, die Diebe natürlich und die Mitwisser."

So kam einmal auch Claudia Flatscher, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Hochsteiermark, zum Handkuss. "Wenn ich ihr sage, wir haben wieder einmal ein Sauschädel-Package, dann ist sie Mitwisserin", sagt Grünbichler und lächelt. Wobei Flatschers Leumund ohnehin schon nicht mehr sauber war, hat sie doch mit Hochsteiermark-Obmann Karl Detschmann versucht, einen Sauschädel zu stehlen. Leider wurden die beiden erwischt.

"Es ist einfach eine Belustigung im Fasching", sagt Gernot Grünbichler über den "hochsteirischen" Brauch. Der hat seinen Ursprung darin, dass in dieser Zeit vermehrt geschlachtet wurde, der Winter eignete sich gut zur Aufbewahrung des Fleisches, außerdem musste genug Zeit sein, um bis Ostern Würstl und Geselchtes fertig zu haben.

Arbeit und Vergnügen

Für die Gäste, die meistens für Seminare in Grünbichlers Betrieb kommen, ist das Sauschädelstehlen eine willkommene Abwechslung, die sie bewusst dazubuchen. "Sauna und Wellness ist ihnen oft zu wenig", erklärt Grünbichler. Ab zehn Personen wird ein Sauschädelstehlen veranstaltet.

Aber es gibt auch noch andere Aktivitäten: Eisstockschießen etwa oder Oldtimertraktorfahrten. Hauptsache ist aber, es passiert in der Natur. Grünbichler: "Pirschen ist auch sehr beliebt." Dabei nimmt ein Jäger Gäste auf die Pirsch mit. Grünbichler: "Um vier Uhr in der Früh in den Wald gehen, Natur und Tiere beobachten, das ist für unsere Gäste ein besonderes Erlebnis." Wild wird übrigens nur erlegt, wenn der Gast nichts dagegen hat.

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