Einen radikalen Schritt und scharfen Schnitt hat Nina Tieber vor sich: Denn während ihr die langen, braunen Haare derzeit noch bis zum Popo reichen, sollen sie ihr schon in wenigen Tagen nicht einmal mehr bis zur Mitte ihres Rückens reichen. Die Entscheidung ist endgültig gefallen, der Friseurtermin steht fest. Die 28-jährige gebürtige Trofaiacherin, die seit dem Sommer in St. Lorenzen bei Knittelfeld lebt, wird sich 30 Zentimeter ihrer Haarpracht abschneiden lassen, um sie der Stiftung "Steirer mit Herz" zu spenden.

Tiebers Haare sollen der Herstellung einer Perücke dienen: "Dafür braucht man fünf bis acht Zöpfe. Das bedeutet, man benötigt Haare von fünf bis acht Menschen", führt die gelernte Einzelhandels- und Bürokauffrau aus, die acht Jahre lang bei einer Drogeriekette im Leobener Einkaufszentrum LCS gearbeitet hat. Der Ortswechsel vom Bezirk Leoben ins Murtal brachte Tieber den zweiten radikalen Schnitt – und war mithin ein Grund, sich von einem Teil ihrer Mähne zu verabschieden.

"Bin jetzt am Bauernhof eben wieder Lehrling"

"Ich arbeite nun in der Landwirtschaft meines Partners mit. Das war schon ein ziemlich krasser Schritt für mich als Beautyberaterin und Mädel von der Stadt. Ich bin jetzt am Bauernhof eben wieder ein Lehrling", meint Tieber. Ihr mache das neue, ungewohnte Arbeitsumfeld aber Riesenspaß – alleine wegen des Umgangs mit den Tieren direkt in der Natur: "Ich lerne jeden Tag", betont sie.

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Auf Social Media ist Nina Tieber sehr aktiv
© Nina Tieber

Am Bauernhof, aber auch beim Umsorgen ihres zweijährigen Sohnes seien die extrem langen Haare aber doch recht hinderlich: "Ich habe sie mir fast immer irgendwie hochgesteckt oder zusammengebunden. Aber manchmal, wenn ich mich zu meinem Sohn hinunterbeuge, steige ich mir selbst auf die Haarspitzen. Und er zieht mich freilich auch ab und zu an den Haaren", erzählt Tieber.

"Seit 2019 nicht einmal mehr Spitzen geschnitten"

Seit sie klein war, habe sie immer lange Haare gehabt: "Seit 2019 habe ich mir nicht einmal mehr die Spitzen geschnitten. Ich habe familiär bedingt das Glück, eine tolle Haarqualität zu haben." Bei einer Spende für "Steirer mit Herz" müsse man mindestens 25 Zentimeter Haare lassen: "Ich habe mich dann dafür entschieden, gleich 30 Zentimeter zu schneiden." Eines ist für sie jedoch klar: "Schulterlang ist mir zu kurz."

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Nina Tieber lässt sich 30 Zentimeter ihrer Mähne schneiden – und spendet sie für einen guten Zweck
© Nina Tieber

In die Pflege langer Haare könne man sehr viel Zeit investieren: "Muss man aber nicht. Ich föhne die Haare zum Beispiel nie. Es braucht eben sehr viel Shampoo und Spülung." Immer wenn die Haare nass sind und daher extra schwer, werde ihr bewusst, dass sie nicht wirklich praktisch seien: "Wenn ich dann aber für mein Engagement auf Social Media Fotoshootings habe, habe ich schon auch wieder eine Freude", räumt Tieber ein.

"Möchte auch andere Mädchen motivieren"

Dementsprechend sei sie doch einige Zeit lang unsicher gewesen, ob sie die Haare wirklich schneiden lassen solle. Auch im persönlichen Umfeld seien die Reaktionen auf ihren Plan zweigeteilt gewesen: "Die positiven haben aber überwogen. Und ich möchte andere Mädchen dazu motivieren, denselben Schritt zu tun und Haare für einen guten Zweck zu spenden."

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Ihr Privatleben versucht Nina Tieber trotz ihres Social-Media-Auftritts nicht allzu öffentlich zu machen
© Nina Tieber

Auf Instagram setzt Tieber das Thema Familie und Kinder in Szene, ohne private Details preiszugeben: "Ich habe Jahreskooperationen mit einigen ausgewählten Marken, deren Produkte ich präsentiere. Leben kann ich noch nicht davon." Das solle sich jedoch ändern – als zweites Standbein neben Social Media sei sie dabei, eine eigene Marke zu etablieren.