Hastig bewegt Eberhard der Vierte seinen Rüssel auf und ab. Mit dem Kopf fast im Boden versunken, sucht der Eber den erdigen Untergrund nach etwas Essbarem ab. Dicht gefolgt von über einem Dutzend borstigen Ringelschwänzchen-wackelnden Artgenossen, seiner Schweinefamilie. "Grunz, grunz!" - Glückstreffer - Maiskörner!

Noch ist die Lacke, ein Stück darunter, relativ unbenutzt - doch bei etwas höheren Temperaturen suhlen sich die Schweine liebend gerne im Dreck, erzählt Landwirtin Marion Nestler (32). Sie ist Kraubather Ortsbäuerin und neben Ehemann Harald Ottinger Besitzerin der "Unicorn-Farm Trattlerhof" in Kraubath, wohnt aber in Preg. Nestler Grundgedanke hinter der Farm: eine artgerechte Freilandhaltung unterschiedlicher Nutztiere.

Zwei unzertrennliche Ziegenböcke

Neben mehreren Rassen Schweinen hält Nestler hier noch über 100 Schafe und Ziegen aller Art, aber auch Puten, Pferde, Dahomey-Rinder, Jersey-Kühe und Zwergzebus, die Urrasse aller Kühe. Ähnlich wie ein Kamel, bilden auch die Zwergzebus einen Höcker, der als Wasser- und Fettspeicher dient, erwähnt sie.

Verschiedene Tiere leben hier gemeinsam auf der Wiese in einer Herde, wodurch sich teils spezielle Strukturen bilden würden: "Wenn sie sich von etwas bedroht fühlen, beschützen auch die Kühe die Lämmchen. Und Schafe ahmen etwa die Kletterkünste der Ziegen nach. Unsere beiden Ziegenböcke Willi und Spike sind sowieso völlig unzertrennlich." Und als ob die Zwei das eben Erzählte bestätigen möchten, beschnuppern sie sich aufgeregt, blicken verdutzt auf und geben lauthals ein überzeugtes "Mähähh" von sich. Einen unaufmerksamen Moment später knabbert Willi auch schon vorsichtig am Jackenzipfel - ob sich nicht doch etwas Schmackhaftes dahinter verbirgt?

Die Ziegenbock-Freunde Spike und Willi
© Isabella Jeitler

Erste Geh- und Trinkversuche

Ziegenmama Tina hat währenddessen ganz andere Gedanken - sie ist gerade zum allerersten Mal Mama geworden und blickt besorgt auf ihr Erstgeborenes, das als kleines Häufchen im Stroh liegt. Auf wackligen Beinen versucht sich das wenige Minuten alte Zicklein an seinen ersten Schritten Richtung Mutter. Instinktiv auf der Suche nach Muttermilch nuckelt das Zicklein erst am Hals seiner Mutter, bis es die Zitzen entdeckt und gierig drauf los trinkt.

"Wir sind hier gerade quasi auf der Gebärstation. Hier sind alle werdenden und frisch gebackenen Mamis mit Zicklein untergebracht, bis sie zu der großen Herde auf die Wiese kommen", erzählt Nestler zwischen alten Steinmauern. "Das hier war früher einmal ein Stall. 2007 hat ein heftiges Unwetter aber das Dach abgedeckt."

"Wollte Bauer werden, nicht Bäuerin"

Nicht nur die Herde, auch Grund und Boden sind im Laufe der Jahre stetig mitgewachsen: 15 Hektar Fläche - teils gepachtet, teils gekauft - sind es, die Nestler für die Haltung ihrer Tiere, aber auch für Futter benötigt. "Im Sommer kommt ein Großteil der Tiere etwa auf meine Alm bei Übelbach", sagt sie.

Sie sei als Quereinsteigerin in die Landwirtschaft gegangen, erzählt Nestler: "Ich wollte immer Bauer werden - nicht Bäuerin. Weil ich die Sachen machen wollte, die eher der Bauer macht. Viele haben gesagt, das geht nicht. Alleine deswegen, weil ich auf keinem landwirtschaftlichen Betrieb groß geworden bin." Nestler maturierte an der Forstschule in Bruck, hat in einem kantonalen Forstbetrieb in der Schweiz, beim Bundesforst in Salzburg und danach bei den steirischen Landesforstgärten gearbeitet, wo sie auch ihren Mann kennengelernt hat - wegen Sohn Lio ist sie noch in Karenz.

Gleich wie seine große Schwester Sofia wächst auch Lio mit den Tieren auf. Dass immer wieder auch Tiere geschlachtet werden und oft später zu Hause auf dem Teller landen - völlig normal, sagt auch Sofia. "Auf unseren Tisch kommt nur eigenes Fleisch. Aber wir verkaufen keines, sondern machen das nur für uns. Die Tiere verkaufe ich an landwirtschaftliche Betriebe oder Hobby-Tierhalter weiter", sagt Nestler.