In einem Punkt waren sich alle einig: In Zeiten des massiv steigenden Antisemitismus ist ein solches Zeichen enorm wichtig. Abgesehen davon gibt es teils neue historische Erkenntnisse, die vor allem eine Person in Bruck in einem neuen Licht erscheinen lassen: Emmerich Trummer.
Der im Oktober 1900 geborene Brucker ist 1979 verstorben und war als Bestatter bei der Stadtgemeinde beschäftigt. Während der Nazizeit schaffte es der fünffache Familienvater mit seiner Frau Maria, sich nicht dem NS-Diktat zu beugen. Das berichten die Kinder der Familie, die später, wie etwa Sohn Johann Trummer als Priester, Organist, Musikwissenschaftler und Medienmanager, vielfach Karriere machten.
Das Mutterkreuz lehnte ihre Mama etwa ab, der Vater stimmte als gläubiger Katholik 1938 als einer der wenigen in Österreich gegen den „Anschluss“. Er trat auch trotz Aufforderung nicht aus der Kirche aus. Besonderen Mut hat er bewiesen, als gegen Ende des Zweiten Weltkriegs Tausende Juden durch das frühere Reich getrieben und vielfach ermordet wurden.
Menschen beigesetzt
„Wir haben immer gewusst, dass einer dieser Märsche auch durch Bruck geführt hat“, erklärte Bürgermeisterin Susanne Kaltenegger bei der Enthüllung des Denkmals. Dabei ist vor allem jener von rund 6000 ungarischen Juden gemeint, die 1945 ins Konzentrationslager Mauthausen getrieben wurden. Dank Trummer weiß man heute, dass es in Bruck aber gleich vier Todesmärsche gab. „Seine Aufzeichnungen sind ein ganz wertvoller historischer Beleg, was damals passiert ist.“
Trummer hat nämlich trotz strengsten Verbotes und unter Todesgefahr 13 ermordeten jüdischen Zwangsarbeitern eine fürsorgliche Bestattung zuteilwerden lassen. In einem privaten Totenbuch hielt er die in Bruck getöteten Menschen als „Israeliten“ handschriftlich fest – eine der wenigen schriftlichen Quellen über die Märsche damals in der Kornmesserstadt. 1954 wurden die Toten exhumiert und auf den jüdischen Friedhof nach Graz überführt.
Das Mahnmal
Der Künstler Florian Lercher schuf schließlich mit Schülern des Gymnasiums Bruck, die das Projekt umfangreich aufarbeiteten, ein großes, abstraktes Bild und damit den künstlerischen Grundstein für ein Mahnmal, das er gemeinsam mit dem Metallkünstler Albin Wirbel finalisierte. Es soll ein Ansporn für mehr Menschlichkeit, Toleranz und Zivilcourage sein. Bei der Enthüllung waren unter anderem Emmerich Trummers letzter Sohn Peter Trummer, seine Enkeltöchter Jasmin Novak und Miriam Haberteurer sowie seine Schwiegertochter Eva Faschingbauer dabei. Das Mahnmal steht in der Dr.-Theodor-Körnerstraße direkt neben der Volksschule.