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Energie

Gigantisches Kraftwerk für die Koralm geplant

Im steirischen Koralmgebiet ist das stärkste Kraftwerk Österreichs geplant. Eine Milliarde Euro sollen in das Vorhaben fließen. Ende Jänner soll das Projekt in den betroffenen Gemeinden vorgestellt werden. Von Günter Pilch.

© AP
 

Die Pläne sprengen alles bisher da Gewesene. Es ist das leistungsstärkste Kraftwerk Österreichs, das an den steirischen Hängen der Koralm entstehen soll. Zwei Speicherseen mit mehreren Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen, dazu ein in den Berg gebautes Kraftwerksgebäude mit Turbinen, die mehr als 1000 Megawatt Leistung erbringen: So sehen es die Planungen vor, die der Landesbehörde zur Vorabprüfung vorliegen.

Hinter dem Megaprojekt stehen die Weststeirer Peter Masser und Alfred Liechtenstein, die in der Vergangenheit mit ihren Plänen für ein Kleinwasserkraftwerk an der weststeirischen Schwarzen Sulm für Diskussionen gesorgt hatten. Anders als das größenmäßig nicht vergleichbare Vorhaben am geschützten Fluss, liegt das neue Projekt jedoch außerhalb des Natura-2000-Gebiets. Ende Jänner soll es in den betroffenen Gemeinden offiziell vorgestellt werden, die Kleine Zeitung kennt die Details bereits.

So funktioniert ein Speicherkraftwerk

Anders als ein Laufkraftwerk, das an Flüssen das natürliche Gefälle ausnutzt, ist ein Speicherkraftwerk mit einer größeren Staumauer versehen, die das Wasser in einem Stausee zurückhält. Der Vorteil: Das Wasser kann je nach Bedarf dosiert abgegeben werden, die Stromerzeugung richtet sich nach der Nachfrage. Eine Sonderform des Speicherkraftwerks ist der Pumpspeicher, wie er auf der Koralm gebaut werden soll. Er besteht aus zumindest zwei Stauseen in unterschiedlicher Höhenlage. Weht etwa starker Wind, was die Windstromproduktion steigert, wird Wasser vom unteren in den oberen See gepumpt. Herrscht später Flaute, aber gleichzeitig großer Strombedarf, kann das Wasser wieder in den unteren See abgelassen werden, wobei es eine Turbine antreibt. Das Koralmkraftwerk wäre zwar das leistungsstärkste Österreichs, allerdings haben andere Speicher, wie etwa jener in Kaprun, auch natürliche Zuflüsse und können ohne Unterbrechung betrieben werden.

Geplant sind im Bezirk Deutschlandsberg zwei Speicherseen auf einer Fläche von jeweils rund 20 Hektar (siehe Grafik). Der höher gelegene soll auf der Glitzalm entstehen, westlich der Gregormichlalm an der Grenze zu Kärnten. Der tiefer gelegene ist im Bereich Waldsteinbauer geplant - wenig oberhalb der Stelle, an der der Seebach in die Schwarze Sulm mündet. Beim Projekt handelt es sich um ein reines Pumpspeicherkraftwerk. Soll heißen: In Zeiten von Stromüberschuss (etwa in den Nachtstunden) fördert eine Pumpe das Wasser aus dem unteren Speichersee per Rohrleitung in den oberen. Zu Zeiten des Spitzenverbrauchs wird das Wasser wieder über rund 600 Höhenmeter in den unteren See abgelassen, wo ein Generator Strom erzeugt. "Das ist ideal als Zwischenspeicher für die Energie aus Windkraft, die in Österreich um das Dreifache ausgebaut werden soll", sagt Projektinitiator Masser. "Wer die Energiewende will, braucht solche Lösungen."

Kein Endlosbetrieb

Mit einer Engpassleistung von mehr als 1000 Megawatt wäre das Kraftwerk das stärkste Österreichs. Zum Vergleich: Das geplante Grazer Murkraftwerk hat rund 16 Megawatt Leistung, das Gaskraftwerk Mellach 830. Allerdings kann das Koralmkraftwerk nicht endlos lange laufen: Nach acht bis zehn Stunden ist der obere Speicher leer. Dann müsste wieder gepumpt werden.

Den meisten Strom liefern Großanlagen

An den österreichischen Flüssen gibt es mehrere Tausend Wasserkraftwerke. Der Großteil sind Kleinwasserkraftanlagen mit weniger als zehn Megawatt Engpassleistung, die allerdings nur etwas mehr als sieben Prozent zur gesamten Stromproduktion beitragen. Den Löwenanteil an der Stromerzeugung hält die Großwasserkraft mit einem Anteil von rund 55 Prozent. In der Steiermark gibt es derzeit rund 25 Großwasserkraftwerke. Die bislang größten sind die Speicher Hieflau (63 Megawatt Leistung) und Sölk (61 Megawatt). Laut Energiestrategie des Bundes soll der Wasserkraftanteil am gesamten Erzeugungskuchen bis 2015 um etwa ein Zwölftel steigen.

Angesichts der Projektkosten von 800 Millionen bis einer Milliarde Euro ist es naheliegend, dass das Vorhaben nur mit potenten Partnern verwirklicht werden kann. Und diese sind nach Informationen der Kleinen Zeitung zum Teil bereits an Bord, zum Teil noch in Verhandlungen. Auch bei der Energie Steiermark beobachtet man das Vorhaben "mit großem Interesse", wie Sprecher Urs Harnik-Lauris sagt. Der Bau würde etwa fünf Jahre beanspruchen, dazu käme das Genehmigungsverfahren. Die Projektwerber rechnen mit einer Fertigstellung bis 2019 oder 2020.

Von außen wahrnehmen soll man das Kraftwerk übrigens nur durch die zwei Seen. Statt gemauerter Talsperren sollen bepflanzte Naturdämme gebaut werden. Diese sind jeweils rund 800 Meter lang und 90 Meter hoch. Auch die Verbindungsleitung zwischen den beiden Seen mit einem Durchmesser von acht Metern verläuft zur Gänze unterirdisch. Das Kraftwerk mit den Turbinen wird ebenso in den Berg gebaut. Die Kaverne dafür soll übrigens doppelt so groß werden wie das Hauptschiff des Stephansdoms.

Der erzeugte Strom soll in die vorbeilaufende 380-kV-Leitung gespeist werden, die nötigen Grundstücke sind im Besitz von Masser und Liechtenstein.

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