Strahlend blauer Himmel, ein majestätischer 2217 Meter hoher Lugauergipfel und die Wallfahrtskirche zum Heiligen Antonius hoch über dem Ortszentrum von Radmer. Nicht weit vom Zentrum entfernt steht die alte Hohenbergschmiede. Russ an den Wänden, Zangen und Hämmer in verschiedenen Größen. Im großen Kamin lodert ein kleines Feuer. "Ich schalte schnell ein wenig Luft dazu", sagt Siegi Gallhofer und betätigt einen Schalter. Stufe 1 und schon sorgt der Luftstrom für ein größeres Lodern.

Eineinhalb Jahre lang hat der gelernte Gold- und Silberschmied, der von 1990 bis 2022 Bürgermeister der kleinen Gemeinde war, die Schmiede revitalisiert. "Ich habe Franz Hohenberg gefragt, ob ich die Schmiede nutzen kann, und er hat sofort zugestimmt", erzählt Gallhofer, der übrigens auch schon unter die Instrumentenbauer gegangen ist und eine Geige gebaut hat.

Viel Arbeit und noch mehr Leidenschaft

Das Feuer im Ofen knistert noch immer, die Glut wird bald passen, um den vorbereiten Stahl weich zu machen. Es steht sich gut auf dem Boden davor. Zirbenholz, neun mal neun Zentimeter groß, verlegt wie ein Steinpflaster. "Wir hätten hier auch betonieren können, aber da hält man das Stehen nicht lange aus. Auf dem Holzpflaster ist es viel angenehmer", sagt Gallhofer mit dem Brustton der Überzeugung. 5400 Stückerl hat er geschnitten und verlegt. Bei 1800 Stunden Arbeit habe er aufgehört zu zählen, verrät er noch.

Inzwischen hat sich Luis Hammer, mit dem Gallhofer die Schmiede betreibt, überzeugt, dass die Glut passt. "So 1300 Grad sollten es schon sein, damit das Stahlstück weich wird", verrät der erfahrene Messermacher, der nicht nur durch seine regelmäßige Eisenerzer Messerausstellung bekannt ist, sondern auch für seine Damastmesser, die auf der ganzen Welt gefragt sind.

Altes Werkzeug und viel Erfahrung

Das Besondere an den Messern aus Damaszener Stahl sei die mehrschichtige Zusammensetzung. "Einige Schichten werden so miteinander verschmolzen, dass sie wie eine ausschauen", erzählt Hammer und zeigt ein weich geschmolzenes neunschichtiges Stahlstück. "Jetzt kommt Borax drauf, das dringt ein und entzieht dem Stahlstück den Sauerstoff", erklärt Hammer.

Stahl, der viel Kohlenstoff und Nickel enthält, sorgt für das schöne Muster
© Johanna Birnbaum

Mittlerweile ist er zum Federhammer gegangen, der schon in der Schmiede war. "Wir haben auch noch einen von der alten Rognerschmiede in Eisenerz gerettet, den müssen wir aber noch restaurieren", ruft Gallhofer während er ein glühendes Stück Stahl zum Federhammer bringt. Wumm, wumm, wumm. Einem Herzschlag gleich donnert der große Hammer auf das glühende Stück, das unter den Schlägen immer flacher wird.

Doch fertig ist es noch lange nicht. Zur Feinarbeit kommt es zu einem von drei Ambossen, die auf riesigen, im Boden eingelassenen Steinen stehen. Hammer hält den noch immer glühenden Stahl, der sich allerdings schon dunkler verfärbt hat, mit einer Zange und Gallhofer hämmert darauf. "Wir brauchen für unsere Messer Stahl, der viel Kohlenstoff und Nickel enthält. Das gibt die besondere Farbstruktur bei den Klingen", betonen beide Männer, die auch die Griffe ihrer Messer selbst herstellen, kunstvoll, meist aus Hirschhorn.

Kurse und Besucher des Paradeisstollens

Die Schmiede soll aber in Zukunft nicht nur Gallhofer und Hammer zur Verfügung stehen, wie sie erzählen. "Wir stellen uns vor, ein- oder zweimal die Woche ein Schauschmieden zu machen, Kurse abzuhalten, wo man sich selbst ein Messer schmieden kann. Aber auch die Besucher des Kupferschaubergwerks Paradeisstollen in Hinterradmer können bei uns noch echtes Schmiedehandwerk kennenlernen. Da wollen wir kooperieren", lassen die Messermacher in die Zukunft blicken, ehe die nächste Arbeit wartet: Alte Eisenbahn-Schwellennägel weich machen, um daraus kleine Hufeisen zu schmieden – für die Kinder, wenn sie vorbeikommen.