Schon seit den 80ern ist das Kupferdachl unweit von Graz eine verlässliche kulinarische Adresse. Seit der Rückkehr von Daniel Edelsbrunner in den elterlichen Betrieb vor rund acht Jahren hat sich einiges getan. Das Haus präsentiert sich zeitgemäß adaptiert. Man hat die Wahl zwischen Wirtshaus- und Kreativküche in Menüform. Eine Schiefertafel verzeichnet außerdem die Tagesgerichte.

Das „Ursprungsmenü“, in dem die Gänge auch einzeln gewählt werden können, ist ein Abbild saisonaler Vielfalt aus der Region. Wunderbar kräftig gerät die Consommé vom Bioperlhuhn mit einem Teigtascherl rund um eine würzige Haxerlfleischfülle, brav die Forelle Müllerin – ein Filet, das nur wenig gestaubt wird, aber schön knusprig und glasig gelingt. Dazu gibt’s Rahmgurke mit gebratenem Fenchel. Am Ende noch eine etwas trockenere Variante des Kärntner Reindlings mit sämig Gefrorenem.

Wirtshausklassiker im "Ursprungsmenü"
Wirtshausklassiker im "Ursprungsmenü"
© Werner Krug

Auf der anderen Seite geht es kreativ zur Sache. Rinderfiletstreifen umhüllt von Chicorée-Bitternoten mit würziger Pecorinosauce und Pekannuss – an sich eine schön erdachte Kombination. Beim ersten Bissen kommt wider alle Gesundheitsvorsätze die Sehnsucht nach fettem, aromatischem Fleisch auf, doch die Käsesauce liefert Ablenkung in Form fein koordinierter Salzigkeit, um den Gedanken schnell wieder loszulassen. Das Flämmen direkt nach der Entnahme aus dem Kühlen bringt das Rind allerdings nicht auf Temperatur. Auf Krautwickler (mit Buchweizen und Radicchio) und den hervorragenden Kalbsrücken (begleitet von Umami-Lieferanten wie Shiitake, Seitling, Sellerie, Schwarzwurzel) folgt eine Kombination aus mollig-fruchtigen Noten von Äpfeln und Getreide.

Nicht zuletzt lohnt ein längerer Blick in die Weinkarte, die eine bemerkenswerte Auswahl biodynamischer Weine aus der Heimat, Frankreich und Italien birgt. Wer lieber glasweise wählt, findet Spannendes wie den 2011 Riesling vom Stein (Nikolaihof) oder den Grauburgunder Naturel von Michi Lorenz.