Scharf links einlenken, zwischen Felsbrocken durchschlängeln, dann mit Vollgas über ein paar Baumstämme. Geschickt windet eine Fahrerin ihr Motorrad durch den Parcours. Letzte Etappe: Baumstamm-Schottergrube. Geschafft. Unter dem Helm verbirgt sich aber nicht etwa der Kopf eines erfahrenen Motocrossfahrers, sondern der eines kleinen Mädchens im Volksschulalter – mit blondem, langem Zopf. Neben ihr tummeln sich im Start-/Zielbereich mindestens zehn vermutlich gleichaltrige Burschen – sie alle wollen den Parcours nochmal fahren. "Die Jungen sind hoch im Kurs", tönt es auch aus einem Lautsprecher. Es wirkt irgendwie, als kenne der Erzberg heuer weder Gnade noch Alter – unter den Fahrern wie auch im Publikum.

15 Jahre alt sind Mona Gottsbacher und Lara Tramberger – und beide nicht das erste Mal als Zuseher beim Erzbergrodeo. Als Eisenerzerin dürfe man solch ein Spektakel aber auch keinesfalls versäumen – meint Mona Gottsbacher. Egal, ob wegen des Rennens oder des ganzen Drumherums, "wenn bei uns einmal was los ist, direkt vor der Haustür, dann muss man sich das anschauen", sagt Mona Gottsbacher.

Daumen sind für Hirscher gedrückt

Der absolute Höhepunkt des Erzbergrodeos ist aber für alle, darunter auch Monas Papa Arnold Gottsbacher und Peter Gottsbacher, ganz klar der Sturm auf Eisenerz. Warum? "Weil da einfach wirklich alle in der Stadt zusammenkommen, es ist laut, es ist einfach richtig was los", sind sie sich einig. Weniger einer Meinung sind die vier, wenn es um den Gewinner am Sonntag geht: Während die beiden Männer eher aufs "ältere Eisen" setzen, drücken Mona und Lara Marcel Hirscher die Daumen.

Arnold Gottsbacher, Mona Gottsbacher, Lara Tramberger und Arnold Gottsbacher
© Isabella Jeitler

Alle Daumen sind auch ein Stück weiter bei Emilian Brichard (16, Wien) und Sofie Teubel (20, Graz) gedrückt: Brichards Bruder steht gerade in den Startlöchern für die Prologstrecke. "Unser Papa hat mit dem Motorradfahren gestartet und seither macht es einfach jeder in der Familie", sagt Emilian Brichard. Gespannt blickt er ständig Richtung Start, noch heißt es für seinen Bruder aber warten. Im 20-Sekunden-Takt schießt ein Fahrer nach dem nächsten aus dem Starthaus. Irgendwann will auch Emilian einer davon sein, schwärmt er.

Emilian Brichard aus Wien und Sofie Teubel aus Graz
© Isabella Jeitler

"Leute sind hier einfach wahnsinnig"

Den Traum, überhaupt einmal beim Erzbergrodeo als Fahrer am Start zu sein, haben sich Florian Gerns und Fabian Bründlinger bereits erfüllt – wie auch vier weitere Freunde. Aus Saalbach-Hinterglemm sind die beiden mit einem großen Freundeskreis angereist – ihre Zelte haben sie bereits aufgeschlagen. Was das Erzbergrodeo für sie ausmacht? "Die Atmosphäre, das Event allein, die Party – die Leute sind hier einfach wahnsinnig –, und dass man so viele Leute kennenlernt." Und der Erzberg? "Der ist einfach nur gigantisch", sagt Fabian Bründlinger. Sich einmal für das Rennen zu qualifizieren, das wäre absolut genial, meinen sie.

Weniger um den motorsportlichen Aspekt als viel eher den Spaß- und Unterhaltungsfaktor geht es einer Partie junger Männer aus Tirol in der Nähe von Innsbruck. Sie erleben gerade ihr erstes Erzbergrodeo, sind erst seit wenigen Stunden am Gelände, aber jetzt schon sicher, im nächsten Jahr wieder kommen zu wollen.